Mit Sonnenenergie und altem Frittieröl: Staubern-Bergwirt macht seinen Strom selbst 

Daniel Lüchinger betreibt Seilbahn und Bergrestaurant Staubern mit Sonnenenergie und altem Frittieröl. Dieser Beitrag zur Nachhaltigkeit bringt ihm die Nomination für den Raiffeisen-Unternehmerpreis ein.

Kaspar Enz
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Bild: Michel Canonca
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Das beste Wanderwetter liegt schon ein paar Wochen zurück. Wolken hängen über der Talstation der Bergbahn Staubern bei Frümsen. Blau schimmern nur die Solarmodule, die die Talstation einkleiden. Drinnen schrauben zwei Mitarbeiter des Flumser Seilbahnbauers Bartholet in der Mechanik. Trotzdem kommen Besucher vorbei. «Fährt die Bahn?», fragen sie auf Rheintalisch, Vorarlbergerisch, Englisch. Ein paar Handgriffe noch. Und etwas weniger Wind oben, bald also, vertröstet Karin Lüchinger. Sie gehört zur vierten Generation der Bergwirtefamilie. Und ist wie fast alle ihrer drei Geschwister schon im elterlichen Betrieb involviert. Der steht oben im Alpstein, 1200 Meter über dem Rheintal.

Die Staubern-Bahn, die dort hochfährt, ist die erste rein solar betriebene Gondelbahn der Welt. «Die Anlage produziert auch Strom, wenn es bewölkt ist», sagt Karin Lüchinger. Reicht es nicht für die Fahrt, wird die Batterie im Keller angezapft. Aber es brauche gar nicht so viel. Auch weil mehr Wanderer zum Gasthaus hochwandern und die Bahn für die Talfahrt nutzen als umgekehrt. «So gewinnen wir noch einmal Energie durch Rückgewinnung der Bremsenergie.» In den Tragseilen stecken zudem Kabel, sie tragen die überschüssige Energie von unten hoch ins Restaurant. Auch das ist eine Weltneuheit.

Die andere Sicht auf den Alpstein

Oben auf dem schmalen Grat ist grad Platz genug für das Berggasthaus, das schon seit 90 Jahren hier steht. Steil geht es auf beiden Seiten hinunter, es liegt schon Schnee. Eine spektakuläre Aussicht bietet sich übers Rheintal nach Österreich, am hohen Kasten vorbei bis über den Bodensee und bis zur Eben­alp. Dass das Berggasthaus für den diesjährigen Raiffeisen-­Unternehmerpreis nominiert ist, hat aber wenig mit der Aussicht zu tun. Sondern damit, dass Daniel Lüchinger seinen Betrieb in den letzten Jahren zum energetischen Selbstversorger umgebaut hat. Statt Erdöl und Atomstrom treibt die Sonne das Gasthaus und die Bergbahn an – und das alte Frittieröl befreundeter Bergwirte aus dem Alpstein. «Wind wäre noch schöner gewesen», sagt Lüchinger. Aber die meisten Anlagen seien zu gross. «Und der Wind ist nicht konstant genug. Entweder geht er gar nicht, oder dann weht er zu stark.»

Unternehmerpreis

Für die zweite Ausgabe des Raiffeisen-Unternehmerpreises Ostschweiz sind sechs kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nominiert. Wir stellen die Firmen in loser Folge vor. Vergeben wird der Preis am heutigen 14. November im Werk 1 in Gossau. Neben dem Hauptpreis wird auch der Publikumspreis «für das beliebteste Unternehmen» verliehen. (T. G.)

Ein Energiemanagementsystem sorgt dafür, dass nur der Strom läuft, der wirklich gebraucht wird. Die Wärme aus der Küche hilft beim Heizen, und die Kälte des Berges hilft, die Kühlenergie zu minimieren. Die Umwelt liegt Lüchinger zwar am Herzen – als Bergwirt ist er auf sie angewiesen. Aber unabhängig zu sein von Öl und Atomstrom ist für ihn auch eine Notwendigkeit.

Sparen als Notwendigkeit

Daniel Lüchinger ist hier oben aufgewachsen. Seine Grossmutter hatte das Berggasthaus eröffnet. «Wir mussten schon immer sparen, auch damals mit dem Petrol», sagt er. «Wir mussten es ja mühsam hier hochbringen.» Ein Anschluss ans Stromnetz war unmöglich. Erst die Kabel in den Standseilen ermöglichen diesen. So trieb lange ein Dieselaggregat Seilbahn und Gasthaus an. Zehn Tonnen Diesel, die erst hochgeschafft werden müssen.

Als vor rund zehn Jahren der Ölpreis aufschlug, kündigte er dem Ölhändler. Er wolle eine andere Lösung finden, so Daniel Lüchinger.

«Der Ölhändler lachte mich erst aus. Ich werde bald wieder zurückkommen, glaubte er.»

Er sollte sich irren. Lüchinger beschaffte sich einen Motor, der auch mit altem Pflanzenöl läuft und recycelt seither das Frittieröl seiner Wirtekollegen. Und als die alte Bahn erneuert werden musste, war für den langjährigen Tesla-Fahrer klar, dass sie mit Solarstrom betrieben werden sollte. «Das war teurer. Aber es zahlt sich mit der Zeit aus.»

Karin, Daniel und Judith Lüchinger in der Gaststube des Bergrestaurants Staubern.  Bild: Michel Canonica

Karin, Daniel und Judith Lüchinger in der Gaststube des Bergrestaurants Staubern. Bild: Michel Canonica 

Und die Solarbahn bringt ihm Kunden. Wie viele, sei kaum zu sagen. «Aber sie kommen zum Teil von weit her.» Eine Gruppe Chinesen war schon da, weil sie zu Hause ähnliches planen. Aber die kommen eher im Sommer. «Dann ist es hier voll», sagt Lüchinger.

Trotz der Wolken haben aber doch ­einige Wanderer den Weg auf die Staubern gefunden. Karin Lüchinger brät in der Küche Rösti. Später geht sie runter ins Tal. Daniel bleibt mit seiner Frau Judith oben. Noch bis Ende Dezember. Mit Firmenessen, Weihnachtsmarkt und Führungen läuft genug, um sie auf Trab zu halten, «und die Vorräte abzubauen». Dann gehen auch sie ins Tal, und warten auf den Frühling.

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Kaspar Enz