Holzbranche kämpft weiter

Ein gesättigter Markt, der unvorteilhafte Wechselkurs und Billigimporte – die Ostschweizer Holzbranche hat mehrere Herausforderungen zu meistern.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen

WINTERTHUR. Die Ostschweizer Holzbranche durchlebt knifflige Zeiten. Zum einen ist der Rundholzmarkt gesättigt. Zum andern ist der Importdruck bei Schnittwaren wie Brettern, Balken oder Bauteilen hoch. Das haben die Verbände der Wald- und Holzwirtschaft, die Waldeigentümer, Forstbetriebe, Sägewerke und Holzverarbeiter vertreten, am jüngsten Treffen der Holzmarktkommission (HMK) Ostschweiz in Winterthur festgestellt.

Viel Sturmholz und Käferholz

Im Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Österreich herrscht demnach ein Überangebot sämtlicher Rohholzsortimente. Zu den Gründen zählen die seit Ende 2014 erstarkte Holznutzung sowie Zwangsnutzungen aus Sturm und Schneebruch. Hinzu kommt, dass in tieferen Lagen derzeit als Folge des trockenen und heissen Sommers regional grössere Mengen Käferholz anfallen. Folge: «Die Lager der Verarbeiter sind voll, und bis Ende Jahr wird nur wenig Frischholz nachgefragt.» Daher empfiehlt die HMK, dass Waldeigentümer und Forstbetriebe bis mindestens Ende Jahr Frischholz «nur auf ausdrückliche Bestellung eines Abnehmers» nutzen.

«Angebote zu Dumpingpreisen»

Erschwerend hinzu zum geringen Bedarf an Frischholz, was den Forstbetrieben und Waldeigentümern weniger Arbeit und Einnahmen beschert, kommt der Wechselkurs. Die Erstarkung des Frankens verteuert den Export von Ostschweizer Rundholz ins Ausland und hat die Importe von Schnittware verbilligt. Zwar hat der Euro jüngst wieder auf 1.10 Fr. angezogen, aber laut der HMK sinken die Importpreise dennoch weiter. «Wir profitieren nicht vom Anstieg des Euro. Denn Anbieter aus Deutschland und Österreich betrachten die Schweiz als Entlastungsmarkt und bieten Schnittware zu Dumpingpreisen an», sagt Toni Horat, Leiter des Regionalverbands Ost der Holzindustrie Schweiz.

Zwist über Preisgestaltung

In diesem Kontext kritisiert Horat einseitige Preiserhöhungen durch die Waldeigentümer, was zulasten der Sägereien geht. Urban Brütsch, Präsident des Thurgauer Waldwirtschaftsverbandes, wehrt sich: «Unsere finanzielle Lage lässt tiefere Preise nicht zu.» Zudem seien im Rahmen der HMK nach dem Fall des Euromindestkurses die Preisempfehlungen in der Ostschweiz stärker zurückgenommen worden als im Schweizer Mittel. Die Anmerkung Horats, die Waldeigentümer könnten die Bäume vorerst einfach stehenlassen, kontert Brütsch: «Wir wollen den Wald nutzen.» Aber auch er weiss: Bis Ende Jahr dürfte der Frischholzschlag wegen voller Lager so oder so gering bleiben.