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HANDEL: Amazon rückt noch näher

Onlinefirmen jagen den klassischen Detaillisten immer mehr Kunden ab. Nun reckt sich Amazon, der Branchenprimus im E-Commerce, noch stärker nach Schweizer Konsumenten – mit Hilfe der Post.
Raphael Bühlmann
Bedient auch Schweizer Kunden: Lager von Amazon im deutschen Bundesland Hessen. (Bild: Swen Pförtner/KEY (Bad Hersfeld, 7. Dezember 2017))

Bedient auch Schweizer Kunden: Lager von Amazon im deutschen Bundesland Hessen. (Bild: Swen Pförtner/KEY (Bad Hersfeld, 7. Dezember 2017))

Raphael Bühlmann

Eigentlich steht der Aufwand in keinem Verhältnis mehr. Was früher standardmässig mit Einkaufswagen im Supermarkt gesammelt, an der Kasse aufs Förderband gelegt, mit Noten und Münzen bezahlt und womöglich im Auto nach Hause verfrachtet wurde, erledigt der moderne Mensch mit einigen Klicks.

Wenig verwunderlich, legt der Onlinehandel in der Schweiz zu. Neu gemischt werden dabei vor allem die Karten für etablierte Detailhändler. «Es wird zu einer weiteren Marktbereinigung kommen, die durchaus auch Schweizer Platzhirsche, zumindest in gewissen Segmenten, treffen kann.» Das sagt Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation, dem Verband der mittelständischen Detailhandelsunternehmen (stationär und online) in der Schweiz.

Bis 100000 Pakete im Ausland aufgegeben

Inmitten harter Preiskämpfe erhält nun mit Amazon niemand Geringerer als der weltgrösste Onlinehändler leichteren Zugang zum Schweizer Markt. Wie das Westschweizer Fernsehen RTS diese Woche berichtet hat, vereinfacht eine Vereinbarung zwischen dem US-Giganten und der Schweizerischen Post künftig die Bestellungen.

«Bis jetzt wurden Sendungen von Amazon auf dem Postweg einzeln verzollt», sagt Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post. Nun nutze Amazon die ­Digitalverzollung. Anstatt jedes einzelne Paket von Menschenhand zu prüfen, werden Importpakete einzeln digital erfasst und verzollt. «Dies erlaubt es, dass der Kunde beim Kauf der Ware beim Onlinehändler Zoll und Mehrwertsteuer direkt bezahlt und die gelieferte Lastwagen­ladung direkt im Verteilzentrum Daillens oder Urdorf auf die Postboten sortiert werden kann – eine logistische Vereinfachung», sagt Flüeler. Dies sei eine Standardlösung, wie sie bereits bei anderen Onlinehändlern wie etwa Zalando in ähnlicher Form angewendet werde.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen rechnet die Post nicht damit, dass sie wegen der Vereinfachung von einer Bestellflut überrollt wird. «Der entscheidende Treiber hinter dem Onlinehandel ist und bleibt der Konsument mit seinem Einkaufsverhalten und nicht die Post.» Laut Flüeler unbestritten ist aber, dass die Bestellungen im Internet weiter zunähmen. «Bei Paketen haben wir in den letzten drei Jahren jeweils immer neue Rekorde verzeichnen können.» Vergangenes Jahr habe die Post täglich rund 600000 Pakete zugestellt, wovon 80000 bis 100000 im Ausland aufgegeben worden seien.

Klassischer Verkauf dient als Begegnungsort

Klar aber scheint, dass mit der vereinfachten Bestellung bei Amazon der anhaltende Preisdruck im Schweizer Detailhandel nicht geringer wird. Generell ­seien die Preise heute einfacher vergleichbar, stellt die Swiss Retail Federation weiter fest. «Der Druck durch den Onlinehandel und das starke Wachstum grosser, insbesondere ausländischer Mitspieler auf dem Schweizer Markt werden damit weiter zu einer Flurbereinigung im Detailhandel führen», äussert sich Geschäftsführerin Jenni überzeugt.

Was aber bleibt dem klassischen Verkauf? Jenni sagt, dass sich dieser den Onlinehandel als «Vorhof des stationären Handels» zunutze machen könne. «Er kann die Onlinepräsenz ergänzen und abrunden mit stärkerer Sichtbarkeit der Produkte, persönlichem Service und Sortimentsvorauswahl.» Zudem könne er sich als Begegnungsort positionieren, als Ort zum Verweilen, der zur lokalen Identität beitrage, sagt Jenni weiter. Grundsätzlich hält die Swiss Retail Federation fest, dass man sich der grenzüberschreitenden Konkurrenz stellen werde. «Konkurrenz belebt das Geschäft.»

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