HOCHDORF: Kauf zahlt sich aus

Die Beteiligung an der Vertriebsfirma Pharmalys erhöht den Umsatz des Milchverarbeiters. Auch der Milchpreis zieht an.

Maurizio Minetti
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Das Werk Sulgen des Milchverar­beiters Hochdorf. (Bild: Reto Martin)

Das Werk Sulgen des Milchverar­beiters Hochdorf. (Bild: Reto Martin)

Maurizio Minetti

Die Klagen der Bauern waren in den letzten Monaten nicht zu überhören. Der Preis der A-Milch für den geschützten Inlandmarkt sei mit 65 Rappen pro Kilo zu tief, und man könne kaum mehr davon leben. Dabei ging aber vielerorts unter, dass im Vorjahresvergleich der Preis für B- und C-Milch, die hauptsächlich in den Export gelangt, gestiegen ist. Hauptgrund ist, dass in vielen EU-Ländern die Milchmengen schrumpften und die internationale Nachfrage nach Milchprodukten gleichzeitig gestiegen ist.

Auch in der Schweiz ist die Milchmenge im ersten Halbjahr gesunken. Das zeigen nun auch die Semesterzahlen des Milchverarbeiters Hochdorf. Mit 378 Millionen Kilo verarbeitete die Firmengruppe mit Werk in Sulgen 9,2 Prozent weniger Milch, Molke, Rahm und Permeat (Flüssigmenge) als im Vorjahreszeitraum. Auch der Absatz reduzierte sich um 10,9 Prozent auf 112 000 Tonnen. Trotz rückläufiger Mengen steigerte Hochdorf im Semester den Umsatz um 12 Prozent auf 312 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn stieg um gut 20 Prozent auf 15,8 Millionen, der Reingewinn um 16 Prozent auf 12,8 Millionen. Mit Abstand am meisten setzt Hochdorf mit Pulverprodukten aus Milch und Molke um. In diesem Geschäft namens Dairy Ingredients wuchsen die Verkäufe um 5,8 Prozent auf 216 Millionen Franken. Stagniert haben die Cereals & Ingredients (Weizenprodukte, Snacks, Desserts).

Belastungen des Thurgauer Werks Sulgen

Hauptgrund des Umsatzwachstums bei Hochdorf sind die höheren Milchpreise, die teils auch zu höheren Preisen für Endkundenprodukte geführt haben. Hochdorf beliefert traditionell andere Firmen (Business-to-Business) und war lange Zeit nicht im Endkundenmarkt tätig. Doch in diesem margenträchtigen Geschäft hat sich Hochdorf Ende 2016 mit der Mehrheitsbeteiligung an der Innerschweizer Pharmalys Laboratories verstärkt, die Babynahrung und Cerealien vermarktet. Die Pharmalys-Integration hat den Umsatz der Sparte Baby Care um 36,5 Prozent auf 82 Millionen Franken gehoben. Allerdings ­haben sich wegen temporär geringerer Mengen in Ägypten und Libyen sowie kürzerer Lieferfristen die Volumen im Schweizer Baby-Care-Geschäft verringert. Dies sowie ein Margenverlust der Dairy Ingredients und tiefere Ansätze der Ausfuhrbeihilfen belasteten die Hochdorf Swiss Nutrition mit Werk in Sulgen. Genaue Zahlen zum Schweizer Geschäft nennt Hochdorf keine.

Nun will man mit Preiserhöhungen, Portfoliobereinigungen und Kosteneinsparungen vor allem bei den Pulverprodukten das Resultat im Heimmarkt wieder verbessern. «Geplant sind Verbesserungen der Abläufe. Stellen sind nicht gefährdet», sagt Hochdorf-Sprecher Christoph Hug.