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Onlinehandel: Hohe Rekorde, unterirdische Pläne

Der Onlinehandel ist mit Tempo unterwegs. Die «Internationale Handelstagung» am Gottlieb Duttweiler Institut bot Blicke in die Zukunft.
Edith Arnold
Drei Millionen Artikel sind bei Galaxus online erhältlich. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Wohlen, 25. Januar 2018)

Drei Millionen Artikel sind bei Galaxus online erhältlich. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Wohlen, 25. Januar 2018)

«Möglicherweise eine Karotte, konfektioniert in Cellophan, bald von einem Kurier überreicht.» Rainer Deutschmann, Leiter Direktion Logistik und Transport Migros-Genossenschafts-Bund, bringt das veränderte Konsumverhalten auf den Punkt. «Einzeln verpackte Rüben sind japanische Verhältnisse, aber wahrscheinlich auch ein Szenario für uns», sagt der Handelsexperte an der Internationalen Handelstagung vom Wochenende am Gottlieb Duttweiler Institut GDI. Der Kunde/die Kundin wolle das Produkt hier und jetzt zum günstigsten Preis gerne auch auf ökologischer Tour erhalten.

«Wenn man Transporteure und Transportmittel im Sinn von Schwarm zusammenbringt und ganz anders steuert, führt mich das zu Cargo Sous Terrain. Wir werden es noch erleben», sagt Deutschmann mit Schalk in den Augen. 2030 soll zwischen Härkingen und Zürich die erste Teilstrecke der unterirdischen Güterbahn in Betrieb gehen. Ein weltweites Patent zur «Untergrundtransportlagerung» ist bereits angemeldet.

Migros neben Coop neben XY: Intelligente Logistik scheint das Thema der Stunde. Wie gross denn dieses Loch werde?, will ein Teilnehmer der Internationalen Handelstagung wissen. Sechs Meter Durchmesser bei 500 Kilometer Gesamtnetz. Die Fantasie für die Befüllung reicht bis in den Fernen Osten. Chinesische Investoren wollen sich ja schon in der Baubewilligungsphase am Zukunftsprojekt beteiligen.

Alibaba pulverisiert Lieferzeiten

Mit Jeongwen Chiang nimmt auch ein Marketing-Professor der China Europe International Business School in Rüschlikon teil. Er gibt «Einblicke in die innovativste Handelswelt». Am 11. November 2018, dem sogenannten «Singles Day» – das Gegenstück zum amerikanischen «Black Friday» – wurden in China 812 Millionen Bestellungen getätigt. Ein Rekord! Das schnellste Paket soll einen Kunden in Shanghai innert 12 Minuten erreicht haben. In Rot steht auf der Leinwand: «Alibaba’s Ambition is to build a world-class Logistic Network». Für Russland und Spanien habe man die Lieferzeiten bereits auf 72 Stunden reduzieren können. Und die Chinesen haben auch die kaufkräftige Schweizer Kundschaft im Visier.

Das Zauberwort für Unternehmen heisst USP, Unique Selling Proposition. Und solche Anleitungen kann man beim hiesigen Platzhirschen Galaxus kaufen. Das Online-Warenhaus der Schweiz wirbt mit «Fast alles für fast jede*n». 5000 der drei Millionen Artikel gehören zu den Topprodukten, erklärt Hendrik Blijdenstein, der Einkaufschef. Für die Inszenierungen sorgt ein ganzes Heer von Systementwicklern. Mit authentischem Inhalt werden die Kunden unterhalten.

«Wir wollen das System nicht nur mit Produkten füllen, sondern auch mit Wissen

und Unterhaltung», erklärt Blijdenstein. Physische Nähe als Vorteil gegenüber Alibaba? Hoffentlich, denn was bringt all das Billigzeug in einer Zeit der Fülle, Umweltverschmutzung und Dematerialisierung?

Pauline Png macht Appetit auf «Habitat by Honestbee», ein Konzeptstore in Singapur. Beim neusten Streich des Online-Lebensmittelhändlers kann der Kunde einfach mit dem Handy ins Schlaraffenland einchecken. Hier eine französische Auster probieren, dort etwas Früchte und Gemüse aus 32 Ländern auswählen, durch den Spirituosenkeller flanieren.

Danach den Wagen in die magische Checkout-Box schieben. Was darin passiert? Scannen sei Maschinen-, Einpacken aber Menschensache, verrät Png. Und wenn bei soviel Digitalisierung der Strom ausfällt? Schleusen auf – und dem Kunden etwas in die Hände geben!

Foodwaste-App vermittelt halbe Million Mahlzeiten

Gegen Foodwaste geht Mette Lykke mit «Too Good to Go» vor. Das Start-up zählt bereits 400 Mitarbeiter und erobert von Dänemark aus europäische Länder. Die App funktioniert seit einem Jahr auch in der Schweiz. Das Geschäftsmodell: Detailhändler melden aktuelle Überschüsse. Diese können von Interessierten vor Ladenschluss abgeholt werden. Eine der beliebtesten Adressen ist Globus. Statt 80 nur 20 Franken bezahlen: kaum auf der App, sind die Überraschungstüten reserviert. Eine neue Möglichkeit, zu günstigen Lebensmitteln zu kommen? 2.90 Franken erhält das dänische Unternehmen pro Verkauf.

1500 Verkäufer machen in der Schweiz mit. Eine halbe Million Mahlzeiten sind gemäss Lykke hierzulande bereits vermittelt worden. Mit dem Geld will man Strategien entwickeln, damit es gar nicht erst zu 30 Prozent Foodwaste kommt. Gewinn macht das junge Unternehmen noch keinen, laut Lykke soll das in rund fünf Jahren der Fall sein.

Kleider nur für die digitale Welt

Bemerkenswert war die Präsentation von Johanna Jaskowska. Die junge französische Künstlerin entwickelt digitale Kleider und Schönheitsfilter für den Auftritt in der virtuellen Realität. Schliesslich muss nicht alles Vorstellbare materialisiert werden.«Nichts ist klar, aber alles ist dringend», philosophiert David Bossart, CEO des GDI am Schluss. Der Handel? In berauschendem Tempo zum Rausch.

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