Höhere Schranken beim Welthandel zeigen Wirkung

Der grenzüberschreitende Handel kommt nicht mehr vom Fleck. Die zunehmenden Konflikte zwischen den grössten Wirtschaftsmächten bleiben nicht ohne Folgen – vor allem auch für die Schweiz.

Daniel Zulauf
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Ein Fackelfeuer in einer Ölraffinerie von Exxon-Mobil im Süden von Los Angeles. (Bild: Patrick T. Fallon/Bloomberg)

Ein Fackelfeuer in einer Ölraffinerie von Exxon-Mobil im Süden von Los Angeles. (Bild: Patrick T. Fallon/Bloomberg)

Das garstige Klima im Welthandel wird zunehmend auch in der Statistik sichtbar. Im dritten Quartal des laufenden Jahres ­erreichten die Warenexporte der 20 wirtschaftlich wichtigsten Länder und Regionen der Welt ein Volumen von 3557 Milliarden Dollar. Verglichen mit der vorausgegangenen Dreimonatsperiode entspricht dies zwar einer Zunahme um 0,3 Prozent. Dennoch spricht die Pariser Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) von einer Stagnation. «Die jüngsten protektionistischen Massnahmen beginnen zu beissen», schreibt die Organisation in einer Mitteilung.

Leicht stärker als die Ausfuhren haben im Berichtsquartal die Importe zugenommen (+0,7 Prozent). Das Wachstum ist allerdings hauptsächlich dem gestiegenen Erdölpreis zuzuschreiben. Unter Ausklammerung grosser Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien sei der Welthandel im Herbstquartal nicht vom Fleck gekommen, stellte die OECD fest.

Die Entwicklung bestätigt den starken Einbruch des Handels im zweiten Quartal des Jahres. In den Sommermonaten sind die Exporte der G20-Länder um 0,7 Prozent und die ­Importe um 0,3 Prozent geschrumpft. Auch die Schweiz hatte im Oktober zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ein rückläufiges Aussenhandelsvolumen in einem Quartal vermeldet.

Gefahr eines zunehmend starken Frankens

Auf der Exportseite fallen Deutschland (–2,7 Prozent), Australien (–2 Prozent), Japan (–2 Prozent), Italien (–1,7 Prozent), USA (–1,7 Prozent) und alle 28 EU-Staaten zusammen (–0,8 Prozent) auf. China vermochte den starken Einbruch aus dem Sommerquartal (–4,7 Prozent) in den Herbstmonaten zwar teilweise zu kompensieren (+2,4 Prozent), doch die Zunahme ist gemäss OECD mindestens teilweise einem Sondereffekt zuzuschreiben. Die Statistik enthält die Lieferung einer offenbar ­besonders grossen Erdölplattform nach Brasilien, die mitunter für den sprunghaften ­Anstieg des Importvolumens in dem südamerikanischen Land verantwortlich gewesen sei. In der Schweiz waren im Herbstquartal die Exporte um 2,9 Prozent und die Importe um 1,5 Prozent rückläufig gewesen.

Um 2,9 Prozent gingen die Exporte der Schweiz im dritten Quartal 2018 zurück
137 neue Handels- beschränkungen (Zölle oder Quoten) haben die WTO-Staaten zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 eingeführt

Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsprognosen meldete gestern eine «merklich verschlechterte Stimmung unter deutschen Exporteuren». Der Maschinenbau, der unter anderem aufgrund der langen Vorlaufzeiten in der Produktion bislang relativ gut über die Runden gekommen war, habe jetzt einen deutlichen Stimmungsdämpfer zu verkraften.

Das sind keine guten Nachrichten für die Schweizer Industrie, die nicht nur mit den wachsenden Unsicherheiten im Handel und den steigenden Risiken des Brexit, sondern zunehmend wieder mit der Gefahr einer kräftigeren Aufwertung des Frankens leben muss.

Schweiz will WTO-Schiedsgericht

Die medienwirksamen Schutzzölle Amerikas auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus verschiedenen Ländern bilden nur die Spitze eines laufend grösser werdenden Eisberges von Handelsschranken, wie sie derzeit von vielen Ländern mit offensiven aber auch defensiven Motiven hochgezogen werden. Der Ende November veröffentlichte Jahresbericht der Genfer Welthandelsorganisation WTO über die in den Mitgliedsländern ergriffenen Massnahmen zur Beschränkung aber auch zur Förderung des Handels spricht eine klare Sprache. Zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 haben die WTO-Staaten insgesamt 137 neue Beschränkungsmassnahmen von Zöllen bis zu Quoten eingeführt. Diese betreffen ein zugrunde liegendes Handelsvolumen von 588 Milliarden Dollar. Das von solchen protektionistischen Massnahmen betroffene Volumen ist gemäss WTO siebenmal grösser als im Vorjahr. Eine weitere Eskalation berge grosse Rückkoppelungsrisiken für das globale Wirtschaftswachstum, schreibt die WTO.

Zu den grossen Verlierern einer globalen Abschottungspolitik würde auch die Schweiz mit ihrer stark exportorientierten Wirtschaft gehören. Im Bestreben, die aus den Fugen geratende Welthandelsordnung wieder herzustellen, hat die Schweiz bei der WTO gegen die amerikanischen Schutzzölle auf Stahl und Aluminium Klage eingereicht. Formell wirksam wurde die Klage am 4. Dezember mit dem Ersuchen der Schweiz zur Einrichtung eines WTO-Schiedsgerichtes.