«Hat uns den Rest gegeben»

Die Benninger AG in Uzwil baut bis Ende 2017 40 Stellen ab und verlagert die Produktion nach Ostdeutschland. Managementfehler sind eine Ursache, der starke Franken eine andere.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Der Margendruck fordert Opfer. Die Firma Benninger muss umstrukturieren, streicht 40 Stellen und verlagert die Produktion ins Ausland. (Bild: Ralph Ribi)

Der Margendruck fordert Opfer. Die Firma Benninger muss umstrukturieren, streicht 40 Stellen und verlagert die Produktion ins Ausland. (Bild: Ralph Ribi)

UZWIL. Herber Rückschlag für die Produktion von Textilmaschinen in der Schweiz: Die Benninger AG verlagert Herstellung und Montage ihrer Textilmaschinen ins ostdeutsche Zittau. Das wird 40 Arbeitsplätze in Uzwil kosten. Beat Meienberger, seit Juli 2015 Chef der Benninger Group, bestätigt, dass in einer ersten Phase bis Ende Dezember und in einer weiteren Phase bis Ende 2017 Produktion und Montage in Uzwil geschlossen werden.

Hoher Preisdruck

Zu hoch sei der Preisdruck im Wettbewerb. Gegenüber Mitbewerbern könne man mit den hohen Lohnkosten in der Schweiz nicht mithalten. 25% bis 30% höhere Personalkosten schlügen mit 10% bis 15% Einbussen beim Verkauf zu Buche. Zudem seien letztes Jahr Aufträge innert Stunden mit einem Volumen von um die 5 Mio. Fr. geplatzt. «Man steigt in den Flieger, und bei der Ankunft in der Schweiz erfährt man, dass die eben unterzeichneten Aufträge wieder zurückgenommen wurden.» Dem Frankenschock will er nicht die alleinige Schuld zuschieben, aber: «Das hat uns dann den Rest gegeben.» Am Standort in Uzwil will Meienberger dennoch festhalten: Ersatzteile, Service, Forschung und Entwicklung verbleiben hier.

Dritte Entlassungswelle

Für Meienberger war die Umstrukturierung des Unternehmens, als er letztes Jahr den Stab übernahm, nicht mehr aufzuhalten. Erste Entlassungen gab es bereits vor gut einem Jahr im März. Im August 2015 wurden erneut Stellen abgebaut, und nun folgt die dritte Entlassungswelle. In den letzten acht Jahren schrumpfte die Belegschaft der Benninger AG von ehemals 330 auf jetzt 104 Angestellte und 11 Lernende. Nun folgen also 40 weitere Arbeitsplätze. Der Verband Angestellte Schweiz rechnet mit zusätzlichen 10 bis 15 Stellen, die bei Zulieferbetrieben gestrichen werden. Alois Düring, Regionalsekretär Ostschweiz, ist froh, dass mit dem neuen Management wenigstens der Standort Uzwil überlebt: «Für die beiden betroffenen Bereiche ist nur noch eine Verlagerung in Frage gekommen.» Für die Mitarbeiter, die entlassen werden, fordert Angestellte Schweiz in der nun gestarteten Konsultationsphase, jeweils gute Lösungen zu finden. Ziel müsse sein, dass alle wieder eine Beschäftigung finden.

Sozialplan existiert schon

Düring sagt: «Es besteht bereits ein Sozialplan, in welchem das Outplacement der zentrale Punkt ist. Dieser Sozialplan muss nun der neuen Situation angepasst, überarbeitet und der Struktur der betroffenen Arbeitnehmenden angepasst werden.» Immerhin zeigt er sich froh, dass das Management mit Personen besetzt ist, die sich in der Branche auskennen: «Die erfahrenen neuen Spitzenleute bei Benninger kommen von Rieter und Sulzer. Sie kennen die Textilmaschinenbranche und die Marktsituation bestens, insbesondere auch in Asien.» Geschäftsführer Meienberger war 30 Jahre bei Rieter und weiss, wie der asiatische Markt funktioniert. Dass Benninger 2010 in Asien eine Produktion aufgebaut hat, begrüsst er, auch wenn andere Mitbewerber schon vorher diesen Schritt gewagt haben. «Aber der Schritt war richtig, und es wurde auch gut gemacht.»

Fehlentscheide angekreidet

Margrith Künzi von der Gewerkschaft Syna und Düring werfen dem früheren Management Fehler vor. Düring: «Wichtige, betriebswirtschaftlich relevante Entscheidungen wurden gefällt, aber nicht umgesetzt.» Er nennt die Erneuerung des Maschinenparks, die fehlende Produktion vor Ort in den asiatischen Märkten. Und: «Das Testzentrum in Uzwil wurde geschlossen, was zur Folge hatte, dass die Maschinen mit Mängeln auf den Markt kamen und Millionen an Garantiekosten aufliefen.»

Aktuelle Nachrichten