HOCHDORF: Vom Verwerter zum Nischenplayer

Der Milchverarbeiter weist für das vergangene Geschäftsjahr einen Reingewinn von 40 Millionen Franken aus – so hoch wie noch nie. Grund für das starke Ergebnis war die Tochtergesellschaft Pharmalys.

Raphael Bühlmann
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Raphael Bühlmann

Die eingeschlagene Strategie des Nahrungsmittelkonzerns Hochdorf scheint aufzugehen. Der Milchverarbeiter weist für das vergangene Geschäftsjahr einen Rekordgewinn von 40,9 Millionen Franken aus. «2017 hat gezeigt, dass wir in einer anderen Liga mitspielen können», sagte gestern Thomas Eisenring vor den Medien in Zürich. Der CEO der Hochdorf-Gruppe meinte damit die Vorwärtsintegration und das avisierte Ziel, in Zukunft mit mehr Eigenmarken in den Verkaufsregalen präsent zu sein. «Wenn man keine Marke hat, verkauft man seine Produkte jemandem, der eine Marke hat, und der macht dann das Geld», so das Resümee Eisenrings. Damit nimmt Hochdorf immer mehr Abschied von seiner einstigen Rolle als Überschussver- werter.

Auch deshalb hatte sich Hochdorf im vergangenen Jahr die Mehrheitsbeteiligungen der Pharmalys Laboratories SA für 248,2 Millionen Franken gesichert. Pharmalys vertreibt unter den Marken Primalac und Swisslac Babynahrung und Cerealien in über 40 Ländern. Eine Beteiligung, die sich nun als goldrichtig herausstellt. Denn die Performance von Pharmalys übertraf alle Erwartungen. Der Wachstumssprung von 37 Prozent bei Baby-Care-Produkten, dem weitaus margenträchtigsten Geschäftssegment von Hochdorf, ist fast ausschliesslich auf die Pharmalys–Beteiligung zurückzuführen – Margen, die auch das Konzernergebnis in die Höhe schnellen lassen. Hochdorf hat den Reingewinn im letzten Geschäftsjahr mehr als verdoppelt. Und so ist es das erklärte Ziel, die Kapazitäten im Bereich Baby-Care weiter auszubauen. Für CEO Eisenring ein «gigantisches Projekt», man sei aber «auf Kurs».

Milchfett ersetzt umstrittenes Palmöl

Das sehr gute Ergebnis bei Pharmalys beschönigt allerdings den Geschäftsgang in den traditionellen Bereichen. Denn nach wie vor ist der Geschäftsbereich Dairy Ingredients, also die Produktion von Milchpulver, der Umsatztreiber bei Hochdorf. Hier stieg der Umsatz um 3 Prozent auf 405,1 Millionen Franken. Das Ergebnis fiel hier wegen unterschiedlicher Preisentwicklungen – Rekordpreise für Milchfett und ein Preistaucher für Milchproteine und Magermilchpulver – gemischt aus. «Das lange verpönte Milchfett ist wieder gefragt und ersetzt das umstrittene Palmöl», so Eisenring. Dadurch ergaben sich für das Werk in Deutschland Vorteile, für das Magermilchwerk in Litauen hingegen grosse Nachteile. Im Baltikum reduzierte Hochdorf die verarbeitete Milchmenge um fast 20 Prozent.

In der Schweiz habe die Kürzung der Ausfuhrbeiträge die Margen deutlich negativ beeinflusst. Die «Schoggigesetz-Gelder» gleichen Hochdorf bei Exportprodukten die Differenz zwischen in- und ausländischem Milchpreis aus. Zusammen mit den tiefen Proteinpreisen führte dies insgesamt zu einem negativen Ergebnis im Schweizer Dairy-Ingredients-Geschäft.

Wenig Perspektiven ortet CEO Eisenring demzufolge für den heimischen, dafür umso mehr für den internationalen Absatzmarkt, wofür im Übrigen auch die neue Produktionslage in Sulgen sorgen werde. «Wir wollen zu einem globalen, hochprofitablen Nischenplayer im Premium-Food-Bereich werden.» Dafür müsse Hochdorf aber flexibel bleiben. Dass man dabei unabhängig von den Milchproduzenten sei, sei ein Vorteil. «Im Gegensatz zu den Genossenschaften steht bei Hochdorf nicht der Milchpreis im Vordergrund», erklärt Eisenring.

Einigung mit Börsenaufsicht

Neben dem Jahresergebnis wurde gestern auch bekannt, dass sich die Börsenaufsicht mit Hochdorf im Zusammenhang mit einem Verstoss gegen die Rechnungslegungsvorschriften gemäss Swiss GAAP FER im Halbjahresabschluss 2017 geeinigt hat. Der Milchverarbeiter wird 10000 Franken an die Stiftung für Fachempfehlungen zur Rechnungs­legung zahlen. Zudem verpflichtete sich Hochdorf, die Fehler zu korrigieren, wie die Nachrichtenagentur SDA mit Bezug auf die SIX Exchange Regulation schreibt. Dabei geht es darum, wie das Unternehmen die im März 2017 platzierte Pflichtwandelanleihe verbuchte.

Diese wurde vollumfänglich im Eigenkapital berücksichtigt, statt sie in Fremd- und Eigenkapitalkomponenten aufzuteilen. In der Folge wurde ein zu hoher Zinsaufwand erfasst. Diese Versäumnisse führten im Swiss-GAAP-FER-Halbjahresabschluss 2017 zum Ausweis eines zu tiefen Konzernergebnisses und eines zu hohen Eigenkapitals. Entsprechend werden laut der SDA im Halbjahresausweis 2017 unter anderem das Konzernergebnis (14 Millionen Franken, Anpassung von +9 Prozent) und das Eigenkapital (250,5 Millionen, –6,8 Prozent) neu ausgewiesen.