«Helvetix» macht Saint-Tropez Bauchweh

Der berühmte Badeort Saint-Tropez begrüsst die Intervention der Schweizerischen Nationalbank gegen den starken Franken. Denn Saint-Tropez leidet unter den Folgen eines speziellen Darlehens.

Stefan Brändle
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Paris. Der malerische Ort an der französischen Riviera hat es immer noch in sich: Zehntausende von Zaungästen flanieren jeden Sommer vorbei an den Milliardärsyachten, und auf den Café-Terrassen von Saint-Tropez trifft sich der Jetset aus der ganzen Welt. Den kaum 6000 Einwohnern liegt schon aus kommerziellen Gründen daran, dass es dabei bleibt: 2007 nahm der Gemeinderat bei einer französischen Bank ein Darlehen von 6,7 Mio. € auf, um nicht zuletzt die legendäre Yachtmeile zu renovieren.

Darlehen namens «Helvetix»

Für diese Verschuldung werden die «Tropéziens» aber einen unerwartet hohen Preis zahlen müssen. Wegen des tiefen Zinsniveaus in der Schweiz war das Darlehen nämlich an den Franken gekoppelt; der entsprechende Kreditvertrag heisst denn auch «Helvetix». Gegenwärtig zahlt Saint-Tropez noch einen festen Zins von 3,94%; ab Mai 2012 wird der Zinssatz aber variabel, und seine Berechnungsgrundlage ist dann der Euro-Franken-Kurs.

Beim Abschluss des Abkommens störte sich niemand an dieser Klausel, auch der heutige Gemeindepräsident Jean-Pierre Tuvéri nicht, der damals in der lokalen Opposition sass. In Wahrheit war «Helvetix» eine Zeitbombe. Seit 2007 ist der Euro von Fr. 1.68 auf Fr. 1.21 gefallen. Und dieser Wertverlust von mehr als einem Viertel rächt sich nun für die Bewohner von Saint-Tropez, die weitgehend vom Tourismus leben: «Fände der variable Zins schon heute Anwendung, würde er automatisch auf 30 Prozent klettern», sagt die Gemeinderätin Vérane Guérin. «Das ist ein teuflischer Vertrag.»

Wie ein Bumerang

Saint-Tropez steht mit diesem «Bumerang-Kredit», wie ihn die Lokalpresse nennt, keineswegs allein da: Viele andere Orte in Frankreich, aber auch in Osteuropa und sogar die Stadt Wien schlossen ähnliche «Helvetix»-Verträge ab. Banken gaukelten ihnen tiefe Zinsen vor. Die spätere Franken-Koppelung fiel im komplexen Finanzmechanismus kaum auf: «Ich bin Mathematiklehrer, doch nicht einmal ich verstand den Zinsmechanismus der Bank», sagt Jean Fernandez, Bürgermeister des bretonischen 3000-Seelen-Ortes Saint-Cast-le-Guildo. Dieser hat nun wie auch die Saint-Etienne beschlossen, seine Hausbank Dexia wegen Täuschung einzuklagen.

Chancen vor Gericht klein

Saint-Tropez sieht vorläufig von Klagen ab, da die Chancen vor Gericht gering sind. Denn die Bank Crédit Foncier entgegnet, die Zinsvariabilität sei ein Kernpunkt des Darlehensvertrags gewesen. Und dass der Franken gegenüber dem Euro so stark zulegte, konnten die Einwohner zwar nicht wissen, aber auch nicht ausschliessen. Umso interessierter verfolgt die Bevölkerung den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, einen Mindestkurs von Fr. 1.20 für den Euro zu garantieren. Das setzt dem variablen Zins des «Helvetix»-Mechanismus immerhin eine Obergrenze.

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