Corona-Virus löst Preiskampf aus - Heizölverkäufe laufen auf Hochtouren

Zwischen Russland und Saudi Arabien ist ein Preiskrieg um Erdöl im Gange, der den Ölpreis massiv in den Keller rutschen lässt. Bei den Heizölanbietern führt das zu einer Rekordnachfrage.

Stefan Borkert
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Lieferung von Heizöl in ein Haus.

Lieferung von Heizöl in ein Haus.

Bild: Keystone/Gaetan Bally

«Infolge des Einbruchs des Ölpreises von Freitag auf Montag verzeichneten wir in den letzten drei Tagen Rekordbestellungen», sagt Marc Lippuner, Leiter Geschäftseinheit Energie bei der Genossenschaft Laveba, dem ehemaligen Landverband St.Gallen. «Lieferengpässe gibt es aber nicht», ergänzt er. Der Gaspreis wird ebenfalls sinken: «Die tieferen Preise werden einfach mit einer Verzögerung von drei Monaten an die Kunden weitergegeben», sagt Lippuner.

Welche Faktoren den Preis beeinflussen

Christoph Schifferle, Geschäftsleiter der Frauenfelder Tanner Oel AG, stösst ins gleiche Horn: «Ja, der Preisverfall kam für uns überraschend. Insbesondere das Ausmass des Preisrückgangs war beeindruckend.» An den Margen für die Unternehmen ändert sich so gut wie nichts. Schifferle analysiert die Gründe: «Die Nachfrageseite kann mit dem Schlagwort Corona-Virus zusammengefasst werden. In China wurden zahlreiche Produktionsbetriebe zumindest vorübergehend stillgelegt. Nebst Prozessenergie wurde im Verlauf immer klarer, dass auch der Energieverbrauch im Transportwesen markant kleiner wird.»

Sowohl bei Fluglinien als auch im Schiffsverkehr hätten grosse Verbraucher Teile ihrer Flotten stillgelegt. Am Treffen des Opec-Kartells letzte Woche war über Förderkürzungen diskutiert worden. «Aber schon früh zeigte sich, dass Russland nicht bereit ist, weiter Marktanteile zu verlieren, und Saudi-Arabien wollte nicht die ganze Last der Förderkürzung tragen. Jetzt sind offenbar beide Staaten bereit, den Ölhahn aufzudrehen.»

Saudi-Arabien habe gestern nochmals nachgelegt und eine Erhöhung der Fördermenge angekündigt. Wie lange der Preiskrieg andauert, ist zwar offen, aber: «Persönlich glaube ich nicht so ganz an einen langfristigen Preisabschlag», sagt Schifferle. Philipp Riklin, Geschäftsführer der St.Galler Riklin AG, sieht das auch so: «Wir rechnen damit, dass sich die Preise nach dem Absturz irgendwann wieder stabilisieren.»

Für Kunden empfehlen die Heizölanbieter durch die Bank, jetzt zu kaufen, aber mit der Auslieferung vielleicht noch bis Herbst zu warten.