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HOLZ: Schweizer Ersatz für Tropenholz

Hiesige Firmen versuchen, die Eigenschaften heimischen Holzes so zu verändern, dass sich dadurch neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben. Darin stecken grosse Marktchancen – vor allem im Instrumentenbau.
Andreas Lorenz-Meyer
Ein Griffbrett aus verdichteter Fichte auf einem Instrument des französischen Geigenbauers Charles Brugère. (Bild: Otto Kurmann)

Ein Griffbrett aus verdichteter Fichte auf einem Instrument des französischen Geigenbauers Charles Brugère. (Bild: Otto Kurmann)

Andreas Lorenz-Meyer

Saitenhalter und Griffbrett von Geigen bestehen oft aus Ebenholz. Ein hartes Tropenholz mit guten Klangeigenschaften und von dunkler Farbe. Allerdings steht Ebenholz auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion und auf den Listen von Cites, dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Es zählt damit zu den geschützten Hölzern. Wer es gewerblich importiert, muss am Zoll die legale Herkunft nachweisen. In manchen Ländern gilt diese Regel nicht nur für das Roh­material, sondern auch für damit gefertigte Produkte. Mit einer Geige zu reisen, in die Ebenholz eingearbeitet ist, kann also zu Problemen bei der Einreise führen. Es wurden auch schon Musikinstrumente beschlagnahmt.

Mit heimischem Bergahorn kann das nicht passieren. Allerdings ist diese Holzart für den Geigenbau ungeeignet – ausser man verändert seine Eigenschaften. Das Zürcher Start-up Swiss Wood Solutions, ein Spin-off der Empa und der ETH, modifiziert Schweizer Hölzer so, dass sie die Eigenschaften von Tropenholz annehmen. Dafür wird Bergahornholz in einer wässrigen Lösung eingelegt, getrocknet und per Heisspressverfahren komprimiert. Holztechnologe und Firmenchef Oliver Kläusler erklärt die Wirkung: «Unser Verfahren verleiht dem heimischen Holz eine hohe Härte, Dichte und Dimensionsstabilität. Es erhält somit Klangeigenschaften, die jenen des Ebenholzes entsprechen oder diese gar übertreffen.» Zudem lässt sich die Farbe des heimischen Holzes verändern.

Ergebnis des Verfahrens: ein Instrumentenbauteil namens Swiss Ebony, also Schweizer Ebenholz. Es ist ähnlich dunkel gefärbt wie das tropische Original. Den Klangtest haben mehrere Geigen auch schon bestanden. Und der Preis? «Wir liegen in den Grössenordnungen der bedrohten Hölzer», sagt Kläusler. Die Gebert-Rüf-Stiftung hat die Entwicklung von Swiss Ebony finanziell unterstützt. Derzeit läuft die Suche nach Investoren.

Wird das Holz vom Markt akzeptiert?

Swiss Wood Solutions sucht heimische Ersatzprodukte auch für andere Tropenhölzer wie Rosenholz, Palisander oder Grenadill. So entwickelt Swiss Ebony auch Klarinettenbauteile, Bauteile für Xylofone und Sportgeräte, die sonst aus Grenadill oder Schlangenholz ­bestehen.

Als Grundmaterial kommen sowohl Schweizer Nadelhölzer als auch Laubhölzer wie Buche und Esche in Frage. Während Tests laufen, gibt es Swiss Ebony aus Schweizer Esche schon. Billardqueues wären hier ein weiteres Anwendungsfeld. Kläusler: «In diesem Bereich wird mehr Cites-Tropenholz verwendet, als man denkt. Unser Produkt wäre eine nachhaltige Alternative.»

Der Verkauf läuft kommenden Monat an, zunächst nur die Bauteile für Streichinstrumente, wobei man ein Profiquartett mit dem Material ausrüstet. Zurzeit entwickelt und produziert Swiss Wood Solutions noch auf Labormaschinen. Daher ist der Absatz recht begrenzt, mit Lieferwartezeiten muss gerechnet werden. Potenzielle Kunden – Musikinstrumentenbauer und Musiker – führen weitere Tests auf Streichinstrumenten durch. Die zentrale Frage für Kläusler: «Können wir heimischem, nachhaltigem Holz durch eine moderne Modifizierung neue Eigenschaftskombinationen verleihen, die am Markt begehrt sind?» Zudem muss für alle der Preis stimmen. «Wir sind gespannt, welchen Wert die nationale und internationale Kundschaft der Nachhaltigkeit von Holz in Kombination mit neuen, definierten physikalischen Eigenschaften am Ende beimessen wird», sagt Kläusler. «Immerhin ist Holz die einzige natürlich nachwachsende Rohstoffquelle der Schweiz.»

Das Anwendungsspektrum der Ressource Holz vergrössern – dieses Ziel verfolgt die Empa-Abteilung Vision Wood. Dazu laufen diverse Projekte mit Schweizer Unternehmen. Das Holz erhält durch Modifikationen völlig neue Funktionen. Oder die Eigenschaften werden verbessert. Unter anderem arbeitet die Empa mit der Dämmspezialistin Pavatex zusammen. «Es geht in dem Projekt ­darum, die Festigkeit von Holz­faserdämmplatten zu verbessern und synthetische Bindemittel zu ersetzen», sagt Albert Beeler, Leiter Technologiecenter. In ei­nem weiteren Vision-Wood-Projekt mit Pavatex werden Mineralien tief in die Holzstruktur einge­bracht, was den Feuerwiderstand erhöht. Damit könnte man in bestimmten Ländern etwa Fassaden von höheren Gebäuden isolieren. Beeler: «Das Potenzial von Modifikationen ist gross, wenn man die Eigenschaften so verändern kann, dass ein klarer Mehrwert entsteht.

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