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«Hier sind wir verankert»

Die Brauerei Schützengarten ist die letzte grosse unabhängige Brauerei der Schweiz. Trotzdem soll Schützengarten ein Ostschweizer Bier bleiben, sagt Christoph Kurer. Seit Anfang Jahr ist er nicht nur Vorsitzender der Geschäftsleitung, sondern auch Verwaltungsratspräsident der Brauerei.
Christoph Kurer im Bierflaschenmuseum der Brauerei Schützengarten. (Bild: Ralph Ribi)

Christoph Kurer im Bierflaschenmuseum der Brauerei Schützengarten. (Bild: Ralph Ribi)

Herr Kurer, Sie sind Vorsitzender der Geschäftsleitung, Delegierter des Verwaltungsrates und nun auch noch Verwaltungsratspräsident der Brauerei Schützengarten. Nicht zu viel Machtballung?

Christoph Kurer: Die Doppelfunktion ist für uns ein Novum. Ich war aber bis jetzt schon Vizepräsident des Verwaltungsrats, hatte also bestimmenden Einfluss. In zwei Jahren werde ich aber das Amt als Vorsitzender der Geschäftsleitung abgeben.

Trotzdem: Wer kontrolliert Sie in den nächsten zwei Jahren?

Kurer: Dafür gibt es den Verwaltungsrat. Es ist weiter seine Aufgabe, die Geschäfte zu kontrollieren. Mit ihm werde ich noch intensiver zusammenarbeiten. Für Grossunternehmen würde ich eine solche Personalunion nicht befürworten. Aber in einem KMU herrscht eine andere Situation. Ich bin auch der grösste Aktionär.

Wie viele Aktionäre hat Schützengarten?

Kurer: Es sind rund 300 Aktionäre, wobei die meisten eine Aktie besitzen. Rund drei Viertel der Aktien sind in einem engen Kreis.

Wer soll Ihr Nachfolger im Vorsitz der Geschäftsleitung werden?

Kurer: Es wird eine Persönlichkeit aus dem Bereich Marketing und Verkauf, mit Geschäftsleitungserfahrung in der Lebensmittel-, am liebsten der Getränkebranche sein. Wichtig ist auch der Bezug zur Region.

Wird er von ausserhalb kommen?

Kurer: Das lassen wir offen. Wir haben für die Suche ein Komitee im Verwaltungsrat gebildet, das jetzt mit der Arbeit beginnt.

Schützengarten ist die grösste unabhängige Brauerei der Schweiz. Wollen Sie mit diesem «Swissness»-Faktor weiter expandieren?

Kurer: Geographisch sind wir in der Ostschweiz, im Tessin, Liechtenstein und Zürich präsent, mit einem Marktanteil von zwölf Prozent. Das ist eine gute Basis, es gibt aber Entwicklungspotenzial.

Wir wollen in diesem Raum wachsen, hier sind wir verankert – Bier braucht Heimat. Wir müssen ein Gebiet intensiv bearbeiten können, sonst sind wir als mittlere Brauerei nicht stark genug.

Gerade im Kerngebiet gibt es viele kleine Brauereien. Spürt Ihr das?

Kurer: Wenn eine neue Brauerei 1000 Hektoliter im Jahr verkauft, sind das 1000 Hektoliter weniger für die bestehenden, wenn der Kuchen nicht grösser wird. Aber es gab in der Ostschweiz schon immer mehr Brauereien als im Rest der Schweiz.

Zurzeit gibt es ein gewisses Denken: Was klein ist, ist automatisch gut. Dem würde ich aber widersprechen, das stimmt beileibe nicht immer.

Wann kommt ein neues Schützengarten-Bier?

Kurer: Vermutlich nächstes Jahr. Aber unser Sortiment ist jetzt schon beachtlich: Vom Lager über Klosterbräu und Edelspez bis zum weissen Engel.

Sie haben immer gesagt, Schützengarten bleibe eigenständig. Könnte etwas daran rütteln?

Kurer: Nein. Das regionale Bewusstsein hilft uns sehr, und das würde verlorengehen.

Locher hat eine andere Strategie: Die Appenzeller Brauerei verkauft ihr Bier in der ganzen Schweiz. Ist das nachahmenswert?

Kurer: Locher ist damit sehr erfolgreich, aber eine Ausnahme. Ihr hilft die Marke Appenzeller – die scheint erfolgreicher zu sein als die Marke St. Galler. Jede Werbung für den Appenzeller Käse ist auch Werbung für das Bier. Das ist kaum nachzuahmen.

Könnte der Fussballclub die Marke bekannter machen?

Kurer: Der FC macht Schützengarten bekannt, vor allem wenn es ihm gut geht. Deshalb engagieren wir uns auch als Sponsor.

Warum heisst das Stadion nicht Schützengarten-Arena?

Kurer: Wir haben damals mitofferiert. Aber ich bin froh, dass wir die Namensrechte nicht gekauft haben. AFG hat das besser ausnutzen können, als wir es hätten tun können.

Auch das Auf und Ab in den letzten Jahren – da wäre mir nicht immer wohl gewesen, wenn das in einer Schützengarten-Arena stattgefunden hätte.

Wie wichtig sind die Immobilien noch für die Brauerei?

Kurer: Wir haben drei Standbeine: das Bier, den Getränkehandel und die Immobilien, meist mit einem Restaurant. Das gibt auch Sicherheit. Die grossen Brauereien haben sich von den Liegenschaften getrennt. Wir machen das bewusst nicht. Wir betreiben aber keinen aktiven Handel, um Geld zu verdienen.

Die Wirte klagen übers Rauchverbot. Was spürt die Brauerei davon?

Kurer: Jetzt schlägt es schon durch. Im letzten Quartal hatten wir im Gastgewerbe erstmals einen Rückgang. Das muss man zwar etwas länger beobachten, aber ich denke, das Rauchverbot ist ein Grund dafür, gerade im Winter. Im Gastgewerbe herrscht eine heterogene Entwicklung: Einigen geht es ganz hervorragend, anderen nicht gut.

In den letzten Jahren ist auch eine Entwicklung zum Heimkonsum spürbar, der über den Detailhandel läuft. Die Importe haben zugenommen. Auch diese laufen über den Detailhandel, vor allem im Billigsektor.

Schützengarten kann davon nicht profitieren?

Kurer: Wie alle kleineren und mittleren Brauereien sind wir im Gastgewerbe stärker, während die grossen im Detailhandel stärker sind. Uns ist es aber gut gelungen, den Rückgang im Gastgewerbe auszugleichen.

Ist die Marge höher im Gastgewerbe?

Kurer: Man hat hier höhere Kosten: Die Logistik ist teurer, weil es kleinere Einheiten sind. Dazu kommen die Ausschankeinrichtungen und Nebenleistungen. Oft ist die Brauerei eine Bank für die Wirte, damit sie ihre Investitionen machen können. Die Betreuung des Gastgewerbes ist teurer. Deshalb sind unsere höheren Preise gerechtfertigt. Das Gastgewerbe ist auch ein Imageträger. Wenn man sein Gebiet ausdehnen will, versucht man, im Gastgewerbe Fuss zu fassen.

So wird man bekannt.

Wo steht die Brauerei in zwei Jahren?

Kurer: Sie wird sich auch in den kommenden zwei Jahren überdurchschnittlich entwickeln und als eigenständige Schweizer Brauerei den Biergeniessern Freude mit ihren Bieren bereiten.

Interview: Kaspar Enz

Thomas Griesser Kym

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