Gutzwiller wird SGKB-Präsident

Die St. Galler Kantonalbank regelt frühzeitig die Nachfolge im Verwaltungsratspräsidium. Professor und Unternehmensberater Thomas Gutzwiller soll 2013 Franz Peter Oesch ersetzen.

Thomas Griesser Kym
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Thomas Gutzwiller

Thomas Gutzwiller

ST. GALLEN. Seit 1. Juli 2000, seit der Umwandlung der St. Galler Kantonalbank (SGKB) in eine AG, präsidiert der Anwalt und frühere Politiker Franz Peter Oesch den Verwaltungsrat der teilprivatisierten Staatsbank. An der Generalversammlung (GV) kommenden April endet seine Amtszeit, und 2013 fällt die Altersguillotine, weil Oesch übernächstes Jahr 70 wird.

Was für Gutzwiller spricht

Vor dieser Konstellation stellt sich Oesch an der GV 2012 nochmals zur Wiederwahl, für eine einjährige Amtszeit. Auf die GV 2013 will er dann seinen Sessel Thomas Gutzwiller überlassen, der zunächst ein Jahr als Vizepräsident amtieren soll. Der bisherige Vize Hans-Peter Härtsch tritt auf die kommende GV nach elf Jahren im Verwaltungsrat zurück. Der Wiederwahl für weitere drei Jahre stellen sich Gutzwiller und Kurt Rüegg, deren Amtsdauer wie jene Oeschs abläuft.

Welche Kriterien aus Sicht des SGKB-Verwaltungsrats für die Nomination Gutzwillers zum designierten VR-Präsidenten gesprochen haben, sagt Banksprecher Simon Netzle: Gutzwiller kenne das Bankenumfeld allgemein und das KB-Umfeld im besonderen. So hat Gutzwiller einst die AGI präsidiert, eine Informatik-Kooperation von Kantonalbanken. Auch beriet er die SGKB vor der Teilprivatisierung und beim Börsengang. Zudem nennt Netzle Gutzwillers Erfahrung im SGKB-Verwaltungsrat (seit 2006) und als Unternehmer: Er gründete die Beratungsfirmen IMG und GW Partner AG, und er ist Professor an der HSG sowie Direktor der Executive School of Management, Technology and Law der HSG. Damit sei Gutzwiller auch gut vernetzt in Wirtschaft und Wissenschaft.

Bürgerliche gegen Linke

Oesch wird laut Mitteilung in seinem letzten Amtsjahr besonders auch den Gesetzgebungsprozess im Zusammenhang mit weiteren Schritten der Privatisierung der SGKB begleiten. Konkret wird Oesch laut Netzle die Bank in Kommissionen und Sitzungen vertreten sowie für Stellungnahmen gegenüber Fraktionen und Parteien zur Verfügung stehen.

Im April 2008 hatte der St. Galler Regierungsrat eine Motion von CVP, FDP und SVP überwiesen. Diese verlangt, gegen den Widerstand der SP und des Gewerkschaftsbundes, die Minderung der Kantonsmehrheit am Aktienkapital von derzeit 54,8% auf unter 50% sowie die Abschaffung der Staatsgarantie. Die Regierung schlägt allerdings vor, die Staatsgarantie, «sofern zweckmässig», lediglich anzupassen.

Laut Netzle ist die Rochade im Verwaltungsrat Teil der langfristigen Nachfolgeplanung. Mit der Verstrickung der SGKB-Tochter Hyposwiss in den Machtkampf zweier russischer Oligarchen habe dies «in keinster Weise» zu tun. Die SGKB hat betreffend dieses Falles wie vereinbart letzte Woche eine Stellungnahme bei der Finanzmarktaufsicht eingereicht.

Franz Peter Oesch (Bilder: pd)

Franz Peter Oesch (Bilder: pd)