Hälg hat alle Hände voll zu tun

Nach einem relativ verhaltenen Geschäftsjahr bekommt die St. Galler Firmengruppe wieder mehr Arbeit. Parallel dazu werden die Dienstleistungen kontinuierlich ausgebaut.

Thomas Griesser Kym
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Ein ausserordentliches Projekt: Am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer-le-Lac besorgte Hälg den Blitzschutz und die Erdung der gesamten Infrastruktur der mobilen Arena für über 5 (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY (Estavayer, 28. August 2016))

Ein ausserordentliches Projekt: Am Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer-le-Lac besorgte Hälg den Blitzschutz und die Erdung der gesamten Infrastruktur der mobilen Arena für über 5 (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY (Estavayer, 28. August 2016))

Thomas Griesser Kym

270 Mio. Fr. hat die Hälg Group im vergangenen Jahr umgesetzt. Das sind 4 Mio. Fr. weniger als 2015, und es ist der zweite Rückgang in Folge. Dennoch zeigen sich die Gebrüder Roger und Marcel Baumer, welche die Firmengruppe mit Sitz in St. Gallen als Inhaber leiten, mit dem Geschäftsjahr «zufrieden». Erstens stehe bei Hälg, die in der Gebäudetechnik aktiv ist, nicht reines Umsatzwachstum im Zentrum, sondern man verfolge «qualitative Ziele», und diese habe man erreicht. Namentlich sei es gelungen, die Profitabilität zu halten und das Geschäft nachhaltig zu entwickeln. Zweitens basiert der leichte Umsatzrückgang auf ei­nem rückläufigen Geschäft in der Ausbaubranche. Das hat Hälgs Umsätze im Kerngeschäft Anlagenbau belastet, also der Instal­lation von Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitäranlagen. Hier zeichnet sich aber eine Erholung ab: Nachdem der Hochbau vergangenes Jahr wieder angezogen hat, sehen die Baumers auch eine mit Verzögerung folgende Belebung des Ausbaugeschäfts: «Un­sere Pipeline hat sich gut gefüllt. Wir haben im Anlagenbau einen Arbeitsvorrat für fast ein Jahr», sagt Roger Baumer, und generell sei die Auslastung «gut». Die anderen Geschäfte der Firmengruppe – Engineering, Gebäudeautomation, Service und Facility Management – haben ihre Volumen vergangenes Jahr gehalten oder leicht gesteigert.

Zum integralen Anbieter im Facility Management

Vor dem Hintergrund des grossen Auftragsbestandes und der Aufwärtstendenzen im Hochbau hat die Hälg Group den Personalbestand von 900 auf 910 Mitarbeitende weiter erhöht. Ausserdem will das Unternehmen künftig ­ im Facility Management, also im Gebäudeunterhalt, schrittweise Leistungen, etwa in der Areal­reinigung, von eigenen Beschäftigten erbringen lassen statt von Dritten. Das allein dürfte im laufenden Jahr die Mitarbeiterzahl um weitere 15 bis 20 erhöhen, wie Marcel Baumer sagt. Hoch gehalten wird die Lehrlingsausbildung: Annähernd 10% der Beschäftigten sind Lernende, deren Ausbildung die Baumers auch als Instrument gegen den Fachkräftemangel einsetzen. Generell sei es auf dem Land schwieriger als in Städten, geeignete Junge für eine handwerkliche Lehre zu finden. Das erfordert laut Marcel Baumer immer mehr Aufwand.

Hälg versteht sich als führender Schweizer Gebäudetechnik-Dienstleister, der den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden und Anlagen abdeckt. Das Angebot spanne sich «von der ersten Idee für ein Gebäude bis zu dessen ­Betrieb oder Umnutzung», sagt Roger Baumer. Das ist auch im Interesse der Kunden, die immer mehr Gesamtangebote nachfragten. Dabei ist Hälg bestrebt, das Portfolio mit neuen Dienstleistungen stetig auszubauen.

Passende Kaufobjekte machen sich rar

So ist Ende 2016 die Lüftungs­reinigung dazugekommen. Als nächster Schritt steht der Einstieg in die Brandschutzplanung bevor. Zudem wird das Sanitärgeschäft auf weitere Niederlassungen ausgedehnt. Ein laufendes Projekt ist die Digita­lisierung, die sich in Hälgs Geschäft immer mehr ausbreitet.

Insgesamt hat die Gruppe 19 Niederlassungen in der Schweiz. In Kürze kommt ein Standort in Bendern in Liechtenstein hinzu, wo bisher einzelne Projekte ab der Filiale Chur betreut wurden. Weisse Flecken hat Hälg weiterhin im Wallis, wo aber der Wettbewerb seit der Annahme der Zweitwohnungs­-Initiative besonders intensiv sei, und im Tessin, wo das Italienische eine zusätz­liche Hürde sei. Generell aber ist Hälg offen für Akquisitionen. Vergan­genes Jahr landeten gar so viele Angebote wie noch nie auf Roger Baumers Tisch. Zugegriffen haben er und sein Bruder indessen kein einziges Mal. Entweder habe die zum Kauf stehende Firma strategisch nicht gepasst, oder sie sei zu teuer gewesen. Ungeachtet dessen erwartet die Hälg Group für 2017 ein leichtes Umsatzwachstum, und die Profitabilität soll verteidigt werden.