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HANDEL: «Weltweit werden alle verlieren»

Eine Deloitte-Umfrage besagt, dass bei 40 Prozent der Schweizer Firmen protektionistische Massnahmen negativ fürs Geschäft sind. Auch UBS-Chefökonom Daniel Kalt sieht die Schweiz bei einer Eskalation als Verlierer.
Stefan Borkert
Die Schweizer Landwirtschaft wird schon lange mit hohen Zöllen geschützt. (Bild: Sigi Tischler/KEY)

Die Schweizer Landwirtschaft wird schon lange mit hohen Zöllen geschützt. (Bild: Sigi Tischler/KEY)

Stefan Borkert

Daniel Kalt, die Schweiz verhält sich angesichts von Strafzöllen, Handelskrieg und Protektionismus recht ruhig. Muss man sich hierzulande keine Sorgen machen?

Momentan noch nicht. Was bisher von Trump angekündigt wurde, trifft die Schweiz nur marginal und reicht auch noch nicht aus, um die Weltwirtschaft, die momentan auf allen Zylindern läuft, in die Knie zu zwingen.

Kann man einen Handelskrieg überhaupt gewinnen?

Mit Schutzzöllen verschafft Trump einzelnen Branchen vielleicht vorübergehend einen Vorteil. Doch im Endeffekt und vor allem wenn die durch die Zölle ins Visier genommenen Handelsblöcke ebenfalls mit Strafzöllen reagieren, wird ein Handelskrieg auch US-Exporteure nach unten reissen. Ebenso gehören die meisten amerikanischen Haushalte zu den Verlierern. Viele ­Importe werden teurer, die Kaufkraft der Löhne sinkt.

Aber Trump verspricht ­Wohlstand und Reichtum.

Trump behauptet zwar, er würde die USA reicher machen mit ­seinen Schutzzöllen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Mit den Rückschlägen an den Börsen hat er weltweit bereits Milliarden an Unternehmenswerten vernichtet, auch bei uns, beispielsweise bei unseren Pensionskassen. Es werden weltweit alle verlieren. Insofern kann weder Trump noch sonst jemand einen Handelskrieg gewinnen.

Erfahrungen zeigen, dass Schutzzölle gegenüber China bei Solarproduzenten die Branche nicht geschützt haben. Die Solarzellenhersteller sind trotzdem pleite- gegangen. Geht es der US-Stahlindustrie ähnlich?

Es gibt global in der Stahlproduktion ähnlich wie im Solarbereich seit Jahren Überkapazitäten. Es ist damit auch nicht verwunderlich, dass angesichts der billigen Produkte aus Asien die amerikanische Stahlindustrie schon seit vielen Jahren in einem langwierigen und schweren Restrukturierungs- und Abbauprozess steckt, der viele unzufriedene Arbeitslose produziert hat, die Kern-Wählerbasis von Donald Trump.

Alte Stahlwerke wieder ­eröffnen scheint doch Augenwischerei oder Wahlkampf zu sein. Selbst die aktuellen Werke in den USA sind grösstenteils völlig veraltet. Eigentlich wird doch seit mehreren Jahren eine Restrukturierung der Stahlindustrie diskutiert. Soll man als Anleger aktuell in Stahl investieren?

Wohl kaum. Gerade in den USA gibt es zahlreiche andere Branchen in viel höherwertigen Technologiebereichen, in die man investieren sollte. Auch wenn derzeit einzelne Unternehmen aus dem Social-Media-Bereich unter Druck sind, glauben wir, dass gerade im amerikanischen IT-Bereich noch viel Potenzial steckt.

Mit Schutzzöllen kennt sich die Schweiz ja aus, und es gibt regelmässig Proteste, wenn sie zu Gunsten des freien Handels aufgehoben werden sollen. Braucht die Schweiz diese Importschranken überhaupt noch?

Die Schweiz schützt insbesondere ihre Landwirtschaft seit langem mit zum Teil exorbitanten Schutzzöllen. Weil sich die Agrarlobby immer wieder standhaft gegen eine Lockerung gewehrt hat, sind auch schon mehrere für unsere Exportwirtschaft interessante Freihandelsabkommen gescheitert. Auch wir haben damit Wohlstandsgewinne zu Gunsten eines Grossteils unserer Bevölkerung verschenkt.

Wenn der Freihandel weiter eingeschränkt wird, ist die Schweiz dann Nutzniesser oder eher ein Opfer mit wenig Gewicht?

Sollten die Handelsstreitigkeiten weiter eskalieren und zu einem weltweiten Handelskrieg führen, dann gehört die kleine, extrem vom Export abhängige Schweiz ganz klar zu den grössten Verlierern.

Die Konjunktur brummt und alle Ampeln stehen auf Grün. Wie wird sich der begonnene Handelskrieg darauf auswirken, gerade auch in der Schweiz?

Was bisher geschah, macht mir noch keine allzu grossen Sorgen. Trump hat ja die Europäer fürs Erste von den Stahl- und Aluminiumzöllen ausgeklammert. Damit dürfte eine heftige Gegenreaktion der Europäer ausbleiben. Trump hatte bereits gedroht, im Gegenzug darauf die europäische Automobilindustrie mit Zöllen zu belegen. Eine solche Eskalation könnte viele Schweizer Zulieferer hart treffen.

China wird für die Schweiz ein immer wichtigerer Handelspartner. Fürchten Sie eine Eintrübung der Beziehungen?

Die Beziehungen zu China sind dank des vor kurzen abgeschlossenen Freihandelsabkommens eigentlich sehr gut. Momentan dürfte sich daran auch nichts ändern.

Gleichzeitig hat die Fed die Leitzinsen wieder moderat erhöht. Ist das das Ende der Negativzinsen?

Auch wenn die US-Notenbank die Zinsen nun schrittweise anhebt – in Europa wird es deutlich länger dauern, bis die Leitzinsen schon nur gegen null angehoben werden können. Vorerst muss die Europäische Zentralbank bis Ende Jahr ihr Anleihenkauf­programm beenden. Erste Zinsschritte nach oben folgen wohl erst im Verlauf von 2019. Es dürfte 2020 werden, bis die SNB im Schlepptau der EZB die Zinsen in den positiven Bereich anheben kann.

Können die Banken denn nun auf der Zinsseite bald wieder mit besseren Einnahmen planen?

Vorderhand sicherlich nicht. Im Gegenteil drückt die anhaltende Negativzinssituation bei den Banken die Zinsmarge zwischen Kreditausleihungen und Spargeldeinlagen Quartal für Quartal stärker nach unten.

Aber höhere Zinsen können auch die Konjunktur wieder ausbremsen. Wie sieht der Königsweg für Wirtschaftswachstum und gesundes Zinsniveau aus?

Die Notenbanken stehen vor einem Hochseilakt. Sie müssen die Zinsen behutsam nach oben bringen, nicht zuletzt um sich wieder Zinssenkungsspielraum für die nächste Rezessionsphase zu schaffen. Gleichzeitig dürfen sie die Konjunktur nicht abwürgen. Kein einfaches Unterfangen.

Was kann man Anlegern derzeit raten? Finger weglassen von . . . ?

Finger weglassen von Klumpenrisiken sowie zu viel schlechten Kreditbonitäten bei Anleihen. Wichtig ist in der aktuell wieder volatileren Phase an den Märkten, dass Anlegerinnen und Anleger eine auf ihre Bedürfnisse und Risikofähigkeit zugeschnittene Anlagestrategie umsetzen.

Und zugreifen bei?

Bei Anlagelösungen, die dem ­Anleger eine gute Diversifikation bringen und bei denen die Risiken aktiv an die gegebene Marktsituation angepasst werden können. Ebenso mögen wir Anlagelösungen, die den Fokus auf eine Generierung von hohen Erträgen wie beispielsweise qualitative hochwertige Dividenden sowie Optionsprämien legen.

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