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Hilti im Investitionsrausch: Die Digitalisierung soll sich auch auf Baustellen ausbreiten

Mit neuen Produkten und Services will der Liechtensteiner Bauzulieferer die Arbeit auf Baustellen sicherer, schneller und produktiver machen – und daran ordentlich mitverdienen.
Thomas Griesser Kym
Hilti hat vergangenes Jahr 65 neue Produkte auf den Markt gebracht. (Bild: PD)

Hilti hat vergangenes Jahr 65 neue Produkte auf den Markt gebracht. (Bild: PD)

Der Hilti-Konzern hat ein weiteres Rekordjahr hinter sich. Umsatz, Betriebsergebnis (728 Millionen Franken), Reingewinn (546 Millionen): alle Eckwerte sind 2018 verbessert worden. Mit der zweistelligen Wachstumsrate des Umsatzes von 10,7 Prozent auf 5,66 Milliarden Franken hat das Unternehmen, das Baugeräte und Befestigungstechnik herstellt, geschätzt doppelt so stark expandiert wie die globale Baubranche. Konzernchef Christoph Loos räumt zudem ein, die gute Welt- und Baukonjunktur habe Hilti geholfen. In den beiden Hauptmärkten Europa, wo Hilti die Hälfte des Umsatzes erarbeitet, und Nordamerika nahmen die Verkäufe in Lokalwährungen ebenfalls zweistellig zu.

Was auffällt: Die Gewinnzahlen sind weniger stark gestiegen als der Umsatz, und der freie Cashflow, also die selbst erarbeiteten Mittel nach Abzug der Investitionen, sind gesunken. Beides ist aber gerade Ausdruck der Dynamik, die Hilti an den Tag gelegt hat. 2018 nutzte der Konzern seine solide Finanzlage und das günstige Umfeld für überproportionale Investitionen, um Marktanteile zu gewinnen und die Fitness weiter zu stärken. Konkret steigerte Hilti die Investitionen in Infrastruktur und Sachanlagen um ein Viertel auf 164 Millionen Franken. Um die Produktverfügbarkeit rund um die Welt zu gewährleisten, wurden die Lager stärker als üblich aufgebaut, und Hilti wächst kräftig bei den Flottenmanagement-Verträgen, bei denen man die Finanzierung der Geräte für die Kunden übernimmt. Das Volumen dieser Verträge übersteigt mittlerweile die Marke von 1 Milliarde Franken.

Ferner hat der Konzern über die vergangenen fünf Jahre die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 4 auf 6 Umsatzprozente ausgebaut, womit man den Branchenschnitt deutlich übertreffe, und die Zahl der Mitarbeitenden kletterte weltweit um gut 2100 auf 29'000. Gut ein Drittel der Neueinstellungen seien Frauen, womit man deren Basis verbreitere, um ihren Anteil auf Führungsstufen graduell zu erhöhen.

Bauindustrie praktisch ohne Produktivitätsfortschritte

Allein 1000 Stellen wurden im Vertrieb und in der technischen Beratung geschaffen. Hilti bringt seine Produkte im Direktvertrieb an Bauprofis, instruiert diese in der Handhabung und ist so sehr nahe an den Kunden. Als weitere Wachstumstreiber des Geschäfts betrachtet man Innovationen bei Produkten, Serviceleistungen und Software.

Überhaupt spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle in der Strategie. Laut Loos ist nämlich «die Bauindustrie die einzige Industrie, die ich kenne, die in den letzten 20 bis 30 Jahren aus verschiedenen Gründen kaum Produktivitätsfortschritte erzielt hat». Mit digitalen Technologien will Hilti das ändern und geschäftlich profitieren. Die Idee: Mit neuen Produkten will es Hilti den Kunden ermöglichen, auf den Baustellen sicherer, effizienter und produktiver zu arbeiten, um so schneller, kostengünstiger und nachhaltiger bauen zu können. Dank solcher Mehrwerte will Hilti auch entsprechende Preise verlangen können.

Hilti hat hier bereits diverse Bausteine entwickelt. So etwa ei­ne Software für automatisierte technische Berechnungen, Software und Services für die Installationsplanung oder eine Vorfertigung von Modulen, die fixfertig auf die Baustelle geliefert werden, um das ganze Versorgungssystem von Wasser über Gas bis zur Elektrik zu befestigen. Dies im Idealfall aus Sicht des Unternehmens mit intelligenten Hilti-Werkzeugen, die direkt Daten liefern, die belegen, ob auch alles korrekt befestigt worden ist. Zudem sollen im Urteil Hiltis dereinst zweidimensionale Baupläne auf Papier von digitalen 3D-Modellen abgelöst werden. Das soll auch den Unterhalt, spätere Änderungen am Gebäude oder Renovationen erleichtern.

«Ein sehr langsamer Prozess»

Loos räumt allerdings ein, die Digitalisierung der Baubranche sei «ein sehr langsamer Prozess, weil der Bau sehr fragmentiert ist», bestehend aus vielen verschiedenen Handwerks- und Industriesegmenten und auch aus vielen kleineren und mittelständischen Betrieben. Am meisten Chancen für baldige Fortschritte in der Digitalisierung sieht Loos bei grossen Bauprojekten wie beispielsweise Kraftwerken, Wolkenkratzern oder Forschungsgebäuden.

Wegen vieler politischer Unwägbarkeiten ist Hiltis Zuversicht für 2019 laut Verwaltungsratspräsident Heinrich Fischer «etwas verhaltener». Der Umsatz soll im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich wachsen, und die Rendite will man halten. Das ge­be ausreichend Spielraum, um die Investitionen in die Digitalisierung und Modernisierung des Unternehmens fortzusetzen.

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