«Handarbeit ist Teil der Seele»

Seit Jahren eilt die berühmte britische Automarke Rolls-Royce von einem Erfolg zum anderen. Warum das so ist, erklärt der deutsche Geschäftsführer der BMW-Tochtergesellschaft, Torsten Müller-Ötvös. Und er macht klar: Rolls-Royce bleibt britisch.

Sebastian Borger
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Ein Rolls-Royce vom Typ Ghost SII fährt über die London Bridge. Im Hintergrund das 310 Meter hohe Shard-Gebäude. (Bild: pd)

Ein Rolls-Royce vom Typ Ghost SII fährt über die London Bridge. Im Hintergrund das 310 Meter hohe Shard-Gebäude. (Bild: pd)

LONDON. Torsten Müller-Ötvös ist guter Dinge. Ob es daran liegt, dass der Buckingham-Palast einen Staatsbesuch von Königin Elizabeth II. in Deutschland angekündigt hat? Sollte die Queen im Juni nicht einen BMW der Regierung benutzen, dürfte sie im hauseigenen Rolls-Royce zu Banketten und Besuchsterminen rollen. Aber Müller-Ötvös (54) hält sich, bei aller Offenheit, eisern an die Maxime: Über einzelne Kunden wird nicht gesprochen, schon gar nicht über die Royals. Sein Frohsinn hat denn auch vielmehr mit den jüngsten Verkaufszahlen seiner Firma zu tun. 4063 Automobile, keines im Wert unter umgerechnet 276 000 Fr. plus Steuern, hat Rolls-Royce vergangenes Jahr verkauft, 12% mehr als 2013. Auf wichtigen Märkten wie Nordamerika beträgt der Zuwachs gar 30%. «Weit mehr als 100» Käufer fanden sich im deutschsprachigen Raum – genaue Länderzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Frauen entdecken Rolls-Royce

Tatsächlich eilt die berühmte Automarke schon seit Jahren von Erfolg zu Erfolg. Finanz- und Wirtschaftskrisen scheinen der Nachfrage nach dem Statussymbol nichts anhaben zu können. Mit der Fortentwicklung der Ghost-Baureihe und der Einführung des Wraith (beides auf Deutsch Gespenst) konnte die BMW-Tochter neue Kundenkreise erschliessen. Waren es früher fast ausschliesslich Männer, sind mittlerweile rund 10% Frauen. Während die Käufer der Limousine Phantom durchschnittlich im sechsten Lebensjahrzehnt stehen und sich überwiegend vom Chauffeur kutschieren lassen, sind die typischen Wraith-Liebhaber 35 bis 40 Jahre alt. Gerade auf dem Wachstumsmarkt Asien belohnen sich sogar schon erfolgreiche Unternehmer um die 30 mit einem ganz besonderen Automobil.

Holz vom eigenen Baum

Wobei Müller-Ötvös sich eher «im Luxusgütergeschäft» sieht, nicht als Teil der klassischen Autoindustrie. «Keiner braucht einen Rolls-Royce, um von A nach B zu kommen.» Wer an die Tradition der 1904 von Charles Rolls und Henry Royce gegründeten Firma anknüpfen will, ist vielmehr auf der Suche nach einem Liebhaber- und Anlageobjekt – immerhin sind mehr als ein Viertel aller jemals gebauten Rolls- Royce bis heute im Einsatz.

Die Kundschaft ist reich und anspruchsvoll. Wenn ein Rolls-Royce-Besitzer auf Mauritius Hilfe braucht, setzt die Zentrale einen Mechaniker ins Flugzeug. Wer beim Bau seines Vehikels das Holz eines bestimmten Baumes im eigenen Garten verwendet wissen will – bitte sehr, auch dies ermöglichen die Ingenieure und Handwerker. «Wir machen bewusst Dinge mit der Hand. Handarbeit ist Teil der Seele, davon bin ich überzeugt», erläutert Müller-Ötvös die Philosophie der Firma mit 800 überwiegend britischen Angestellten.

Stärken und Schwächen

«Unsere Leute sind mit Begeisterung und Stolz dabei – einem Stolz, den man sich in Deutschland manchmal wünschen würde», sagt Müller-Ötvös. Umgekehrt kennt der langjährige BMW-Manager auch die Schwächen der Insel. Dort fehlt eine qualifizierte Handwerkerausbildung bis zum Meister. Immerhin hat Wirtschaftsminister Vincent Cable in den letzten Jahren versucht, den Stolz auf britische Ingenieurskunst neu zu wecken. «Das unterstütze ich sehr», sagt Müller-Ötvös. Auch ist er für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU. Schliesslich ist die Rolls-Royce-Manufaktur eng verzahnt mit der Mutter in München. Doch wie auch immer: Ein Umzug der Marke auf den Kontinent, das sei kein Thema. «Rolls-Royce ist britisch und muss britisch bleiben. Es ist eine Ehre, für diese Firma zu arbeiten.»