Heimat-Zigaretten stehen vor dem Konkurs: Platzt der Bubentraum aus Steinach?

Die Produzenten der Heimat-Zigaretten sind in Nachlassstundung.
Doch Gründer Roger Koch will den Konkurs abwenden.

Kaspar Enz
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Rund 15000 Päckchen Heimat-Zigaretten verkaufen die Steinacher wöchentlich. (Bild: Ralph Ribi)

Rund 15000 Päckchen Heimat-Zigaretten verkaufen die Steinacher wöchentlich. (Bild: Ralph Ribi)

Es ist noch recht ruhig in der Fabrikationshalle von Koch & Gsell in Steinach. Die Maschinen, die die Heimat-Zigaretten rollen, stehen still. Doch der Eindruck täuscht. Weiter hinten füllt eine Handvoll Mitarbeitende Tabak in Päckchen für Selbstdreher. Kisten voll mit Hanfzigaretten stehen bereit für den Transport nach Luxemburg. «Die erste Ladung war schnell ausverkauft», sagt Roger Koch.

Luxemburg ist das erste europäische Land, das den Verkauf der Ostschweizer Zigaretten aus CBD-haltigem Hanf erlaubt. Bald sollen weitere Märkte folgen. Ein weiteres Kapitel in der rasanten Erfolgsgeschichte des Unternehmens, das Roger Koch 2015 gegründet hatte.

Doch auch der Aufstieg der Ostschweizer Zigarettenmarke ist keiner ohne Stolpersteine. Unumwunden sagt Roger Koch:

«Profitabel waren wir noch nie.»

Einige alte Rechnungen sind immer noch offen. Seit Ende September ist das Unternehmen Koch & Gsell in Nachlassstundung.

Hoffen auf Investoren

Die Nachlassstundung gibt es seit 2014. Sie gibt Unternehmen, die vor einem Konkurs stehen, Zeit, sich mit Gläubigern zu einigen, neue Geldgeber zu finden oder das Unternehmen neu aufzustellen. Sinnvoll ist die Nachlassstundung vor allem, wenn die Zukunftsaussichten gut sind. Und Roger Koch ist zuversichtlich.

«Wir sind in Verhandlungen mit ausländischen Investoren, die wir schon länger kennen.»

Als zweite Möglichkeit zieht er einen Börsengang in Betracht – in Kanada. «Dort ist Hanf weitgehend legalisiert und es gibt viele Investoren,
die sich für das Thema interessieren.»

Denn Koch & Gsell verdankt seinen heutigen Erfolg dem Hanf. Mitte 2017 hatte das Steinacher Unternehmen die erste Zigarette aus CBD-haltigem Hanf auf den Markt gebracht. Die Innovation katapultierte die Marke Heimat in die Regale der Grossverteiler und weckte weltweit Interesse. «CNN und RTL waren da.» Erste Investoren klopften an. Doch Koch lehnte ab. «Viele wollten die Technologie übernehmen und die Produktion in der Schweiz schliessen», sagt er. «Das wollten wir auf keinen Fall.»

Zigaretten aus
Schweizer Tabak

 «Heimat» sollten die Zigaretten heissen, und nur aus Schweizer Tabak bestehen. Das war die Idee, mit der Roger Koch 2016 mit der Produktion begann. Zwar wurden sein Unternehmen Koch & Gsell schon damals von der Nachfrage überrascht. Steil aufwärts ging es aber erst, als dem Team in Steinach die Entwicklung der ersten Hanfzigarette gelang – gerade rechtzeitig auf den Boom des Hanfwirkstoffs CBD hin. Die Hanfzigis machen heute auch den grössten Teil des Umsatzes aus. (ken)

Koch wollte es alleine schaffen. Das schnelle Wachstum bestärkte ihn. Rund 2000 Päckchen Heimat-Zigaretten verkaufte Koch & Gsell 2016 wöchentlich. Nachdem der Verkauf der Hanfzigaretten in Schwung kam, waren es schon 13000. «Wir glaubten, das Wachstum würde so weitergehen», sagt Koch. Er investierte ins Marketing, sponserte Festivals. «Die Lancierung der Hanfzigarette allein brachte uns mehr Aufmerksamkeit als jede Marketingmassnahme.» Der Verkauf stieg weiter, aber so schnell ging es nicht mehr.

Heimat-Gründer Roger Koch. (Bild: Ralph Ribi)

Heimat-Gründer Roger Koch. (Bild: Ralph Ribi)

Teure Experimente

Dabei war das Wachstum teuer erkauft. Neben der Maschine, die die Zigaretten rollt, steht die «Black Box», die die Produktion der Hanfzigaretten überhaupt erst möglich macht. Denn der Wirkstoff CBD steckt in den harzigen Blüten. «Die sind eigentlich zu klebrig, um sie maschinell zu drehen», sagt Roger Koch.

Nach langen Versuchen gelang es zwar, das Unmögliche möglich zu machen. Aber die Versuche gingen ins Geld.

«Wir mussten mit echten Blüten experimentieren, sonst hätte es nichts gebracht.»

Und die kosten Hunderte von Franken pro Kilogramm. Über eine Million kostete allein der eingesetzte Hanf. «Ausserdem produzierten wir am Anfang noch auf uralten Maschinen. Die produzierten zu viel Ausschuss.» Neue Maschinen mussten her, die auch das schnelle Wachstum bewältigen konnten. Auch die waren teuer.

Ab Januar profitabel

«Wir haben viel Lehrgeld bezahlt», fasst Koch zusammen. Trotzdem sei es der richtige Entscheid gewesen, auf Hanf zu setzen. «Die Hanfzigaretten machen den grössten Teil des Umsatzes aus.» Und da sie eine Weltneuheit darstellten, eröffnen sie Perspektiven auf dem weltweiten Markt. Koch & Gsell habe aus den Fehlern gelernt, die Kosten deutlich reduziert. «Ab Januar sind wir profitabel.»

Nun geht es an den Abbau der Altlasten – ohne Konkurs. «Die Gläubiger haben Leistungen erbracht und viel guten Willen gezeigt. Sie müssen ihr Geld bekommen.» Sind die neuen Investoren im Haus, soll das noch vor Ablauf des Nachlassstundungsverfahrens geschehen.

Dass sein Unternehmen, sein Bubentraum von der Zigarettenfabrik, dann zumindest teilweise in ausländischem Besitz ist, schmerze zwar etwas. «Aber es gehen eben nicht alle Träume in Erfüllung.»

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Markus A. Will