Gründer besser vernetzen

In der Schweiz funktioniert der Transfer vom Innovationsprojekt zum Jungunternehmen nicht, sagt Jan Fülscher von Business Angels Schweiz. Es müsse auch überregional kooperiert werden.

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Innovation allein genügt nicht, es braucht auch Kooperation. (Bild: photoalto/Frederic Cirou)

Innovation allein genügt nicht, es braucht auch Kooperation. (Bild: photoalto/Frederic Cirou)

Herr Fülscher, warum sollen für die Schweiz und spezifische Branchen die Jungunternehmen so wichtig sein?

Jan Fülscher: Laut einer Studie der amerikanischen Kauffman-Stiftung werden Arbeitsplätze von jungen Firmen erzeugt und von älteren eher abgebaut. Soll eine Branche wachsen und Stellen erzeugen, so braucht sie Jungunternehmen. High-Tech-Jungunternehmen sind dabei besonders interessant, weil sie besonders viele Arbeitsplätze erzeugen.

Können Sie das mit einem aktuellen Beispiel verdeutlichen?

Fülscher: Im Cleantech-Bereich beispielsweise ist die Anzahl der High-Tech-Jungunternehmen sehr klein im Vergleich zu anderen Branchen. Daraus lässt sich schliessen, dass die Bedeutung der Cleantech-Branche für die Schweizer Volkswirtschaft gering ist und möglicherweise weiter abnehmen wird. Dies steht aber in starkem Widerspruch zur Innovationsrate in dieser Branche – die Schweiz gilt als Spitzenreiterin in der Forschung und Entwicklung im Bereich Cleantech.

Wie kommt es zu solchen Widersprüchen?

Fülscher: Offensichtlich gelingt der Transfer vom Innovationsprojekt zum Jungunternehmen nicht. Gründe dafür könnten sein, dass die Barrieren für den Markteintritt extrem hoch sind, dass also Start-ups ohnehin kaum eine Chance haben, oder dass diese Produkte bereits sehr früh von etablierten Unternehmen erworben werden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Fachkräfte wenige oder ungenügende Anreize zur Gründung eines eigenen Unternehmens erhalten.

Und das Geld? Wann ist es für einen Gründer ratsam, Venture Capital für das angestrebte Wachstum zu beziehen?

Fülscher: Freunde und Bekannte können in der Regel einige zehn- bis hunderttausend Franken zur Verfügung stellen. Das reicht für die Firmengründung und erste Schritte. Venture-Capital-Firmen stellen meist Wachstumskapital von mehreren Millionen Franken zur Verfügung. Diese Finanzierungsformen ergänzen sich und stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Grundsätzlich aber empfehle ich jeder Firma, externe Mittel nur aufzunehmen, wenn sie wirklich benötigt werden.

Wie ist es hierzulande um die begleitende Infrastruktur für Jungunternehmen, etwa Technoparks, bestellt?

Fülscher: Wir verfügen in der Schweiz über eine stattliche Zahl von Technoparks und Inkubatoren. Diese sind meist regional orientiert. Aber: Von internationalen Initiativen wissen wir, dass Inkubatoren erfolgversprechender sind, wenn sie sich auf ein bestimmtes Geschäftsfeld oder eine bestimmte Branche konzentrieren, da so die Geschäftsentwicklung einfacher ist und das Synergiepotenzial höher ist. In der Schweiz gibt es kaum überregionale und branchenfokussierte Instrumente. Wenn, dann vor allem im Bereich der Life Sciences.

Wo liegen die Nachteile einer regionalen Fokussierung?

Fülscher: Regionale Strukturen behindern in gewissem Sinne den Aufbau von überregionalen Brancheninkubatoren: Sie absorbieren kantonale und regionale Fördermittel und ziehen die Start-ups der Region an. Zudem sehen sich manche Regionen oder ihre Vertreter eher als Konkurrenten denn als Partner, das ist überregionaler Zusammenarbeit nicht immer förderlich.

Gibt es hier Unterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Romandie?

Fülscher: Nach meiner Erfahrung arbeiten Akteure in der Romandie enger zusammen als in der deutschen Schweiz, so dass es in der französischen Schweiz einfacher ist, interessante Start-ups zu fördern und zu finanzieren. Auch gibt es interessante Inkubatorenkonzepte, die Branchenfokus, Finanzierung und Förderung verbinden. Die Szene in der Romandie ist zudem überschaubarer, die Akteure kennen sich besser. Das vereinfacht die Zusammenarbeit.

Interview: Yvonne von Hunnius

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