Grosser Umbau bei Credit Suisse

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat seine Pläne für die Bank präsentiert. Allein in der Schweiz sollen 1600 Jobs wegfallen. Auch der bisherige Schweiz-Chef muss gehen.

Bernard Marks
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Tidjane Thiam Konzernchef Credit Suisse (Bild: ky)

Tidjane Thiam Konzernchef Credit Suisse (Bild: ky)

«Es ist bestimmt kein gutes Ergebnis, das wir heute präsentieren», sagte der neue CS-Chef Tidjane Thiam in Zürich. Unter dem Strich blieben der Schweizer Grossbank im dritten Quartal dieses Jahres zwar 779 Millionen Franken an Gewinn. Das ist weit mehr als von einigen Analysten erwartet, doch ein Viertel weniger als im Vorjahresquartal. Auch beim Gesamtertrag schneidet die Bank unter Vorjahr ab. Er beläuft sich auf 5,99 Milliarden Franken, gegenüber 6,54 Milliarden Franken im dritten Quartal 2014. Sichtlich enttäuscht wendete Thiam nur wenige Minuten für die Präsentation der Zahlen auf. Das Spannende folgte zugleich. Thiam hat sich vorgenommen, die Credit Suisse total umzukrempeln.

Harter Sparkurs

Thiam verschreibt der Bank einen harten Sparkurs. Bis Ende 2018 soll die Grossbank 3,5 Milliarden Franken einsparen. Ebenso will die Bank das Kapitalpolster um 6,05 Milliarden Franken verbessern. Die Credit Suisse verabschiedet sich zudem von der bisherigen Struktur. Im Jahre 2005 hatte die Credit Suisse ihre One-Bank-Strategie unter dem damaligen Firmenchef Oswald Grübel eingeführt. Dieses Modell weicht der neue CS-Chef nun auf. Die zweitgrösste Bank der Schweiz soll dezentraler organisiert und damit profitabler gemacht werden.

Neu teilt sich das Unternehmen in drei Vermögensverwaltungsregionen und zwei Investmentbank-Bereiche auf. Bei der Vermögensverwaltung gibt es jetzt eine weitgehend autonom agierende Bank für die Schweiz, eine für den asiatischen Raum und eine für alle anderen Regionen. Ein Teil der Schweizer Universal Bank soll an die Börse gebracht werden. «Die Dezentralisierung soll unser Geschäft fokussierter und schneller machen», sagte Thiam. Der Umbau der Credit Suisse fällt radikaler als erwartet aus. Thiam nutzte seine Rolle als neuer Chef und hielt sein Versprechen, bei der Neuorganisation «schonungslos» zu sein. Der Credit-Suisse-Chef wechselt dabei seine wichtigsten Topmanager aus – und setzt auf ehemalige Weggefährten.

Gleich vier Geschäftsleitungsmitglieder scheiden aus: Gaël de Boissard, Hans-Ulrich Meister, Robert Shafir und Pamela Thomas-Graham. Das erstaunt: Hans-Ulrich Meister, ehemals Schweiz-Chef und Private-Banking-Co-Leiter bei der Credit Suisse wurde in der Ära vor Thiam gar als neuer starker Mann bei der Bank gehandelt. Mit ihm scheidet der letzte Schweizer aus, der im hiesigen Retail- und Geschäftskundenbusiness jahrzehntelange Erfahrung mitbrachte. Die Schweizer Universal Bank wird neu vom Schweizer Thomas Gottstein (51) geleitet. Er führte vorher die Schweizer Vermögensverwaltung.

Jobabbau in der Schweiz

Die neue Ära, die Tidjane Thiam gestern für die Credit Suisse eingeleitet hat, beinhaltet auch einen Personalabbau in der Schweiz. Aus Kostengründen sollen bis in drei Jahren 1600 Stellen wegfallen, wobei es nicht zu Entlassungen kommen soll. Damit geht der Stellenabbau in der Schweiz weiter. Seit 2011 hat die Credit Suisse hier bereits 4000 Stellen gestrichen. Trotz dieses erneuten Abbaus hat sich die CS zum Ziel gesetzt, das Bankgeschäft in der Schweiz auszubauen.

«Wir wollen in der Schweiz wachsen», sagte Thiam in Zürich. Ein Teil dieser Strategie ist, einen Minderheitsanteil der neugeschaffenen Swiss Universal Bank an der Schweizer Börse SIX zu kotieren. Die Bank wolle damit eine einfachere Konsolidierung im Schweizer Banksektor ermöglichen. Thiam verneinte zwar an der Medienkonferenz, dass die CS derzeit Übernahmen im Schweizer Banksektor plane. «Aber wir würden», sagte Thiam. Die Kotierung der Schweizer Universalbank mache Akquisitionen einfacher, sagte Thiam.

Neben einem Wachstum in der Schweiz strebt die Credit Suisse auch einen Ausbau des Vermögensverwaltungsgeschäfts in den Schwellenländern an. Insbesondere dem Asiengeschäft will die Grossbank mehr Kapital zur Verfügung stellen. Einen Stellenabbau dagegen gibt es in den USA. Dort trennt sich die Credit Suisse von ihren Vermögensverwaltungskunden. Die Bank hat dazu mit der US-Bank Wells Fargo ein Abkommen unterzeichnet, die es den rund 2000 US-Beratern der CS und ihren Klienten erlaubt, per Anfang 2016 zu Wells Fargo zu wechseln. Als drittes Ziel hat Thiam vorgegeben, die Investmentbank zu optimieren. Sie soll mit weniger Kapital stabilere und höhere Gewinne erwirtschaften. Erste konkrete Massnahme dafür ist die Verlagerung von 1800 Stellen von London an Standorte mit tieferen Löhnen.

Gemischte Reaktionen

Für Roger Degen, Finanzanalyst der Bank Julius Bär, sind die Massnahmen «ein Schritt in die richtige Richtung». Die neue Struktur mit unabhängigeren Unternehmensbereichen verspreche mehr Dynamik. Ob damit auch die vom neuen CS-Chef angekündigte Rentabilitätssteigerungen möglich sind, bleibt für Degen offen. «Es kommt schliesslich auf die Leute an», sagt er. «Von einer Aufbruchstimmung verspüre ich nichts und das Visionäre fehlt mir», sagt Bankenexperte Maurice Pedergnana. Kostenabbau und Kapitalerhöhung seien notwendig, aber um dies festzustellen habe es nicht einen neuen Konzernchef benötigt. «Das Kapitalproblem war dermassen akut, dass den Schweizer Firmenkunden konkret gekürzte Kreditlimiten gedroht hätten, wenn man nicht innert weniger Wochen die nun vorgestellte Kapitalerhöhung durchgeführt hätte», sagt Pedergnana. Dennoch leistete man sich ein kapitalintensives Investment Banking, ein Asset Management mit zu wenig Vermögen und ein teures Private Banking. Hinzu komme, dass die CS gegenüber einer Vergleichsgruppe von zehn ähnlich ausgerichteten Banken über die letzten fünf Jahre die schlechteste Aktienperformance erzeugte. Mit einer solchen Performance sei es kaum möglich, an die besten Leute heranzukommen. «Die Distanz zur UBS ist in strategischer und operativer Hinsicht grösser geworden», sagt Pedergnana. Die CS zähle für ihn damit wie die Deutsche Bank zu jenen Banken, die sich sieben Jahre nach der Finanzkrise immer noch mitten im strategischen Findungsprozess bewegten.

Hauptsitz der Grossbank Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. (Bild: ky/Walter Bieri)

Hauptsitz der Grossbank Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. (Bild: ky/Walter Bieri)