Handel hofft aufs Internet

Nach einem guten Jahr 2014 stellt sich der Schweizer Detailhandel auf schwächere Zeiten ein. Viele Unternehmen der Branche setzen daher auf den Boom im Onlinehandel – das spart Kosten.

Bernard Marks
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Der Einkaufstourismus bleibt auf hohem Niveau, aber er stagniert. Zudem kaufen immer mehr Konsumenten online ein. (Bild: Coralie Wenger)

Der Einkaufstourismus bleibt auf hohem Niveau, aber er stagniert. Zudem kaufen immer mehr Konsumenten online ein. (Bild: Coralie Wenger)

ZÜRICH. 2014 war ein gutes Jahr für Schweizer Detailhändler. Bereits haben Coop, die Migros Ostschweiz und Spar (siehe Text rechts) bessere Umsätze im Detailhandel vermeldet. Doch für das kommende Jahr ist die Stimmung im Schweizer Detailhandel verhalten. Zu diesem Schluss kommt die Studie «Retail Outlook 2015», die von der Credit Suisse (CS) in Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz herausgegeben wird.

Vorsichtige Gewinnplanung

«Wir erwarten, dass sich die Detailhandelsumsätze 2015 verhalten entwickeln werden», sagte gestern Nicole Brändle Schlegel, Leiterin Branchenanalyse bei der CS und Mitverfasserin der Studie. Zwar dürften das verfügbare Einkommen und die Kaufkraft der Konsumenten im Zuge eines stabilen Schweizer Wirtschaftswachstums gegenüber dem Vorjahr leicht zunehmen. Auch die Schweizer Bevölkerung werde weiterhin wachsen, «wenn auch aufgrund der leicht schwächeren Zuwanderung etwas weniger stark als 2014», sagt Brändle Schlegel. Doch für die Konsumentenstimmung erwarten die Ökonomen eine leichte Eintrübung. Darauf stellen sich jedenfalls wichtige Schweizer Detailhändler bereits ein. Laut der Umfrage unter 250 Entscheidungsträgern in der Branche erreichte die Mehrheit der Händler 2014 ihre Umsatz-und Gewinnziele. «Für 2015 ist ihre Umsatz- und Gewinnplanung zurückhaltender als im Vorjahr», sagt Martin Hotz.

Bestellen per Mausklick

Dabei gibt es durchaus positive Erkenntnisse aus der Studie. Der Einkaufstourismus stagnierte 2014 auf hohem Niveau. Das zeigen die Mehrwertsteuereinnahmen aus dem privaten Reiseverkehr in die Schweiz, die 2014 sogar um mehr als 5% abnahmen. Zudem gibt es Wachstumsimpulse im Onlinehandel, denn dieser wächst mit 6,6% jährlich konstant schneller als der Detailhandel insgesamt – und dies seit Jahren. «Per Klick bestellen und sich die Ware nach Hause liefern lassen – immer mehr Konsumenten machen davon Gebrauch», sagt CS-Detailhandelsexpertin Patricia Feubli.

Onlinehandel verdoppelt Anteil

Heute liege der Gesamtumsatz des Schweizer Onlinehandels bei 4,6 Mrd. Franken. «Das entspricht dem Umsatz von 90 Coop-Megastores», sagt Feubli. Und der Anteil werde deutlich steigen. Macht der Onlinehandel heute 5% des ganzen Detailhandelsumsatzes aus, so dürfte dieser Anteil laut Feubli bis 2020 auf 11% wachsen. Und bei Heimelektronik erwartet Feubli im gleichen Zeitraum einen Anstieg des Onlinehandelsanteils von 26% auf 38%. Der Kauf von Nahrungsmitteln im Internet werde auf den doppelten Anteil wachsen, ebenso der Onlinehandel bei Kleidern und Schuhen.

«Software ersetzt den Verkäufer»

«Schweizer Händler stehen unter Preisdruck, und dank Onlineshops können sie Kosten sparen und die Reichweite ausdehnen», sagt Feubli. Die Händler sparen dabei zudem die Ladenkosten und haben bei der Preissetzung mehr Spielraum. Schwieriger dürfte es daher für die Angestellten im Detailhandel werden: Die Ökonomen rechnen mit einem geringeren Wachstum der Beschäftigung. «Die Software ersetzt quasi den Verkäufer», sagt Feubli. Doch der stationäre Handel werde seine Bedeutung behalten. Laut Hotz kaufen immer noch drei Viertel aller Schweizer lieber im Laden ein.