Zünd im Finale
Gute Geschäfte mit scharfen Schnitten

Der Erfolg mit ihren Flachbettcuttern hat der Zünd Systemtechnik AG eine Nomination für den Prix SVC Ostschweiz eingetragen.

Thomas Griesser Kym
Hören
Drucken
Teilen
Firmenchef Oliver Zünd vor einem Flachbettcutter. Pro Jahr verkauft Zünd rund 1200 Stück.

Firmenchef Oliver Zünd vor einem Flachbettcutter. Pro Jahr verkauft Zünd rund 1200 Stück.

Bild: Benjamin Manser (Altstätten, 14. Januar 2020)

Die Kosten und damit verbunden oft die Währung sind ein wichtiger Aspekt für jedes Unternehmen. Bei der Zünd Systemtechnik AG aber spielen diese beiden Faktoren eine ganz besondere Rolle. Fast die gesamten Kosten der Firma mit Sitz in Altstätten fallen in Franken an. Umgekehrt bestehen die Einnahmen zum allergrössten Teil aus Euro, Dollar und anderen ausländischen Währungen, denn Zünd exportiert 97 Prozent seiner Schneidsysteme. «Dieser Gegensatz zwingt uns dazu, Innovationsführer zu sein», sagt Oliver Zünd, der in zweiter Generation das Familienunternehmen leitet.

Das bedeutet, dessen Flachbettcutter, wie die digitalen Schneidanlagen für eine Vielzahl von Materialien genannt werden, müssen immer produktiver werden. Und das heisst in erster Linie immer schneller. Denn punkto Präzision lässt sich laut Oliver Zünd nicht mehr viel herausholen, zumal dies bei Anwendungen in Massenmärkten oft auch gar nicht erforderlich ist. Gleichwohl hat Zünd den Anspruch, zu den führenden Firmen im Premiumsegment zu zählen. Das bedingt neben einer Topqualität und langlebigen Anlagen auch erstklassige Dienstleistungen beispielsweise im After-Sales-Service. Oliver Zünd weiss: «Nur so können wir mit unseren relativ hohen Preisen mithalten und unsere Kundenbindung festigen.»

Viele Zulieferer liegen ganz nah

Das Unternehmen, gegründet 1984 von Oliver Zünds Vater Karl, beschäftigt in Altstätten mittlerweile mehr als 200 oder gut die Hälfte der weltweit über 400 Mitarbeitenden. Am Hauptsitz sind neben der Administration die gesamte Forschung und Entwicklung, Montage und Logistik angesiedelt. Zwei Drittel aller Komponenten bezieht Zünd von Zulieferern im Umkreis von maximal 30 Kilometern. «Das Rheintal ist ein Zentrum für Feinmechanik», sagt Oliver Zünd. «Die geografische Nähe unserer Zulieferer ist ein riesiger Vorteil mit Blick auf die gleiche Sprache und Arbeitskultur oder kurze Transportwege und damit verbunden hohe Liefertreue.»

Zünd verkauft seine Flachbettcutter weltweit, auf allen Kontinenten. Dies einerseits über eigene Vertriebsgesellschaften, wobei jene im hinter Europa zweitwichtigsten Markt Nordamerika mit 80 Beschäftigten die weitaus grösste ist. Andererseits stützt sich Zünd im Vertrieb auf lokale Partner. In Asien ist die Firma erfolgreich in Märkten wie Thailand, Taiwan, Südkorea oder Japan. In China dagegen ist man wenig bekannt. Das hat vor allem mit lokaler Konkurrenz zu tun, die eine geringere Qualität bietet, aber auch zu deutlich tieferen Kosten produziert und damit zu viel günstigeren Preisen offerieren kann. Im Premiumsegment wiederum sind Zünds Hauptrivalen andere europäische Hersteller. «Unser Wettbewerbsvorteil ist, dass wir Cutter für alle Branchen und Materialien im Angebot haben, während unsere Mitbewerber sich auf jeweils ein paar Segmente beschränken», sagt Zünd. Und: «Wir unterhalten wohl die grösste Forschung und Entwicklung mit 45 Mitarbeitenden.»

Die Expansion geht ungebrochen weiter

Die Flachbettcutter werden in Branchen eingesetzt wie Werbetechnik, Verpackung, Lederwaren, Bekleidung, technische Textilien oder Composites. Sie schneiden Materialien wie Karton, Papier, Wellpappe, Hohlkammerplatten, Holz, Folien, Kunststoff, Gummi, Schaumstoff, Textil, Leder, Aluminium, Faserverbundwerkstoffe oder, als härtestes Material, Plexiglas, das gefräst wird. Dank der Digitalisierung sind alle erdenklichen Formen möglich. Seit zehn Jahren setzt Zünd fast ausschliesslich auf hauseigene Software, und die grössten Cutter haben eine Arbeitsbreite von 3,2 Metern. Oft schicken Kunden Zünd Materialien zur testweisen Bearbeitung.

Seit der Gründung hat das Unternehmen laufend ausgebaut. Der Betrieb ist ständig gewachsen, die Cutter werden immer grösser, die betrieblichen Prozesse und damit die Effizienz gilt es laufend zu verbessern. All das bedingt mehr Platz. Gegenwärtig erstellt Zünd einen dreistöckigen Erweiterungsbau für Kundendienst, Forschung und Entwicklung sowie Seminar- und Konferenzräume. In Planung ist zudem ein neues Montage- und Logistikgebäude, das 2022 bereitstehen soll. Insgesamt werden in diese Bauten 35 Millionen Franken investiert. Das entspricht annähernd einem Viertel des vorjährigen Umsatzes von knapp 150 Millionen. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. So war das 2009 errichtete Montagegebäude das erste Minergie-P-Industriegebäude der Schweiz, wie Oliver Zünd sagt. Die Hälfte des Strombedarfs deckt das Unternehmen mit eigenen Sonnenkollektoren auf den Dächern seiner Betriebsgebäude.

Die Mitarbeitenden als «wichtigstes Kapital»

In der Zukunft will Oliver Zünd dort, wo sich Marktpotenzial ausschöpfen lässt, weiterhin lokale Vertriebspartner durch eigene Verkaufsgesellschaften ablösen. Viel Hoffnungen ruhen auch auf dem Internet der Dinge und damit verbunden mit den nächsten Generationen der Schneidanlagen. «Neuentwicklungen werden viel mehr Daten sammeln können etwa über die Betriebszeiten, die Temperatur oder die Produktivität, was ein Mehrwert ist für die Kunden», sagt Oliver Zünd. Ausserdem will er das Geschäft mit den Dienstleistungen und die Software forcieren. «Unsere DNA aber, das bleibt der Maschinenbau.»

Oliver Zünd sieht die Nomination der Zünd Systemtechnik AG für den Prix SVC Ostschweiz «als Wertschätzung, dass wir vieles richtig gemacht haben». Die Finalteilnahme sei auch eine Anerkennung für die Mitarbeitenden, die «unser wichtigstes Kapital sind». Und Oliver Zünd erhofft sich, noch stärker als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, was in Zeiten des Fachkräftemangels die Rekrutierung erleichtern könnte. Denn: «Seit einem Jahr bekunden auch wir Schwierigkeiten, Fachleute wie beispielsweise Softwareingenieure zu finden.»

Prix SVC Ostschweiz

Der Unternehmerpreis Prix SVC Ostschweiz wird dieses Jahr zum neunten Mal vergeben. Sechs Firmen sind nominiert: Davaz Holding aus Fläsch, Evatec aus Trübbach, Glatz aus Frauenfeld, Heule Werkzeug aus Balgach, Integra Biosciences aus Zizers und Zünd Systemtechnik aus Altstätten. Wir stellen die Firmen in loser Folge vor. Der Gewinner wird am 5. März erkoren. (T. G.)