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HAFEN: Chinas Tor nach Europa

Seit acht Jahren steckt Griechenland tief in der Krise, doch in Piräus ist kaum etwas zu spüren. Die Chinesen haben ehrgeizige Ausbaupläne für den grössten Hafen des Landes.
Gerd Höhler, Athen
Der Hafen von Piräus soll zur Nummer eins im Mittelmeer und zur Drehscheibe ausgebaut werden. (Bild: Simon Dawson/Getty (Piräus, 25. Juni 2015))

Der Hafen von Piräus soll zur Nummer eins im Mittelmeer und zur Drehscheibe ausgebaut werden. (Bild: Simon Dawson/Getty (Piräus, 25. Juni 2015))

Gerd Höhler, Athen

Griechenland hat zu kämpfen. Seit acht Jahren schrumpft die Wirtschaft, die Schuldenkrise hat Hellas in die längste und tiefste Rezession der Nachkriegszeit gestürzt. Aber in Piräus geht es aufwärts, seit die chinesische Staatsreederei China Ocean Shipping Company (Cosco) Ende 2009 hier Fuss gefasst hat. Die Chinesen wollen den Hafen vor den Toren Athens in den nächsten Jahren zur Drehscheibe für chinesische Exporte nach Europa ausbauen. Das Engagement in Piräus ist Teil einer langfristigen Strategie der chinesischen Regierung: Mit dem Einstieg bei europäischen Hafengesellschaften will Peking neue Handelsrouten für chinesische Waren öffnen. In Nordeuropa habe Cosco nach einer Beteiligung in Rotterdam bereits ein Auge auf die belgischen Häfen Antwerpen und Zeebrugge geworfen, heisst es in der Branche.Als Cosco 2009 mit der Athener Regierung einen ersten Pachtvertrag über den Betrieb eines Containerpiers in Piräus unterzeichnete, wurden in Griechenlands grösstem Hafen lediglich 166000 Containereinheiten (TEU) umgeschlagen. 2016 waren es bereits fast 3,5 Mio. TEU. Damit ist Piräus der am schnellsten wachsende Containerhafen der Welt. Vergangenes Jahr übernahm die Cosco-Tochterfirma Cosco Shipping Port 51% der bis dahin staatlich kontrollierten Hafengesellschaft von Piräus (OLP). Nach fünf Jahren sollen die Chinesen weitere 16% übernehmen. Der griechische Regierungschef Alexis ­Tsipras hatte die seit Jahren diskutierte OLP-Privatisierung als Oppositionsführer erbittert bekämpft. Als Premier hatte er keine andere Wahl: Der Verkauf des Hafens war eine Bedingung der internationalen Geldgeber für weitere Hilfskredite.

Cosco zahlte für die Übernahme 437,5 Mio. €. Mindestens weitere 300 Mio. € verspricht der Konzern in den nächsten fünf Jahren zu investieren. Piräus soll zum Tor für den Export chinesischer Produkte nach Europa werden. Firmen wie Sony, Hewlett-Packard, Huawei oder ZTE schlagen bereits einen Grossteil ihrer in China gefertigten Waren in Piräus um. Dort werden die Güter auf kleinere Schiffe umgeladen und zu anderen Mittelmeerhäfen gebracht oder per Bahn nach Mittel- und Osteuropa transportiert.

Piräus trumpft mit mehreren Vorteilen auf

Mit der im Januar besiegelten Übernahme des griechischen Bahnbetreibers Trainose durch die italienischen Staatsbahnen dürfte der jahrzehntelang vernachlässigte Schienenverkehr in Griechenland endlich in Schwung kommen. Im Westen Athens entsteht bereits ein Logistikzen­trum, dessen Herzstück ein grosser Containerbahnhof ist. Die Containerreedereien sparen acht bis neun Frachttage, wenn sie ihre Schiffe aus Asien nach Piräus statt zu Nordseehäfen wie Rotterdam, Antwerpen oder Hamburg schicken. Piräus kann, als weiterer Vorteil, als natürlicher Tiefwasserhafen zudem Containerschiffe aller Grössen aufnehmen. Derzeit baut Cosco ein drittes Containerpier. Ist es fertig, wird Piräus der einzige Mittelmeerhafen sein, der gleichzeitig bis zu fünf Frachter der Grössenklasse von 20000 TEU abfertigen kann. Noch liegt Piräus im Containerumschlag unter den Mittelmeerhäfen hinter den spanischen Häfen Algeciras und Valencia. Doch die Chinesen wollen Piräus zur mediterranen Nummer eins machen.

Darüber hinaus wird Cosco auch Interesse an den beiden grössten griechischen Werften Skaramanga und Elefsina nachgesagt. Damit könnte die griechische Schiffbauindustrie, die seit Jahrzehnten im Niedergang ist, wieder aufblühen.

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