Handelskampf in Fernost

Die Spannungen zwischen China und Japan sind zwar wieder abgeflaut. Doch die aktuellen Drohungen gegen Japans Wirtschaft zeigen, wie ökonomisch verknüpft die Nachbarländer sind.

Susanne Steffen
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Tokio. Der Streit zwischen China und Japan um ein von der japanischen Küstenwache aufgebrachtes chinesisches Fischerboot war kurzzeitig eskaliert. Vergangene Woche meldete die «New York Times», China wolle den Export seltener Erden nach Japan stoppen und die drittgrösste Industrienation der Welt von wichtigen Rohstoffen für die Elekronik-und andere High-Tech-Industrien abschneiden. Betroffen gewesen wären Firmen, die Solar-Panels herstellen, iPhones aber auch Toyotas Hybrid-Automobile.

Zwar dementierte das chinesische Handelsministerium umgehend, doch Spannungen zwischen den beiden ostasiatischen Regionalmächten sind offensichtlich. Inzwischen hat Japan den chinesischen Kapitän des Boots freigelassen, was die Lage etwas beruhigt hat. Der Streit fiel ohnehin auf einen speziellen Zeitpunkt. Gerade erst hatten die Mitgliedstaaten des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums Apec im japanischen Nara eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin gelobten sie gegenseitige Kooperationen, um den Tourismus anzukurbeln.

Den Streit mit China bekamen die japanischen Tourismusplaner dann umgehend zu spüren. Die grösste Reisegruppe, die das Land je beherbergen sollte, sagte ihre für Oktober geplante Reise wegen der bilateralen Spannungen kurzerhand ab. Ein chinesisches Unternehmen wollte ursprünglich mit nicht weniger als 10 000 Teilnehmern einen Betriebsausflug nach Japan machen. Der chinesische Sprecher drohte zunächst sogar weitere Stornierungen an.