Hohe Verluste, weniger Aufträge, und nun gibt Corona diesem Geschäft den Rest: Werdenberger Industriefirma Pago verlagert ihren Maschinenbau mit 30 Stellen nach Deutschland

In Europa sei die Ertragslage des Maschinenbaus ohnehin schon sehr schwierig, und die Coronapandemie habe die Lage noch verschärft. Deshalb verlagert Pago dieses Geschäft ins Ausland. Erhalten bleiben in Grabs der Service und der Vertrieb sowie die Division Etiketten mit 100 Angestellten.

Thomas Griesser Kym
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Bei der Pago in Grabs geht der Maschinenbau mit 30 Stellen verloren.

Bei der Pago in Grabs geht der Maschinenbau mit 30 Stellen verloren.

Bild: Thomas Schwizer

Per Mitte 2012 hatte der japanische Konzern Fuji Seal die Pago-Gruppe mit Hauptsitz in Grabs für 121 Millionen Franken erworben. Die Inhaber der Pago, eine der weltführenden Herstellerinnen von Etikettiersystemen, regelten damit ihre Nachfolge. Fuji Seal, die Verpackungsmaschinen, Schrumpffolien und Etiketten produziert, baute ihr Programm aus.

Richtig glücklich geworden sind die Japaner aber mit der Pago-Gruppe nicht. Seit einigen Jahren wird versucht, das Geschäft auf einen nachhaltig grünen Zweig zu bringen. Am deutschen Pago-Standort in Aichtal südlich von Stuttgart wurden beispielsweise einmal 100 Stellen abgebaut, wodurch die Zahl der Mitarbeitenden der Pago-Gruppe auf 900 sank. Auch in Grabs gingen schon Stellen verloren, 2014 deren sieben. Mittlerweile zählt die ganze Gruppe lediglich noch 415 Beschäftigte.

Die Division Etiketten mit 100 Angestellten bleibt in Grabs

Und nun trifft es den Hauptsitz in Grabs erneut. Wie das Unternehmen mitteilte, wird der Maschinenbau mit 30 Stellen nach Deutschland verlagert. Erhalten bleibe in Grabs zum einen jener Teil der Division Maschinenbau, der Serviceleistungen für Kunden in der Schweiz und in Österreich erbringt, sowie der Vertrieb. Zum anderen bleibe die Division Etiketten mit 100 Angestellten in Grabs.

Beispiele für Pago-Etiketten.

Beispiele für Pago-Etiketten.

Bild: PD

Pago-Geschäftsleiter Shingo Sakurai begründet die Restrukturierung des Maschinenbaus mit «der sehr schwierigen Ertragslage dieses Geschäftsfeldes in Europa». Die Rede ist von «rückläufigen Auftragseingängen und besonders hohen Verlusten» des Maschinenbaus der Pago-Gruppe im vergangenen Jahr. Die konkreten Zahlen liegen noch nicht vor.

Seit Jahren in den roten Zahlen

Auch die ganze Pago-Gruppe steckt schon seit geraumer Zeit in den roten Zahlen. Für das Geschäftsjahr 2018/19 per Ende März 2019 wies sie einen Verlust von 800'000 Franken aus, für jenes davor gar ein Minus von 6,25 Millionen Franken. Der Umsatz betrug zuletzt 100 Millionen Franken, Tendenz sinkend. Und jetzt dürfte die Coronakrise «gravierende Folgen» für die weitere Entwicklung des Umsatzes haben.

Weniger Aufträge, hohe Verluste, und zu allem Überfluss Corona: All dies mache es «unumgänglich», zur Steigerung der Effizienz die Produktion der Maschinen von Grabs zur Pago Etikettiersysteme GmbH in Deutschland zu verlagern, zumal eine Markterholung nicht in Sicht sei.

«Schmerzhafte» Verlagerung und ein Sozialplan

Sakurai betont, man habe, bevor man am Dienstag an einer Betriebsversammlung «den schmerzhaften Plan der Verlagerung» präsentierte, «alle Optionen geprüft». Auch lobt der Manager die Mitarbeitenden für ihre Kompetenz und ihr Engagement.

Pago hat nun ein zweiwöchiges Konsultationsverfahren eingeleitet. In dieser Zeit können die Mitarbeitenden bis 26. Mai Vorschläge einreichen, um den Stellenabbau zu vermeiden oder zu mildern. Danach wird der endgültige Entscheid gefällt. Sollte es bei der Verlagerung bleiben, will Pago einen Sozialplan bereitstellen. Ein Pago-Sprecher sagt, «Frühpensionierungen und andere sozialverträgliche Massnahmen sind angedacht».

Firmen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

Die Wurzeln der Pago reichen zurück bis ins Jahr 1896. Damals wurde sie in Buchs als Schreibwarenhandlung gegründet. Fuji Seal gibt es seit 1897. Im Jahr 2014 knackte der japanische Konzern erstmals die Umsatzmarke von umgerechnet 1 Milliarde Dollar.

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