HELVETIA: Integration geht rascher, kommt aber teurer

Der Versicherer liegt mit der Eingliederung der übernommenen Nationale Suisse vor dem Zeitplan, gibt aber auch mehr aus als erwartet. Das operative Geschäft läuft relativ rund.

Thomas Griesser Kym, Zürich
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Trotz tiefer Zinsen und volatiler Börsen hat die Versicherungsgruppe Helvetia ihre Ertragskraft weiter gesteigert. Treiber des Zuwachses des operativen Ergebnisses vergangenes Jahr waren laut Helvetia-Chef Philipp Gmür ein stabiles Ergebnis im Lebensversicherungsgeschäft, ein höherer Gewinn im Nichtleben und ein solides Ergebnis aus den beinahe 50 Mrd. Fr. schweren Kapitalanlagen. Bei diesen setzt die Helvetia auf Fremdwährungs- und auf Firmenanleihen, auf Schweizer Immobilien und auf langlaufende Festhypotheken. Ferner machte die Gruppenrückversicherung weniger Verlust, und Währungsverluste, wie es sie 2015 nach der Aufhebung des Euromindestkurses gegeben hatte, fielen weg.

Im Einzelleben setzt die Helvetia mehr und mehr auf kapitalschonende Produkte, deren Prämienvolumen 2016 um 18% zunahm. In die Hände spielt dem Versicherer auch die Reduktion des Mindestzinssatzes im Kollektivleben (BVG-Geschäft). Trotz der tiefen Zinsen gelang es der Helvetia, im Schweizer Leben-Neugeschäft die Zinsmarge von 0,88% auf 1,01% zu hieven. Im Nichtleben wiederum profitierte der europäische Allbranchenversicherer von einem guten Schadenverlauf. Die Combined Ratio, also die Schäden plus Kosten im Verhältnis zu den Prämien, sank insgesamt von 92,1% auf 91,6%. Dieser Wert liegt in allen Ländermärkten unter 100%. Geholfen hat dabei, dass die Helvetia nach der Übernahme der Nationale Suisse Portfolios saniert (sprich abgestossen) hat, vor allem in Deutschland und Frankreich.

600 Arbeitsplätze weniger als Mitte 2014

Die Integration der Nationale sowie der Basler Österreich kommt etwas rascher voran als erwartet und hat bisher 118 Mio. Fr. an Kostensynergien erzielt. Diese sollen im laufenden Jahr erstmals voll ausgeschöpft werden, wobei mindestens 130 Mio. Fr. angepeilt werden. Seit Beginn der Integration Mitte 2014 hat die Helvetia gut 600 Arbeitsplätze abgebaut, wovon 450 als direkte Folge der Synergien gestrichen worden seien, hauptsächlich über die natürliche Fluktuation. Umgekehrt kommt die Integration aber auch etwas teurer als die budgetierten 160 bis 200 Mio. Franken. Bisher hat die Eingliederung 217 Mio. Fr. gekostet.

Als Ausfluss des guten Geschäftsgangs und der speditiven Integration der Akquisitionen erhöht die Helvetia die Dividende von 19 auf 21 Fr. je Aktie. Die Digitalisierung wird weiter vorangetrieben, wobei der Direktversicherer Smile sowie der Hypothekenvermittler Moneypark, an dem sich die Helvetia zu 70% beteiligt hat, zentrale Rollen spielen. Smile, heute vor allem in der Autoversicherung aktiv, soll neu beispielsweise auch reine Risikolebensversicherungen ohne Beratung offerieren. Oder On-demand-Angebote wie die Buchung einer Reiseversicherung am Flughafen, kurz vor den Ferien.

Thomas Griesser Kym, Zürich