Handel hofft auf Aufhellung

Das Ende des Euromindestkurses hat den Einkaufstourismus 2015 noch beschleunigt, stellt die Credit Suisse fest. Indes: Im Schweizer Detailhandel soll es 2016 eine leichte Entspannung geben.

Thorsten Fischer
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Blick in die Läden des Shoppingcenters Lago in Konstanz. (Bild: Benjamin Manser)

Blick in die Läden des Shoppingcenters Lago in Konstanz. (Bild: Benjamin Manser)

ZÜRICH. Aus Sicht der Schweizer Detailhändler ist es nicht die alles überstrahlende Nachricht, aber in Zeiten wie diesen ein wenig Balsam. Laut den Ökonomen der Credit Suisse (CS) wird sich der Einkaufstourismus ins Ausland im laufenden Jahr stabilisieren. Mit der Aufhebung des Euromindestkurses zum Franken waren die Auslandeinkäufe der Schweizer Bevölkerung im letzten Jahr im Vergleich zu 2014 ein weiteres Mal nach oben geschnellt. Die CS spricht von schätzungsweise 8%, auf ein Volumen von annähernd 11 Mrd. Fr. – das ist nicht nur eine markante Zunahme, sondern auch ein relativ hohes Niveau.

Jeder zehnte Franken

«Jeder zehnte in der Schweiz konsumierte Franken floss also in die Kassen der ausländischen Detailhändler – der Einkaufstourismus ist somit definitiv keine Randerscheinung mehr», heisst es im Retail Outlook der CS und des Beratungsunternehmens Fuhrer & Hotz. Dass die Schweizer Einkaufstouristen nicht bloss aus Gründen der Abwechslung ins Ausland fahren, ist bekannt. Die CS listet in ihrer Untersuchung die Preisniveaus für verschiedene Konsumgüter auf. Bereits beim Stand von 2014 zeigt sich das teils markant tiefere Niveau im Ausland (siehe Grafik). Die Preisunterschiede seien grösstenteils auf höhere Erstellungskosten in der Schweiz zurückzuführen, schreibt die CS.

Der Einfluss der Kosten

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Arbeitskosten, welche vorab bei der Herstellung von Lebensmitteln, Textilien und Bekleidung sowie Möbeln einen bedeutenden Kostenfaktor darstellen. Diese seien in der Schweizer Industrie deutlich höher als in den wichtigsten Herkunftsländern der Importe.

Bereits die Schweizer Inputgüter – etwa Schweizer Milch für die Herstellung von Schweizer Joghurt oder Transportleistungen – seien häufig teurer als ihr Pendant in Europa. Auch könnten sich die Qualität der Produkte und die damit verbundenen Produktionskosten von Land zu Land unterscheiden. Für Endabnehmer sei es heute dank des Internets leicht, importierte Güter oder ähnliche Produkte im Ausland ausfindig zu machen und mit dem Angebot in der Schweiz zu vergleichen.

Eigene Initiativen

Die Hände in den Schoss gelegt hat der hiesige Detailhandel aber keineswegs. Auch er will die Onlinekanäle nutzen, zeigt die Untersuchung. 2015 nahmen H &M sowie Tally Weijl ihre Schweizer Onlineshops in Betrieb. Volg startete den Onlinehandel als Pilotprojekt. Mediamarkt eröffnete den ersten Schweizer Drive-in in St. Gallen, der das Abholen der Onlinebestellungen direkt mit dem Auto ermöglicht. Auch andere Detailhändler (unter anderem Microspot und Migros) eröffneten neue Pick-up-Stationen.

Insgesamt sanken 2015 die realen Schweizer Detailhandelsumsätze um schätzungsweise 0,4% gegenüber dem Vorjahr. Dazu trug auch eine etwas gedämpftere Konsumentenstimmung bei. Nach dem schwierigen Detailhandelsjahr 2015 erwarten die CS-Ökonomen 2016 eine leichte Entspannung und rechnen mit einem geringen nominalen Umsatzwachstum von 0,3%.

Laut der Umfrage von Fuhrer & Hotz bei Branchenvertretern blicken die Detailhändler verhalten optimistisch ins Jahr 2016, wobei die Unternehmen aus dem Food-Segment etwas zuversichtlicher sind als jene aus dem Near- und Non-Food-Segment.

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