Hinterfrage die Regeln, sei ein Pirat!

Vor 40 Jahren hatte Nick Hayek nach vier Semestern genug von der Uni St.Gallen. Nun kommt er am Symposium zu einem vielbeklatschten Auftritt. Der CEO des weltweit grössten Uhrenkonzerns spricht über den Erfolg von Swatch und warum er lieber Lehrlinge anstellt als Hochschulabgänger.

Jürg Ackermann
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Nick Hayek in legerer Kleidung am St. Gallen Symposium. (Bild: Urs Bucher)

Nick Hayek in legerer Kleidung am St. Gallen Symposium. (Bild: Urs Bucher)

Der Kleidercode am St.Gallen Symposium lässt keine Fragen offen. Geschätzte 98 Prozent der männlichen Teilnehmer laufen in Anzug und Krawatte und frisch polierten Schuhen über den Campus, in der Hand ein Smartphone. Nick Hayek scheint das alles nicht zu interessieren. An Regeln und vorgetrampelten Pfaden hat sich der CEO des weltweit grössten Uhrenkonzerns mit über 35000 Angestellten noch nie orientiert. Hayek sitzt auf dem Podium, als hätte er schon bald eine Verabredung in einer Strandbar: In Jeans, in Freizeitschuhen ohne Socken und einem lockeren Sakko.

So farbig sein gestriger Auftritt in St.Gallen, so bunt ist seine Biographie. Das Studium an der Uni St. Gallen brach Hayek vor bald 40 Jahren nach vier Semestern ab, dann arbeitete er als Praktikant in einer Giesserei, ehe er fünf Jahre nach Paris ging und Filme drehte. 1994 kehrte er in die Schweiz zurück und trat in die von seinem Vater geführte Swatch Group ein, 2003 wurde er deren CEO. Das Geschäft mit Swatch, Omega, Breguet oder Tissot läuft gut. Der Umsatz liegt mittlerweile bei über neun Milliarden Franken pro Jahr.

Das Recht, auch scheitern zu dürfen

Hayek gibt am St.Gallen Symposium intime Einblicke in die Firmenkultur. So prangt vor dem Firmensitz in Biel eine Piratenfahne. Sie soll die Mitarbeiter dazu animieren, rebellisch zu sein, Regeln zu hinterfragen. «Nur mit Wagemut und Risiko kann Grosses entstehen. Das Recht, auch scheitern zu dürfen, sollte in der Verfassung stehen», findet Hayek.

Die Swatch Group ist ein Unternehmen mit flachen Hierarchien. Und obwohl es gross und weltweit tätig ist, delegiert es die Macht an die Abteilungen in den verschiedenen Ländern. «Die 18 Marken der Swatch-Gruppe unterscheiden sich stark, deshalb braucht jede ein eigenes Marketing», sagte der 61jährige Hayek, der meist in seinem Mini Cooper zur Arbeit fährt. Und der immer wieder seinen Vater Nicolas Hayek zitiert, der ihm auch heute noch, fast fünf Jahre nach dem Tod, das grosse Vorbild zu sein scheint.

Neben Hayek auf dem Podium: Jörg Reinhard, CEO von Novartis, Ulrich Spiesshofer, der Chef von ABB, und Stephen Lee, der CEO von Singapore Airlines. Obwohl zwei Drittel der Zuhörer es gemäss SMS-Umfrage nicht glauben, sind sich die drei darin einig, dass grosse Unternehmen innovativer sind als Start-ups. «Wenn wir merken, dass ein langjähriger Manager im Hamsterrad tritt, versuchen wir ihn da rauszuholen», sagt Spiesshofer.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit Joseph Muscat, Premierminister von Malta. (Bild: Urs Bucher)
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Zwischenverpflegung am Symposium St.Gallen 2015. (Bild: Urs Bucher)
Handy-Pause. (Bild: Urs Bucher)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann bei seiner Rede. (Bild: Urs Bucher)
Symposium St. Gallen 2015: Panel Podium mit Lord Griffiths of Fforestfach, Joseph Muscat, Sigmundur Daviš Gunnlaugsson, Hanna Tetteh und Jack Markell (von links) (Bild: Urs Bucher)
Panel Podium mit Lord Griffiths of Fforestfach, Joseph Muscat, Sigmundur Davis Gunnlaugsson, Hanna Tetteh und Jack Markell (von links). (Bild: Urs Bucher)
Bruno Frey, von der Uni Zürich. (Bild: Urs Bucher)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit Peter Voser und Joseph Muscat in den Zuschauerreihen. (Bild: Urs Bucher)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann wird von Karin Keller-Sutter begrüsst. (Bild: Urs Bucher)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann (Bild: Urs Bucher)
Ulrich Spiesshofer (ABB) und Nick Hayek (Swatch) (Bild: Urs Bucher)
Nick Hayek von Swatch. (Bild: Urs Bucher)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann bei seiner Rede. (Bild: Urs Bucher)
Wichtige Anrufe am St.Gallen Symposium. (Bild: Urs Bucher)
Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit Joseph Muscat, Premierminister von Malta. (Bild: Urs Bucher)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit Joseph Muscat, Premierminister von Malta. (Bild: Urs Bucher)

Die Phantasie eines Kindes

Die Show gehört an diesem Vormittag jedoch Nick Hayek. «Mein Vater», lässt er Moderator Andrew Hill von der «Financial Times» am Schluss wissen, «hat immer gesagt: Wenn ein Kamel nach Cambridge geht, dann bleibt es ein Kamel, auch wenn es dort die Uni abgeschlossen hat. Ich achte bei Bewerbern nicht darauf, welches Studium, welchen MBA sie haben. Viel wichtiger ist es: Haben sie die Phantasie eines Kindes bewahrt? Denken sie kritisch? Stellen sie den Status quo in Frage?» Eine junge Unternehmerin aus London, die Philosophie studierte, steht in der Fragerunde auf und dankt Hayek für den «inspirierenden Auftritt». Sie sehe sich darin bestätigt, dass noch zu viele Unternehmen Leute nach konventionellen Kriterien anstellen würden.

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