Gute Führung als Kündigungsgrund

GOSSAU. Deutschlands meistgelesener Management-Autor, Reinhard K. Sprenger, stellte im Rahmen des Ostschweizer Personaltags gängige Führungsideen in Frage. «Sie werden nicht für gute Führung bezahlt, sondern nur für die Resultate.»

Christof Lampart
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Reinhard K. Sprenger sprach am Personaltag. (Bild: Ralph Ribi)

Reinhard K. Sprenger sprach am Personaltag. (Bild: Ralph Ribi)

Dies erklärte der 60jährige Managementberater und Bestsellerautor gestern am 9. Ostschweizer Personaltag, der unter dem Motto «Neue Arbeitswelt – neue Führungswelt» vor 330 Personen im Gossauer Fürstenlandsaal über die Bühne ging. Weiter referierten David Bosshart (CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts), Günter Pfeiffer (Gesamtprojektleiter HR Alpiq AG) und Matthias Mölleney (Zürcher Gesellschaft für Personal-Management).

Mythos Führung

Da sie meist unter Zeitdruck stünden, sagte Sprenger, pflegten Manager Dinge oft durch Handeln und nicht durch Nachdenken zu lösen. Deshalb seien Manager oft 90 Prozent ihrer Zeit damit beschäftigt, «Probleme zu lösen, die sie selber erzeugt haben», erklärte Sprenger vor den HR-Führungskräften. Nur, um nachzufragen: «Haben Sie wirklich verstanden, was ich gesagt habe?»

Sprenger hielt fest, dass Führungskräfte mitnichten für ihre Führungskraft bezahlt würden, sondern lediglich für die von ihnen zu verantwortenden Resultate. Das sei vielleicht nicht gerecht, aber praktisch. «Ich habe noch nie eine Führungskraft erlebt, die wegen guter Führung befördert wurde. Meistens wird man deswegen entlassen. Es geht letztlich um den Erfolg, und um nichts anderes. Wir werden nicht dafür bezahlt, dass wir auf einmal über Werte reden», so Sprenger. Dass Manager also gute Führungskräfte sein müssten, sei ein Mythos, der sich hartnäckig halte, obwohl man ihn nicht beweisen könne. «Bei einer Führungskraft geht man einfach davon aus, dass diese die Mitarbeiter führt. Dabei lässt sich aber die Qualität der Führung als solche nicht messen, da sie unsichtbar ist. Was wiederum bedeutet, dass die Führung einfach von aussen her als <vorhanden> hineininterpretiert wird.»

Die Zusammenarbeit ist wichtig

Die Aufgabe eines Managers sei vielmehr «im Unternehmen die Zusammenarbeit zu organisieren, die es von alleine nicht gibt». Gelinge dies nicht, so könne keine Firma auf Dauer die guten Leute halten, denn die Regel, wonach «Menschen zwar zu einem Unternehmen kommen, dieses aber oft wegen den Vorgesetzten verlassen», gelte nach wie vor, sagte Reinhard Sprenger.

Deshalb gelte es alles zu tun, damit die Mitarbeitenden nicht demotiviert würden. Sonst könne es passieren, dass «die Menschen von der Bühne gehen, wenn sie sich nicht wahrgenommen fühlen. Das Problem dabei ist: Sie bleiben meistens physisch anwesend», sagte Sprenger. Deshalb sollte man Mitarbeitende «wie Erwachsene und nicht wie Kinder behandeln» und in der Zusammenarbeit mehr das Wollen fördern, statt die Eigeninitiative durch Reglementierungen einzuschränken. Oft sei es so, dass sich Mitarbeiter nicht gegen einen Wandel sperrten, sich jedoch dagegen wehrten, «selbst gewandelt zu werden». Nichtsdestotrotz gebe es bei allem Bemühen noch einen Faktor, auf den niemand Einfluss hat: das «Zufallsglück», das Sprenger als «die Abwesenheit von Pech» beschrieb. «Ohne das geht nichts. Was auch bedeutet», so der Referent, «dass Sie nicht alles selbst in der Hand haben.»