Grosser Schritt für De Martin

Die Firma De Martin kombiniert erstmals chemische und physikalisch unter Vakuum hergestellte Beschichtungen. Das nützt Anwendungen von Automobilrennsport bis Formenwerkzeugbau.

Martin Sinzig
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Für die neuen Hybridbeschichtungen wurde in Wängi eine Reinraum-Produktion installiert. (Bild: pd/Kurt Zuberbühler)

Für die neuen Hybridbeschichtungen wurde in Wängi eine Reinraum-Produktion installiert. (Bild: pd/Kurt Zuberbühler)

WÄNGI. Seit 1947 hat sich das in dritter Generation geführte Familienunternehmen De Martin zu einem international tätigen Nischenplayer im Bereich funktioneller Oberflächen etabliert. Bedeutend ist die jüngste Innovation, die Anfang 2015 unter dem Namen Cerodem als neue Produktfamilie eingeführt wurde. «Es handelt sich um den technologisch grössten Schritt in unserer Firmengeschichte», erklärt Geschäftsführer Thomas De Martin.

Unter Cerodem fallen PVD- und PACVD-Schichten, das sind unter Vakuum applizierte Schichten, sowie deren Kombination mit galvanisch hergestellten Überzügen. Diese Hybrid-schichten sind eine Symbiose zwischen den beiden Fertigungstechnologien.

Werkstücke erhalten zunächst im bewährten Prozess eine chemisch oder galvanisch applizierte Beschichtung. Anschliessend wird unter Reinraumbedingungen eine zweite Schicht aufgedampft. Diese Kombination erlaubt neue Möglichkeiten beim Einsatz von Werkstoffen, vor allem von Leichtmetallen, für hohe Leistungsbereiche.

Mehr Leistung im Motorsport

Eine hohe Härte wird dabei mit exzellenter Verschleissfähigkeit und starkem Korrosionsschutz vereint. Die nicht zu unterschätzenden volkswirtschaftlichen Kosten von Reibungs-, Verschleiss- und Korrosionsprozessen werden laut De Martin so deutlich reduziert. Das neue Produkt bietet sich vor allem an für Werkzeugmaschinenhersteller, Maschinenbauer oder etwa für den Motorsport.

Bereits sind erste Aufträge im Haus. So bearbeitet die De Martin AG zum Beispiel Motorkolben für Kunden aus dem Rennsportbereich. Eine höhere Traglastfähigkeit sowie ein geringerer Reibungskoeffizient sollen eine längere Lebensdauer erzielen. Das bringt im Rennsport entscheidende und auch kostenwirksame Vorteile. Die Cerodem-Produktfamilie bietet sich auch für zahlreiche Anwendungen im Maschinenbau an. Im Formenwerkzeugbau, zum Beispiel für den Kunststoffspritzguss, sorgt die neue Oberflächenlösung für geringere Reibungs- und Adhäsionswerte. Damit werden schnellere Zyklen und längere Laufzeiten eingesetzter Werkzeuge möglich, was wiederum zu Kapazitätserhöhungen und Kostensenkungen führt.

Neues Labor als Voraussetzung

Eine wichtige Voraussetzung für die neuen Cerodem-Beschichtungen waren die 2015 getätigten Investitionen ins neue Entwicklungs- und Werkstofflabor am Standort in Wängi. Sie umfassten 1,5 Mio. Fr. und ermöglichten erst die notwendigen Entwicklungsarbeiten unter der Leitung des Metallurgen Orlaw Massler.

Nicht nur die Kombination der beiden Funktionstechnologien, sondern auch die Fertigung unter einem Dach hält De Martin für entscheidend. Aus technischer Sicht sei die Prozessbeherrschung, neben den logistischen Aspekten, ein Riesenvorteil. Der Anstoss für die Entwicklung des neuen Produkts stammte ursprünglich von Kunden, hält der Geschäftsführer fest.