Heisses Wasser für Beutelsuppe

Die Umsätze der Restaurants in der Schweiz sind auch vergangenes Jahr weiter abgebröckelt. Die Entwicklung ruft den Branchenverband auf den Plan: Gastrosuisse strebt politische Lösungen an.

Rainer Rickenbach
Drucken
Teilen

BERN. Gehen Schweizer auswärts essen, bestellen sie am liebsten Fleischgerichte mit Beilage. Auch an der bevorzugten Wahl der Restaurants hat sich nichts geändert; die herkömmliche Gastronomie hat mit einem Marktanteil von über 50% die Nase vorn. Die Gäste gaben im vergangenen Jahr 22,4 Mrd. Fr. aus, 1% weniger als 2014. Die Ausgaben für Essen und Trinken ausser Haus sinken seit mehreren Jahren. «Der Rückgang hat nicht mehr die Dimension wie auch schon. Er ist dennoch markant und spürbar», sagte Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, gestern an der Medienorientierung des Branchenverbandes.

Die Schweizer essen fremd

Ein Blick über die Grenze zeigt, warum die Schweizer Wirte weniger einnehmen. Geschätzte 4 Mrd. Fr. tragen die Schweizer pro Jahr ins grenznahe Ausland, wenn sie zum Beispiel im Raum Konstanz oder in Vorarlberg zu relativ günstigen Preisen essen gehen. In Grenzregionen wie dem Thurgau oder Neuenburg sanken die Ausgaben für auswärts Essen und Trinken seit 2008 um fast ein Fünftel. Platzer geisselt die Aufhebung des Euromindestkurses als Fehlentscheid der Nationalbank, zumal in Schweizer Restaurants und Hotels auch Gäste aus dem Euroraum ausblieben.

Gäste aus Asien kompensieren einen Teil dieses Rückgangs, doch profitieren davon vor allem die Städte und einige Hotspots in den Bergen. Allerdings: «Die Gäste aus Asien geben für Hotel, Essen und Trinken nicht viel Geld aus. Viele von ihnen tauchen mit ihrem Nudelsuppen- Beutel auf und brauchen nur heisses Wasser. Ein deutscher Gast etwa macht in den Hotels so viel Umsatz wie drei Asiaten zusammen», sagt Platzer.

«Ein Bürokratiemonster»

Der Gastrosuisse-Präsident wirft der Politik Untätigkeit vor und fordert einen «Tourismusgipfel» mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Touristik und Verbänden. Sie sollen sich mit den Sorgen jener Regionen befassen, die im Tourismus auf der Verliererseite stünden. Die Forderung richtet sich an Bundespräsident und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

Ferner lanciert Gastrosuisse nach den Sommerferien die Initiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise». Ein Dorn im Auge ist Gastrosuisse das neue Lebensmittelgesetz – «ein mit Überregulierung gespicktes Bürokratiemonster». Neue Regeln will Gastrosuisse dafür im Online-Booking. Er stört sich an den Bestpreisgarantien, die Portale den Hoteliers abnötigen.

Aktuelle Nachrichten