Groupon wird zum Schnäppchen

Der international tätige Schnäppchenjäger verliert dramatisch an Wert. Groupon leidet unter der Eurokrise, doch Beobachter zweifeln auch am Geschäftsmodell.

John Dyer
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BOSTON. Der Glanz des Gutscheinanbieters Groupon ist verblasst. Anleger kehren dem Marktführer in Scharen den Rücken. Sie haben das Vertrauen in das einst so viel versprechende Geschäftsmodell verloren. Allein gestern hat Groupon über ein Fünftel seines Börsenwertes verloren. Seit dem Börsengang vergangenen November hat der Aktienkurs über 60% eingebüsst. An der New Yorker Börse ist Groupon noch 4,88 Mrd. $ wert. Vor dem Börsengang hatte Google 6 Mrd. $ für eine Übernahme geboten.

Groupon setzt sich zusammen aus Group (Gruppe) und Coupon (Gutschein). Das Unternehmen verkauft Preisnachlässe von Partnerfirmen und teilt sich mit ihnen den Gewinn. Vom Restaurant bis zur Yogaschule reicht das Angebot. Gerade in den USA werden die Konsumenten mit solchen Angeboten regelrecht überhäuft. Zwar sind einige wirklich gut, andere hingegen enttäuschen auf der ganzen Linie. Dieses Risiko einzugehen sind viele Konsumenten leid. Zudem gilt die Zielgruppe des Unternehmens als relativ begrenzt, da die Gutscheine von Groupon im Internet vertrieben werden. «Man könnte auch sagen, die tägliche Schnäppchenjagd hat an Reiz verloren», sagt Analyst Ken Sena von Evercore Partners.

«Die Luft scheint raus zu sein»

Mit dem Absturz steht Groupon in einer Reihe mit Technologiefirmen wie Facebook, LinkedIn oder Zynga. Grund sind jeweils die enttäuschten hohen Erwartungen von Investoren. Groupon steigerte zwar im 2. Quartal den Umsatz um 45% auf 568 Mio. $, doch Analysten hatten 575 Mio. $ erwartet, und im 1. Quartal waren es +89% gewesen. Groupons Problem mit dem Geschäftsmodell: Das US-Unternehmen muss regional vertreten sein, um Partner zu gewinnen. Dabei trifft es auf viele regionale Konkurrenzanbieter. Daher betrachten Beobachter Groupon skeptisch. «Es scheint ein wenig die Luft raus zu sein», sagt Analyst Edward Woo von Ascendiant Capital Markets: «Die Wachstumsraten gehen zurück. Es ist halt schwer zu wachsen, wenn man bereits Marktführer ist.»

Probleme in Europa

Groupons Finanzchef Jason Child nennt die wirtschaftliche Lage in Europa als Problem. Europäer hätten 100 Mio. $ weniger für die einst so beliebten Schnäppchen ausgegeben. Gleichzeitig unterstreicht Child, Groupon habe ein grosses Potenzial.