Hollande lobt Massnahmen als wichtig und richtig

Frankreich begrüsst den Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) – und kritisiert die deutsche Skepsis gegenüber den Draghi-Massnahmen. «Deutschland hat uns gelehrt, die Unabhängigkeit der EZB zu respektieren. Es ist nötig, dass sie (die Deutschen, die Red.

Stefan Brändle
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Frankreich begrüsst den Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) – und kritisiert die deutsche Skepsis gegenüber den Draghi-Massnahmen. «Deutschland hat uns gelehrt, die Unabhängigkeit der EZB zu respektieren. Es ist nötig, dass sie (die Deutschen, die Red.) sich daran erinnern», erklärte der an sich deutschfreundliche Finanzminister Michel Sapin in Paris. «Die EZB muss nicht nur dafür schauen, dass die Inflation nicht über zwei Prozent steigt, sondern auch, dass sie nicht zu nahe an null Prozent sinkt.»

Hollandes Lob

Zuvor hatte die deutsche Wirtschaft den von der EZB angekündigten massenhaften Kauf von Staatsanleihen scharf kritisiert. Die EZB sei zur Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben. «Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt.»

Präsident François Hollande hingegen hat Draghi ebenfalls gelobt. «Ich finde, dass die Entscheidung der Europäischen Zentralbank wichtig ist», sagte Hollande. Er werde nun gemeinsam mit der Regierung die Reaktion der Märkte verfolgen. Es gelte, wachsam zu sein.

Einzelne möchten mehr

Dass Frankreich den Schuldenrückkauf begrüsst, ist keinerlei Überraschung: Die Massnahme läuft auf genau das hinaus, was Präsident François Hollande schon früher verlangt hatte – nämlich eine «Vergemeinschaftung» der Schulden unter dem Euro-Dach. Auch Ökonomen wie Philippe Wachter von der Vermögensberatung Natixis erklärten, Draghis Vorgehen sei «notwendig», um dem lahmenden Wirtschaftswachstum und der leicht negativen Inflation zu begegnen. Einzelne Stimmen halten die Beschlüsse sogar für nicht weit genug gehend: Die Anlageberater von Quilvest Gestion meinten zudem, der von Draghi genannte Betrag entspreche zwar den Erwartungen der Märkte, doch täusche die Höhe darüber hinweg, dass sich der Einsatz über zwanzig Monate erstrecke – was den Betrag doch relativiere.

Stellvertretend für viele Industrielle meinte auch Renault-Patron Carlos Ghosn, es könne der europäischen Wirtschaft nur gut tun, wenn neues Geld in die Abläufe gelange. Der Pariser Börsenindex CAC 40 legte bis gestern abend um gut ein Prozent zu.