«Unsere Solvenz ist nicht in Gefahr»: Versicherer Helvetia lässt sich vom Corona-Virus nicht ins Bockshorn jagen

Das Virus beeinflusst den Versicherer an mehreren Fronten. Dennoch zeigt sich Konzernchef Philipp Gmür gelassen. Zumal das operative Geschäft gut läuft und das Unternehmen strategisch Fortschritte macht.

Thomas Griesser Kym
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Helvetia-Chef Philipp Gmür am Hauptsitz des Versicherers.

Helvetia-Chef Philipp Gmür am Hauptsitz des Versicherers.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 18. August 2017)

Das Corona-Virus beschäftigt auch den Versicherer Helvetia, und das in mehrfacher Hinsicht. Allerdings sei alles halb so wild, und «unsere Solvenz ist nicht in Gefahr», wie den Worten von Konzernchef Philipp Gmür zu entnehmen ist. Demnach erwartet er erstens als Folge des Virus finanzielle Schäden im Zusammenhang mit Annullationskosten- oder Reiseversicherungen, für die Helvetia wird aufkommen müssen. Momentan geht Gmür von einer «sehr überschaubaren» Summe aus und kalkuliert vorerst mit einem «einstelligen bis tiefen zweistelligen Millionenbetrag».

Allerdings räumt Gmür ein, «wir sind sehr stark auf Mutmassungen angewiesen». Sprich vieles hängt ab von der weiteren Entwicklung. Besser einschätzbar ist das Risiko von Betriebsschliessungen als Folge des Virus, denn Epidemien seien in der Versicherungsdeckung meist ausgeschlossen. Denkbar allerdings ist, dass wegen der Folgen des Virus zum Beispiel mehr Firmen pleite gehen - und somit als Prämienzahler ausfallen.

Mitarbeiter in Italien müssen zu Hause bleiben

Zweitens betrifft das Virus den Betrieb der Helvetia. Konkret in Italien, einem der europäischen Ländermärkte des Versicherers. «In Italien können 22 unserer Mitarbeitenden nicht zur Arbeit gehen, weil sie in Gebieten wohnen, die von den Behörden wegen des Virus abgeschottet worden sind», sagt Gmür.

Drittens hat das Virus einen Einfluss auf die Finanzmärkte, wie beispielsweise jüngste Kursrückgänge an den Aktienbörsen zeigen. Und das wiederum drückt auf das Anlageergebnis der Helvetia.

Mehr verdient, mehr Prämien eingenommen

Dabei haben gerade die haussierenden Börsen vergangenes Jahr entscheidend dazu beigetragen, dass Helvetia ihr Ergebnis aus Kapitalanlagen deutlich steigern konnte (siehe Tabelle). Hinzu kamen ein günstiger Schadenverlauf im Sachversicherungsgeschäft und ein positiver Sondereffekt von 93 Millionen Franken als Folge einer Neubewertung latenter Steuerrückstellungen. Unter dem Strich resultierte ein um ein Viertel gesteigertes Konzernergebnis.

Helvetia bleibt auf Wachstumskurs

in Mio. Franken 2018 2019 Veränderung in %
Geschäftsvolumen 9073 9454 +4,2
Ergebnis nach Steuern 431 538 +24,9
Ergebnis aus Kapitalanlagen 580 1877 +223,5
Mitarbeiter 6624 6829 +3,1
- davon in der Schweiz 3542 3668 +3,6

Mit einem Geschäftsvolumen von 9,5 Milliarden Franken, hauptsächlich Prämien, sieht Gmür Helvetia auf Kurs, das strategische Ziel von 10 Milliarden zu erreichen. Auch bei den Schäden plus Kosten im Verhältnis zu den Prämien liegt man mit 92,3 Prozent im selbst gesteckten Rahmen, und im BVG-Geschäft soll ein neuer Tarif in der Vollversicherung das Geschäft optimieren.

Sprung vorwärts in Spanien

Strategisch will Helvetia ihr Kerngeschäft stärken und mit neuen Geschäftsmodellen und Innovationen neue Ertragsquellen erschliessen. Dabei will man besonders das Europageschäft ausserhalb des starken Heimmarkts Schweiz sowie die Spezialversicherungen ausbauen.

In Europa hat Helvetia mit der jüngsten Akquisition des spanischen Versicherers einen zünftigen Sprung vollführt. Zumal dieser den Zugang zu drei zusätzlichen Vertriebskooperationen mit Banken öffnet, die in Südeuropa eine wichtige Rolle spielen. Helvetia weiss dies aus eigener Erfahrung in Italien, wo man den Vertrieb von Versicherungsprodukten über Bankschalter ebenfalls ausbaut.

Aktionäre erhalten höhere Dividende

Im Weiteren bringt Caser viel Expertise in Gesundheitsthemen ein. Darum herum will Helvetia ein System mit neuen Dienstleistungen schaffen, ähnlich wie man es beim Thema Wohnen seit geraumer Zeit tut, wobei die Tochter Moneypark eine zentrale Rolle spielt.

Die Dividende will Helvetia weiterhin in kleinen Schritten erhöhen. Den Aktionären werden pro Aktie 5 Franken vorgeschlagen, 20 Rappen mehr als vor einem Jahr.

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