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Interview

Landwirtschaft 4.0: «Herbizide werden praktisch überflüssig»

Die Digitalisierung macht vor der Ernährungs- und Landwirtschaft nicht halt. Das gilt auch für Ostschweizer Betriebe und Unternehmen.
Interview: Stefan Borkert
Melkroboter, wie etwa im thurgauischen Herrenhof, halten Einzug in die Milchproduktion.Bild: Reto Martin

Melkroboter, wie etwa im thurgauischen Herrenhof, halten Einzug in die Milchproduktion.Bild: Reto Martin

Das Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft möchte unter anderem kleineren und mittleren Unternehmen helfen, fit für die Märkte der Zukunft zu werden. Ein Thema für Geschäftsleiter Frank Burose ist dabei auch der Einzug der Digitalisierung in die Ernährungswirtschaft. Die Ostschweiz lässt sich bei diesem Thema nicht abhängen.

Die Ernährungswirtschaft ist im Wandel. Auch ihre Branchen entkommen der Digitalisierung nicht. Wie weit sind Produzenten und Verarbeiter in der Ostschweiz?

Frank Burose: Die Land- und Ernährungswirtschaft in der Ostschweiz sticht mit einigen Ini­tiativen hervor, andererseits schlummert noch viel Potenzial. Es gibt einzelne Hotspots und Pionierprojekte. Ich denke da beispielsweise an die Swiss Future Farm in Tänikon oder die Firma Bühler in Uzwil. Bei den Bäckern und Confiseuren klopft der Hercules von Procusini an die Tür. Das ist ein 3D-Drucker, der 400 Objekte wie Pralinen oder Desserts in Kleinserien anfertigen kann.

Mittelfeld in der digitalen Lebensmittelwelt heisst auch, es ist noch Luft nach oben in der Ostschweiz. Wovon hängt der Entscheid ab, die Tür zur Welt 4.0 ganz aufzustossen?

Das hat einerseits mit den Notwendigkeiten und der Konkurrenz zu tun, mit dem Geschäftsmodell und den Überlebenschancen. Es hängt natürlich immer auch von den Leuten im Unternehmen ab, ob man schon auf den digitalen Zug aufspringen will oder kann. Dabei besteht allerdings die Gefahr, abgehängt zu werden, wenn man es nicht tut.

Frank Burose, Geschäftsführer Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft. Bild: Nana do Carmo

Frank Burose, Geschäftsführer Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft.
Bild: Nana do Carmo

Es gibt also auch noch viel Luft nach oben. So viele digitale Pioniere im Bereich Ernährungs- und Landwirtschaft hat die Ostschweiz nicht.

Es gibt Pioniere in der Ostschweiz. Gerade die Firma Bühler ist hier sicher führend und das auch weltweit. Dazu haben wir kleine Tüftler, die nicht so im Rampenlicht stehen. Ich denke da an die Firma «smagrob», die einen Solarheuer zum Wenden und Schwaden entwickelt.

Täuscht denn der Eindruck, dass gerade in der Ernährungswirtschaft die Ostschweiz ein wenig zögerlich auf die Transformation setzt?

Also es geht schon voran. Bei verarbeiteten Kartoffeln wird mit digitaler Technik sortiert. Tobi Seeobst fotografiert für die Sortierung jeden einzelnen ­Apfel. Die Meyerhans-Mühlen setzen auf digitale Technik beim Sortieren der Getreidekörner. In der breiten Masse nimmt man sich dem Thema schon an und probiert auch einzelne Sachen aus. Aber mein Eindruck ist, dass mehr möglich wäre, dass viele auch noch zurückhaltend sind.

Zurückhaltend ist sicher auch die Landwirtschaft, oder?

Wir haben in Tänikon zum Beispiel die Swiss Future Farm, auf der einiges ausprobiert wird. Aber die Landwirte stellen sicher nicht alles auf einmal um, nur um digital zu werden. Der Thurgauer Landwirt Daniel Kressibucher ist einer der Vorreiter und offen für die Digitalisierung in der Landwirtschaft. Seine Mitarbeitenden arbeiten mit Tablets auf den Schleppern, Bei der nächsten Neuanschaffung wird er darauf achten, dass die Traktoren für das autonome Fahren ausgestattet werden können. So geht es Schritt für Schritt weiter.

Ist der digitale Landwirt Daniel Kressibucher eher eine Ausnahme?

Das sehe ich nicht so. In der Landwirtschaft hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Nehmen wir die Melkroboter, die sich auch in der Ostschweiz immer mehr ausbreiten. Schweizweit werden es bald 1000 sein. Oder nehmen wir den Hackroboter, der derzeit auf Gemüse-, Mais und Zuckerrübenfeldern zur Unkrautentfernung getestet wird. Schon beim Einsäen wird er mit GPS-Daten gefüttert und hat zur Absicherung noch eine Kamera eingebaut. Er macht Herbizide praktisch überflüssig.

Blick in die Innovationschüür der Swiss Future Farm in Tänikon. Bild: Donato Caspari

Blick in die Innovationschüür der Swiss Future Farm in Tänikon. Bild: Donato Caspari

Schüren solche Roboter nicht die Angst, dass auch Menschen überflüssig werden, ausgerechnet in der Landwirtschaft?

Möglich. Man muss aber auch die Chancen sehen. Ich denke da an einen Lohnunternehmer, der zwei Lernende hat. Der eine fährt am liebsten mit fünf, sechs Monitoren auf dem Schlepper. Für den anderen war das dann doch zuviel. Das ist für mich ein wichtiger Punkt. Es zeigt, dass mindestens ein Teil der Menschen irgendwann abgehängt werden. Dann muss man sich fragen, muss sich der zweite einen anderen Beruf suchen, oder gibt es einen Mittelweg. Manchmal kommt mir der Gedanke, der Mensch schafft sich ein Stück weit selbst ab. Gleichzeitig interpretiere ich Digitalisierung aber als unterstützendes Mittel.

Sie haben Ihre Wurzeln ja in der Landwirtschaft. Haben Sie auch digitale praktische Erfahrung?

Ich bin selbst schon einen Mähdrescher mit einem Sensor gefahren, der den Drescher gerade an einer Schnittkante entlang geführt hat. Lenken ist dabei überflüssig. Das bringt Erleichterung und man kann präziser arbeiten und damit Ressourcen schonen.

Ist die Digitalisierung eigentlich auch in der Biolandwirtschaft einsetzbar und sinnvoll?

Aber auf jeden Fall. Zum Beispiel ist sie bei der mechanischen Unkrautbekämpfung sehr wichtig. Dazu können Sensoren im Boden Auskunft über zum Beispiel Feuchtigkeit und Beschaffenheit geben. In Verbindung mit etwa Wetterdaten ­können zum Beispiel der Bewässerungszeitpunkt und der Einsäzeitpunkt optimiert werden. Unterm Strich führen die digitalen Hilfsmittel und Werkzeuge dazu, dass allgemein in der Landwirtschaft Ressourcen enorm geschont werden können, die Umwelt entlastet und die Nachhaltigkeit verbessert werden kann.

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