Hoffnung für die Achillesferse Europas?

Die spanische Wirtschaft findet langsam, aber sicher in die Spur zurück. Für 2014 wird erstmals seit drei Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum erwartet. Die Produktionskosten sind deutlich gesunken und haben die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Industrie gestärkt.

Beat Schiffhauer, Cfa, Strategieanalyst Fixed Income Bei der St. Galler Kantonalbank
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Die spanische Wirtschaft findet langsam, aber sicher in die Spur zurück. Für 2014 wird erstmals seit drei Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum erwartet. Die Produktionskosten sind deutlich gesunken und haben die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Industrie gestärkt. Eine Voraussetzung hierfür waren die Arbeitsmarktreformen, die Spanien, wie auch die meisten anderen Staaten an der europäischen Peripherie, durchgeführt hat. Im Fiskalbereich konnten zudem alle Peripherieländer ihre Defizite deutlich verringern. Eine optimale Situation ist zwar bei weitem noch nicht erreicht. Aber der Trend zeigt in die richtige Richtung.

Schmerzhafte Entschuldung

In Italien ist bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung deutlich weniger Dynamik auszumachen. Schleppender Reformwille, besonders auf dem starren Arbeitsmarkt, sowie ein zaghafter politischer Wille zur Durchsetzung schmerzlicher Einschnitte verhindern eine Verbesserung. Der italienische Staat schreibt zwar schwarze Zahlen, doch die Staatsverschuldung ist eine der höchsten Europas. Weniger schlimm sieht es hingegen im Privatsektor aus. Sowohl die italienischen Unternehmen, ohne Banken, als auch die Privathaushalte sind vergleichsweise tief verschuldet. Die tiefe Verschuldung führt in Italien zu mehr Konsum, und dies generiert Wachstum.

In Spanien, Irland oder Portugal hat die ungleich höhere Verschuldung der privaten Haushalte in den letzten Jahren zu einem schmerzhaften Entschuldungsprozess geführt. Viele haben dank der tiefen Zinsen und der schnell wachsenden Einkommen vor der Krise hohe Schuldenberge aufgetürmt, die sie nun in ihrer wirtschaftlichen Freiheit einschränken. Solange sich die wirtschaftliche Situation nicht markant verbessert, werden die Haushalte versuchen, ihre Schulden abzubauen. Für die Gesamtwirtschaft bedeutet dies tiefere Konsumausgaben und weniger Investitionen, was wiederum ein schwächeres Wirtschaftswachstum zur Folge hat.

Wachstum in Sicht

Die wirtschaftliche Erholung schreitet auch in den Peripherieländern langsam, aber stetig voran. Die einschneidenden Massnahmen waren schmerzhaft, scheinen ihre Wirkung aber nicht verfehlt zu haben. Nun muss sich ein stetiges Wachstum in Spanien und Italien langsam durchsetzen. Die hohe Arbeitslosigkeit ist ein grosses Problem und kann politisch instabile Verhältnisse hervorrufen. Ebenso hängt das schwache Bankensystem wie ein Damoklesschwert über Spanien und Italien und damit auch über der ganzen Eurozone.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, tut gut daran, in seinen Entscheidungen die Achillesferse der Eurozone weiterhin genau im Auge zu behalten. Tut er dies mit Augenmass, sollten die Peripherieländer dank momentan günstiger Marktbedingungen und aufgehellter Konjunkturaussichten die Möglichkeit haben, die Probleme mittelfristig zu lösen.

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