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Gymnasiasten manipulieren Kurs

In Schweden stehen zwei junge Männer wegen Kursmanipulationen vor Gericht. Sie haben in Finanzforen und sozialen Medien für Wertpapiere geworben und danach sofort die Gewinne einkassiert.
Niels Anner, Kopenhagen
(Bild: AP Photo/Mark Lennihan)

(Bild: AP Photo/Mark Lennihan)

Während weltweit an den Börsen Unruhe herrscht, sorgt in Schweden ein Fall von Aktienbetrug für zusätzliche Verunsicherung. Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität wirft zwei jungen Männern aus Göteborg massive Kursmanipulationen vor; sie sollen mit irreführenden Aktienbewertungen sowie der Verbreitung von falschen Empfehlungen unrechtmässig Gewinne erzielt haben.

Das Ganze ereignete sich bereits 2015 und 2016, Anklage wird jedoch erst jetzt erhoben. Damals waren die beiden Beschuldigten 18-jährige Gymnasiasten. Sie investierten auf den kleineren Handelsplattformen Spotlight sowie Nasdaq/First North hohe Summen in wenig bekannte Aktien, gemäss der Staatsanwaltschaft umgerechnet fast 300'000 Franken. Woher die Teenager das Geld hatten, ist nicht klar: möglicherweise aus reinvestierten Gewinnen, Darlehen oder dem Elternhaus.

100'000 Franken Gewinn

Das Vorgehen der Gymnasiasten, die sich selber als unschuldig bezeichnen, wird von der Staatsanwaltschaft als illegale Marktbeeinflussung gewertet. Die beiden schrieben zunächst auf einer Finanzwebseite eine Empfehlung für die von ihnen gekauften Aktien. Danach sorgten sie für eine weite Verbreitung: Sie teilten die Empfehlung in diversen Internetforen für private Investoren, darunter demjenigen der Wirtschaftszeitung «Dagens Industri». Ausserdem sorgten sie dafür, dass sich die Informationen in Chats und geschlossenen Facebook-Gruppen ausbreiteten. Dies verfehlte seine Wirkung nicht: Bei insgesamt zehn Firmen stieg der Aktienkurs in kurzer Zeit stark an, «manchmal bis zu 100 Prozent», sagt der auf Aktienbetrug spezialisierte Staatsanwalt Jan Leopoldson. Kaum war der Kurs in die Höhe geschnellt, verkauften die beiden Teenager ihre Aktien­pakete. Sie machten damit innerhalb einiger Monate rund 100'000 Franken Gewinn.

Der Anwalt der beiden Männer bezeichnet die Anklage als haltlos. Aus seiner Sicht hat es sich nicht um unlautere Empfehlungen gehandelt, sondern lediglich um Tipps für Investoren. Dem widerspricht die Anklage deutlich. Leopoldson verweist auf unrealistische Kursziele und verdächtiges Vorgehen: «Sie kauften an einem Tag, publizierten Empfehlungen am nächsten – und verkauften sogleich wieder.» Der Staatsanwalt will dem Gericht unter anderem einen gelöschten Chat vorlegen, in dem die beiden ihre Betrugsabsicht formuliert haben sollen. Die Handelsplattform Spotlight hatte den Finanzbehörden einen Verdacht gemeldet, nachdem sie merkwürdige Kursbewegungen feststellte, ohne dass die betroffenen Firmen irgendwelche Meldungen publiziert hatten.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Analysten erklärten in den Medien, es sei unklar, wie verbreitet solche Manipulationen seien. Der vorliegende Fall ist der zweite mit diesem Vorgehen: Anfang Jahr wurden zwei Medizinstudenten in zweiter Instanz verurteilt, die sich als «Forscher» oder «Mediziner» ausgaben und Aktien von Biotechfirmen im Internet zum Kauf empfahlen – um kurz danach die Gewinne einzukassieren. Die Gymnasiasten aus Göteborg haben sich von diesem Vorgehen nachweislich inspirieren lassen.

Staatsanwalt Leopoldson verlangt nun härtere Strafen als nur bedingte Bussen, und will den Fall der Medizinstudenten ans höchste Gericht weiterziehen. Aus seiner Sicht gefährden solche Betrügereien das Vertrauen in den Markt, und sie könnten gesellschaftliche Auswirkungen haben, wenn etwa Investitionen von Pensionskassen betroffen wären. Er fordert zudem, dass kleine Investoren, aber auch Betreiber von Finanzforen Empfehlungen kritischer anschauen. Auch Christa Ploom, Chefin für Marktüberwachung bei Spotlight, hofft auf mehr Verurteilungen wegen Manipulationen; dies hätte einen «abschreckenden Effekt».

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