Helvetia als solider Pfeiler

Die nachhaltige und risikobewusste Geschäftspolitik zahlt sich aus: Die Helvetia Versicherungen meistern 2011 sowohl die Frankenstärke als auch wacklige Staatsanleihen und Grossschäden.

Thomas Griesser Kym
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ZÜRICH. Die Eckwerte der Helvetia mit Hauptsitz in St. Gallen sind durchs Band besser als von Analysten erwartet. Das Geschäftsvolumen aus Bruttoprämien plus Depoteinlagen Leben stieg um gut 6% auf erstmals über 7 Mrd. Franken. Davon nahm die Helvetia im robusten Heimmarkt Schweiz zum ersten Mal über 4 Mrd. Fr. ein. Auf den Auslandmärkten – der Versicherer ist in den Ländern rund um die Schweiz und in Spanien tätig – schmälerte die Frankenstärke die Prämien bei der Umrechnung von Lokalwährungen in Franken um 10%; zu konstanten Wechselkursen von 2010 wäre das Geschäftsvolumen um annähernd 11% gestiegen.

Die Frankenstärke ist auch der Hauptgrund für den Gewinnrückgang (siehe Tabelle). Rein operativ machte ein Gewinnzuwachs im Lebengeschäft auf 155 Mio. Fr. (+44%) Einbussen im Nichtleben, wo der Gewinn auf 135 Mio. Fr. (–24%) sank, mehr als wett.

Ausrutscher in Deutschland

Im Nichtleben hat vor allem der zweitgrösste Markt in diesem Geschäft der Helvetia die Suppe versalzen: Deutschland. Dort gab es 2011 «eine ungewöhnlich hohe Schadenbelastung», wie an der Bilanzpressekonferenz Konzernchef Stefan Locker sagte. Schäden durch Kälte und Unwetter, eine Häufung von Grossschäden in Industrie und Gewerbe sowie Probleme in der Autoversicherung führten in Deutschland erstmals zu einem Jahresverlust (19 Mio. Fr.). Die deutsche Combined Ratio (Schäden plus Kosten gemessen an den Prämien) sprang von 99,7% auf 107,5%. Loacker geht davon aus, dass dies «ein Ausreisser» war. Er will nun in Deutschland allgemein die Ertragskraft verbessern sowie in der Autoversicherung die Preise erhöhen und differenzieren. Weitaus solider ist das Schweizer Geschäft; auch hier gab es grössere Schäden (Hagel, Unwetter), doch dank des starken Lebengeschäfts stieg der Gewinn um 70 Mio. auf 261 Mio. Franken.

Konservative Anlagepolitik

Einmal mehr zahlte sich die Umsicht im Anlagegeschäft aus. Verlusten auf Aktien standen Gewinne bei Festverzinslichen (Anleihen) und Immobilien gegenüber. Im Anleihenportefeuille haben 96% der Papiere mindestens ein A-Rating. Anleihen kriselnder Eurostaaten finden sich bei Helvetia im Umfang von 1,2 Mrd. Fr. (wovon 97% aus Italien und Spanien), was nur 3,7% der Kapitalanlagen entspricht. Griechische Anleihen sind 1,2 Mio. Fr. wert.

Helvetia-Chef Stefan Loacker stellt eine unveränderte Dividende von 16 Franken je Aktie in Aussicht, davon die Hälfte steuerfrei. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Helvetia-Chef Stefan Loacker stellt eine unveränderte Dividende von 16 Franken je Aktie in Aussicht, davon die Hälfte steuerfrei. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)