Grossaktionär von AIG verklagt seine Retter

WASHINGTON. Vor einem US-Bundesgericht hat ein Prozess begonnen, der in den Augen vieler Amerikaner nur als bizarr zu bezeichnen ist. Beklagt wird die Regierung, weil sie den Grossversicherer AIG in der Weltfinanzkrise mit 182 Mrd. $ rettete. Das sei illegal gewesen, sagt Maurice Greenberg.

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WASHINGTON. Vor einem US-Bundesgericht hat ein Prozess begonnen, der in den Augen vieler Amerikaner nur als bizarr zu bezeichnen ist. Beklagt wird die Regierung, weil sie den Grossversicherer AIG in der Weltfinanzkrise mit 182 Mrd. $ rettete. Das sei illegal gewesen, sagt Maurice Greenberg. Der heute 89-Jährige hatte AIG 40 Jahre lang erfolgreich als Chef geleitet und war 2005 zurückgetreten.

Worum es im Kern geht

«Das ist, als ob man Danke für ein Rettungsboot sagt und sich dann beschwert, dass es nicht bequem genug sei», meinte der Anwalt des US-Justizministeriums Kenneth M. Dintzer bei Prozesseröffnung vor dem U.S. Court of Federal Claims in Washington. Dieses Gericht ist für alle Finanzforderungen an die amerikanische Bundesregierung zuständig.

Greenberg war einer der grössten Aktionäre von AIG, als das Unternehmen von der New York Federal Reserve mit einer Finanzspritze vor dem vermeintlichen Bankrott gerettet wurde. Die Verantwortlichen der New Yorker Filiale der US-Notenbank kamen zu dem Schluss, AIG könne seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Ein Zusammenbruch des Versicherungsgiganten hätte global die Finanzmärkte erschüttert.

«Praktisch übernommen»

Greenberg hält dagegen, dass die US-Regierung damit das Unternehmen praktisch übernommen, ihn und andere Aktionäre aber nicht ausreichend entschädigt habe. Nach seiner Meinung hat die Fed die AIG damals gezwungen, einen 85-Milliarden-Dollar-Kredit zu akzeptieren und dem Staat dafür 80% Anteile am Unternehmen abzutreten.

Greenberg verlangt nun vom Staat eine Entschädigung von 40 Mrd. $. Die will er mit rund 300 000 Aktionären teilen, die sich seiner Klage gegen die Bundesregierung angeschlossen haben. Beim Prozess werden in den kommenden Wochen die Architekten der Finanzrettung vor sechs Jahren in den Zeugenstand gerufen: der ehemalige Fed-Chef Ben Bernanke und die Ex-Finanzminister Timothy Geithner und Henry Paulson. (dye)