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Hitzetod von Kindern in Fahrzeugen: Was die Autoindustrie unternimmt, um unaufmerksame Eltern rechtzeitig zu warnen

Jedes Jahr sterben in Amerika 40 bis 50 Kleinkinder in überhitzten Autos. Nun wollen die Hersteller dagegen vorgehen.
Renzo Ruf aus Washington
Jedes Jahr sterben in Amerika 40 bis 50 Kleinkinder in überhitzten Autos. Nun wollen die Hersteller dagegen vorgehen. (Bild: Keystone)

Jedes Jahr sterben in Amerika 40 bis 50 Kleinkinder in überhitzten Autos. Nun wollen die Hersteller dagegen vorgehen. (Bild: Keystone)

Ein ganz gewöhnlicher Freitagabend im Juli. Kurz vor 16 Uhr macht sich der 39-jährige Juan Rodriguez, Sozialarbeiter und ehemaliger Berufssoldat, auf den Nachhauseweg. Als er den Parkplatz seines Arbeitsortes – ein Spital für Veteranen im New Yorker Stadtteil Bronx – in einem Honda Accord verlässt, fällt sein Blick in den Rückspiegel. Und er sieht die Kindersitze seiner Zwillinge Luna und Phoenix auf der Rückbank. Die beiden starben im Familienauto an einem Hitzeschlag, erwärmt sich das Fahrzeuginnere an einem Sommertag doch innerhalb von 30 Minuten auf gegen 50 Grad Celsius.

Augenzeugen sagen, Rodriguez habe den Honda gestoppt, sei ausgestiegen und habe laut geschrien. «Ich hatte einen Filmriss», sagte der Vater später den Polizisten, die erfolglos versuchten, die Zwillinge wiederzubeleben. Und er sagte:

«Ich habe meine Babys getötet.»

Fälschlicherweise sei er nämlich der Meinung gewesen, er habe Luna und Phoenix am Morgen wie gewohnt in ihre Kinderkrippe gebracht. Stattdessen fuhr er direkt an seinen Arbeitsort und vergass, als er gegen 8 Uhr aus dem Auto stieg, dass sich seine Kinder immer noch auf dem Rücksitz befanden.

Janette Fennell sind solch herzzerreissende Geschichten wohlbekannt. Seit den Neunzigerjahren hat sich die Kalifornierin dem Kampf verschrieben, Passagierfahrzeuge mit Hilfe technischer Innovationen sicherer zu machen. Derzeit lautet das oberste Ziel ihrer Organisation, die den Namen «Kids and Cars» trägt, die Zahl der Todesfälle von Kleinkindern in parkierten Autos zu verringern.

Massnahmen gehen für manche nicht weit genug

Fennell müsste eigentlich zufrieden sein, dass Dachverbände der amerikanischen Autoindustrie vor einigen Tagen ankündigten, spätestens ab 2024 in sämtlichen Neuwagen ein Warnsystem für die Rückbank einzubauen. Doch Fennell macht im Gespräch deutlich, dass sie über den Vorstoss der Autobauer – der auch von deutschen Herstellern wie Volkswagen, BMW und Mercedes Benz getragen wird – nicht begeistert ist.

Erstens stört sie sich daran, dass die Initiative auf Freiwilligkeit basiert. Ihre Erfahrungen zeigten, sagt Fennell, dass die Autoindustrie vom Gesetzgeber buchstäblich dazu gezwungen werden müsse, neue Sicherheitstechnologien standardmässig einzubauen. Sonst bleibe es bei schönen Worten. Zweitens ist die Aktivistin von den Vorschlägen nicht überzeugt, mit denen General Motors oder Ford das eigentliche Problem lösen wollen – wie können abgelenkte Eltern daran erinnert werden, dass sich auf der Rückbank Kinder befinden, die zu jung sind, um sich zu Wort zu melden?

Zur Debatte steht zum Beispiel die Idee, dass ein hörbares oder sichtbares Warnsignal die Fahrerin oder den Fahrer darauf aufmerksam machen würde, dass zu Beginn einer Fahrt eine Hintertür geöffnet worden sei. Fennell sagt, ein solches System sei technisch zu wenig fortgeschritten. So könne es ausgehebelt werden, wenn der Fahrer einen Zwischenhalt einlegt und dabei die Hintertüre öffnet. Sie strebt vielmehr den Einbau eines Warnsystems an, damit man wahrnehmen kann, wenn ein Kind auf der Rückbank sitzt, sagt Fennell.

Ihre Organisation unterstützt deshalb einen Gesetzesentwurf im Repräsentantenhaus in Washington, der von Demokraten und Republikanern eingereicht wurde. Dieser schreibt der Aufsichtsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) vor, Vorgaben auszuarbeiten, an die sich sämtliche Autobauer halten müssen.

Ein unterschätztes Problem

Fennell wirft der Autoindustrie indirekt auch vor, das Problem zu unterschätzen. Sie sagt, dass mittlerweile in Amerika jedes Jahr 40 bis 50 Kleinkinder in parkierten Autos einen Hitzeschlag erlitten – und in rund 50 Prozent dieser Fälle seien dafür Eltern wie Juan Rodriguez verantwortlich. Rodriguez sei, so jedenfalls sagen es Verwandte und Bekannte, ein nahezu perfekter Vater von insgesamt fünf Kinder gewesen. Dann habe er einen Aussetzer gehabt. Dies mag unglaublich klingen, wie Fennell sagt, und die allermeisten Eltern sind der Meinung, ihnen könne ein solcher Fehler nie unterlaufen. Die Praxis sieht aber anders aus.

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