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Gruppentouristen lassen Kassen klingeln

Selbst gute Einkaufszentren generieren kaum so viel Wertschöpfung auf so wenigen Quadratmetern wie die Touristenläden am Luzerner Schwanenplatz. Sie drohen aber durch die Verkehrsprobleme Opfer des eigenen Erfolgs zu werden.
Rainer Rickenbach
Bei Gruppenreisen hoch im Kurs: die Geschäfte und Boutiquen rund um den Schwanenplatz. (Bild: Corinne Glanzmann)

Bei Gruppenreisen hoch im Kurs: die Geschäfte und Boutiquen rund um den Schwanenplatz. (Bild: Corinne Glanzmann)

1,4 Millionen Gruppentouristen tummelten sich im vergangenen Jahr auf dem Schwanenplatz und in dessen näheren Umgebung. Sie kommen fast alle aus Asien und den USA. Ihren Reiseorganisatoren hatten sie dorthin gebracht, damit sie sich mit Souvenirs, Uhren und Schmuck eindecken können. Vor allem die Gäste aus China langen dabei ordentlich zu. Ihre Tagesausgaben belaufen sich auf stolze 380 Franken, die Kosten für die Hotelübernachtungen machen dabei weniger als einen Fünftel aus. Die Amerikaner lassen sich ihren Hotelaufenthalt mehr kosten, sie geben an einem Ferientag in der Schweiz immer noch mehr als 200 Franken aus.

Es liegt auf der Hand, dass rund um den touristischen Hotspot die Kassen klingeln. Die Zürcher Hanser Consulting AG ergründete in einer Wertschöpfungsstudie den wirtschaftlichen Nutzen, den der Gruppentourismus in den Geschäften im vergangenen Jahr dort und in der ganzen touristischen Region auslöst. Die Zahlen sind beeindruckend: In den Läden und Gastrobetrieben am Schwanenplatz belief sich die Wertschöpfung auf 224 Millionen Franken. Das ist so viel wie 70 durchschnittliche Viersternhotels in einem Jahr erwirtschaften. Insgesamt mehr als 1000 Arbeitsplätze hängen in der Stadt Luzern am Gruppengeschäft. Bezieht man die Hotels, die Bergbahnen, die Schifffahrtsunternehmen der ganzen Zentralschweiz mit ein, so stehen die Gruppenreisenden gar für einen Wert von 403 Millionen Franken.

Luzern hat den Marktanteil erfolgreich ausgebaut

In Auftrag gegeben hatten die Studie die Uhren- und Schmuckgeschäfte Bucherer, Gübelin, Embassy und die Souvenir-Ladenkette Casagrande. Hanser Consulting hatte bereits 2011 die wirtschaftliche Bedeutung des Gruppentourismus untersucht. «Sie hat seither weiter und stark zugenommen», sagte die Studienautorin Irene Bösch gestern am Medientermin. So haben sich die Einnahmen der Uhren- und Schmuckgeschäfte in der Zeit von 2011 bis 2017 verdoppelt, die Wertschöpfung der gesamten Tourismusregion hat sich gar mehr als verzweifacht und die Zahl der Vollzeitstellen alleine am Schwanenplatz stieg um 115. Heute übernachtet rund die Hälfte der Schwanenplatz-Besucher in Luzern oder sonst wo in der Zentralschweiz. Vor sieben Jahren lag dieser Anteil erst bei 30 Prozent.

Die stürmische Entwicklung seit 2011 erklärt sich mit den stark steigenden Besucherzahlen aus den USA und vor allem aus China sowie Indien. Luzern hat den Marktanteil im Gruppengeschäft ausgebaut: Fast vier von fünf Gruppenreisen, die durch Zentraleuropa führen, haben die Region Luzern-Vierwaldstättersee im Programm. Ihre Kunden machten die wegen der Euro-Krise ausbleibenden europäischen Gäste mehr als wett. Die Gruppengäste geben auch mehr Geld aus als noch vor ein paar Jahren. Das tun sie selbstredend vorab im regionalen Epizentrum der organisierten Reisen, dem Schwanenplatz. Bösch: «Es gibt in der Schweiz keinen Branchenmix, der auf einer so geringen Fläche eine solche Wertschöpfung generiert.» Selbst rentable Einkaufszentren könnten nicht mithalten, sagte sie. Mehr als die Hälfte der regionalen Wertschöpfung fällt dort an. Die Strahlkraft der Stadt Luzern auf ihre Umgebung ist aber trotzdem stark: Weil die Gruppen auf ihren Europatouren sich etwas länger hier aufhalten als früher, bleibt ihnen mehr Zeit für Bergerlebnisse und Schiffausflüge (siehe Grafik). Im vergangenen Jahr schnupperten 760 000 Gruppenreisende Höhenluft auf dem Titlis, der Rigi oder dem Pilatus und bescherten den Bergbahnen steigende Einnahmen.

Was alles zur Wertschöpfung zählt

Als Gruppenreisen werten die Studienverfasser Reisegemeinschaften mit mindestens sechs Teilnehmenden, einer professionellen Reiseleitung, die in Luzern mit einem Kleinbus oder Touristencar unterwegs sind. Bei der Wertschöpfung handelt es sich in der Studie um die Bruttowertschöpfung. Also den Teil des Umsatzes, den die Geschäfte durch eigene Anstrengungen erwirtschaften. Vorleistungen gehören nicht dazu. Wenn ein Uhrenhändler zum Beispiel eine Markenuhr von Swatch verkauft, findet der Preis, den er an Swatch bezahlt, keinen Niederschlag in der Bruttowertschöpfung. Mit eingerechnet sind dort hingegen Personalkosten, Abschreibungen, Steuern und Unternehmensgewinn. (rr)

All diese Zahlen und Vergleiche der Studie unterstreichen die Bedeutung des Tourismus in der Region. Das war natürlich auch die Absicht der Geschäftsleute, die sie Auftrag gegeben hatten. Ihre Anliegen schimmern denn auch in mehreren Kapiteln durch. Mehrmals ist dort zu lesen, keine der Erfolgsfaktoren dürfe geschwächt werden, sonst drohe Luzern seine starke Stellung zu verlieren. Als einer der Gründe für den Gruppentourismus-Boom ist die «gute Erreichbarkeit» der Läden und Sehenswürdigkeiten genannt. Sie führt geradewegs zu einem stadtpolitisches Dauerbrenner, nämlich der Diskussion um die Cars an den touristis chen Brennpunkten am Schwanen- oder auch Löwenplatz.

«Ohne den direkten Zugang zu den Läden droht das Geschäft mit den Gruppentouristen zusammenzufallen. Unsere Mitbewerber in Interlaken oder im Ausland würden sich ins Fäustchen lachen, wenn wir deswegen unsere Position schwächten», sagte Bucherer-Verwaltungsrat Adelbert Bütler an der Medienorientierung. Gemäss seinen Ausführungen mischen sich die Schwanenplatz-Ladenbesitzer nicht in die Diskussion um die verschiedenen Parkhaus-Varianten ein. «Wir sind für alle Lösungen offen und helfen mit», so Bütler. Doch müssten mit einer neuen Lösung kurze Wege zum Schwanenplatz gewährleistet bleiben. Die grosse Angst der Geschäftsinhaber: Würde die Anreise zum Schwanenplatz für die Gruppentouristen zu lange und zu kompliziert, könnten die Reiserveranstalter im Fernen Osten oder in Amerika Luzern aus ihren Programmen streichen.

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