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HIGHTECH: Das Geschäft schleift rund

Wer ein anspruchsvolles Schleifproblem zu lösen hat, kommt an Kellenberger kaum vorbei. Das St. Galler Unternehmen hat sich zu einem Weltmarktführer entwickelt und profitiert vom Rückhalt der Muttergesellschaft Hardinge.
Thomas Griesser Kym
Kellenberger-Chef Urs Baumgartner (links) und Verwaltungsrat Jürg Kellenberger vor einer brandneuen Schleifmaschine. (Bild: Ralph Ribi,)

Kellenberger-Chef Urs Baumgartner (links) und Verwaltungsrat Jürg Kellenberger vor einer brandneuen Schleifmaschine. (Bild: Ralph Ribi,)

Thomas Griesser Kym

Die L. Kellenberger & Co. AG hat in ihrer 100-jährigen Geschichte manche Turbulenz gemeistert. Das begann schon mit der Gründung, 1917, mitten im Ersten Weltkrieg. «Das waren unsichere, anspruchsvolle Zeiten», sagt Urs Baumgartner, der das Un­ternehmen seit gut zwei Jahren leitet. Firmengründer Leonhard Kellenberger startete einst als Garagenbetrieb mit einem halben Dutzend Mitarbeitenden. Zunächst entwickelte er eine Universalschleifmaschine, dann erweiterte er sein Sortiment sukzessive auf andere Schleifmaschinen. Innert 50 Jahren wuchs das Unternehmen auf 200 Beschäftigte, und in den 1960er-Jahren straffte Leonhards Sohn Edgar die Produktepalette wieder. Ein Rezept, das auch heute wieder angewendet wird: Kellenberger hat einzelne Plattformen definiert, von denen jede jeweils mehrere Maschinentypen ablöst. Dieser modulare Maschinenaufbau mit Standardkomponenten spart Kosten, ermöglicht jedoch trotzdem die Erfüllung individueller Kundenwünsche.

Mittlere Betriebsgrösse zwang zum Handeln

Seit Ende 1995 gehört Kellenberger zu Hardinge. Jürg Kellenberger, Enkel des Firmengründers, hatte sich damals zum Verkauf an den US-Industriekonzern entschlossen. Schon zehn Jahre zuvor hatte er erkannt, dass dem Unternehmen dessen mittlere Betriebsgrösse Probleme bereiten könnte. «Wir mussten entweder durch Zukäufe anderer Firmen wachsen oder uns in eine grössere Gruppe einbringen», erinnert sich Jürg Kellenberger (64), der nach wie vor im Verwaltungsrat sitzt. Zunächst verhandelte man mit den anderen drei international aktiven Schweizer Schleifmaschinenherstellern – Hauser, Tschudin und Voumard – über deren Übernahme, doch dann fiel die Berliner Mauer, der Zweite Golfkrieg brach aus, die Sowjetunion wurde aufgelöst. Die Konsequenz: Das Exportgeschäft in den Osten wie auch Aufträge der Rüstungsindustrie waren schlagartig weitgehend passé. Kurzarbeit, Stellenabbau und zwei schlechte Geschäftsjahre waren die Folge, und die Fusionsgespräche zerschlugen sich. Allerdings nutzte Kellenberger diese Zeit auch, um zu konstruieren und zu entwickeln. So machte man die Maschinen kostengünstiger, was half, im Preiskampf zu bestehen. Mitte der 1990er-Jahre dann kam der Verkauf an Hardinge. Der Konzern war Kellenberger-Kunde und darauf erpicht, sein Portfolio mit Drehen und Fräsen um das Schleifen zu ergänzen. Ironie der Geschichte: Jene drei Schweizer Firmen, mit denen Kellenberger erfolglos verhandelt hatte, sind inzwischen ebenfalls ein Teil von Hardinge.

Heute hat Kellenberger 200 Mitarbeitende in St. Gallen und 80 Angestellte in Biel, am Standort der früheren HTT (Hauser-Tripet-Tschudin). Die Einbindung in Hardinge hat sich mehrfach ausgezahlt. Einerseits haben die Amerikaner Kellenberger bei der Internationalisierung des Geschäfts geholfen, vor allem in Asien. Auf dem chinesischen Markt etwa erzielt Kellenberger bereits 20 bis 25 Prozent des Umsatzes. Zweitens hat Kellenberger dank Hardinge Investitionen finanzieren können, «die für uns eine Nummer zu gross gewesen wären», wie Jürg Kellenberger sagt. Er spricht etwa vom Bau der Produktionshalle, die Mitte 2012 in Romanshorn eingeweiht wurde. Dieser Standort ist ebenso dem St. Galler Hauptsitz angegliedert wie eine Endmontage von Voumard-Maschinen, wofür Kellenberger bei der Firma Spühl in Wittenbach eingemietet ist.

Präzision als Schweizer Tugend

Das Unternehmen sieht sich global im Rund- und Koordinatenschleifen im Highend-Bereich als Mass aller Dinge. Zu den wichtigsten Kundengruppen zählen Autozulieferer, Luftfahrt, Werkzeug- und Formenbau. Auch die Rüstungsindustrie gehört nach wie vor dazu, doch ist diese laut Baumgartner umsatzmässig von der Medizinaltechnik abgelöst worden. Das A und O im Schleifen sei «die Präzision, und bei dieser setzt Hardinge auf die Schweizer Standorte». Das Erfordernis der Präzision illustriert der Firmenchef am Beispiel des Formenbaus. Hier wolle die Industrie etwa Aludosen oder Joghurtbecher immer dünnwandiger und präziser fertigen können. Denn das spart Material und erlaubt die Herstellung grösserer Volumen. All das erfordert hochpräzise Formen, wozu Kellenbergers mikrometergenaue Schleifmaschinen beitragen. Ein Trumpf des Unternehmens ist sein Fachpersonal, und dank bis zu 40 Lehrlingen pro Jahr sorgt Kellenberger gleich selbst für Nachwuchs.

L. Kellenberger

Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland gründete Leonhard Kellenberger 1917 in St. Gallen die L. Kellenberger & Companie und baute 1918 seine erste Universalschleifmaschine. Später führten Leonhards Sohn Edgar (ab 1956) und Enkel Jürg Kellenberger (ab 1989) das Unternehmen in zweiter und in dritter Generation, bis es Ende 1995 an Hardinge verkauft wurde. Im amerikanischen Konzern trägt Kellenberger die Gesamtverantwortung für das Thema Schleifen. (T. G.)

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