Händler machte Pferde- zu Rindfleisch

Die Pariser Regierung ist sicher, in der Firma Spanghero die Übeltäterin gefunden zu haben im Skandal um Pferdefleisch in Rindfleisch-Lasagne. Coops Lieferant Comigel sei nachlässig gewesen.

Marianne Truttmann
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BRÜSSEL. Die französische Regierung beschuldigt Spanghero, Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft zu haben. Verbrauchsminister Benoît Hamon versicherte gestern, dass Spanghero wusste, dass sie Pferd als Rind etikettiert hatte. Spanghero habe sich Wirtschaftsbetrügereien schuldig gemacht und werde angeklagt, sagte Hamon. Die Firma, die in Südfrankreich sitzt und den Lasagne-Hersteller Comigel respektive dessen Produktionsfirma Tavola in Luxemburg mit Fleisch beliefert hatte, hatte zuvor erklärt, sie sei nicht aktiv im Geschäft mit Pferdefleisch. Von Comigel stammen die in der Schweiz (bei Coop) und in mehreren EU-Ländern festgestellten Produkte mit Pferd.

Rumänische Hersteller entlastet

Comigel und Tavola werden von Hamon weitgehend entlastet. Sie seien aber nachlässig gewesen und hätten beim Auftauen erkennen müssen, dass Pferde- eine andere Farbe hat als Rindfleisch. Laut Hamon dauerte der Pferdefleisch-Handel mehrere Monate und umfasste 750 Tonnen Fleisch, von denen 550 an Comigel gingen.

«Le Parisien» druckte gestern eine Rechnung ab. Sie zeigt, dass Spanghero Anfang Jahr 42 Tonnen Pferdefleisch von der zyprischen Filiale der Handelsfirma Draap Trading (Draap rückwärts gelesen heisst auf Holländisch Pferd) gekauft hatte. Draap wird von einem Holländer geleitet, der vor einem Jahr wegen gefälschter Zollpapiere verurteilt worden war. Holländische Behörden inspizierten gestern das Lagergebäude von Draap in Breda, fanden aber nur Pferdefleisch, das korrekt etikettiert war.

Der französische Agrarminister Stéphane Le Foll hat Spanghero die Erlaubnis, mit Fleisch zu handeln, inzwischen entzogen. Tierärzte sollen heute bei der Firma in Castelnaudary die Untersuchung fortsetzen. Die französischen Behörden betonen, dass die rumänischen Lieferanten von Draap das Pferdefleisch gutgläubig und korrekt etikettiert an den Zwischenhändler geliefert hatten.

Medikament in britischem Pferd

In London wurde bekannt, dass in 8 von 206 Pferdekörpern, die in britischen Schlachthöfen getestet worden waren, nachträglich der Entzündungshemmer Phenylbutazon entdeckt wurde. Drei Männer wurden in Fleischbetrieben in Wales und England unter Betrugsverdacht festgenommen.