Griechenland als Profiteur

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Tourismus Die griechische Wirtschaft tut sich schwer. Seit acht Jahren schrumpft das Bruttoinlandprodukt (BIP), lediglich 2014 gab es ein kleines Plus, vergangenes Jahr stagnierte es. Ganz anders die Entwicklung des Tourismus: Seit 2013 meldet die griechische Ferienbranche einen Rekord nach dem andern. Dieses Jahr erwarten die Hoteliers mehr Gäste als je zuvor. Andreas Andreadis, der den Verband der griechischen Tourismusfirmen (Sete) präsidiert, rechnet mit 26 Mio. Besuchern. Das wäre ein Plus von 5% gegenüber 2016. Rechnet man die Kreuzfahrtpassagiere hinzu, die 2017 in den griechischen Häfen erwartet werden, könnte die Zahl der ausländischen Gäste sogar 28 Mio. erreichen.

Möglicherweise ist diese Prognose aber noch zu tief gegriffen. Denn vor allem auf dem wichtigen deutschen Markt sind Griechenlandreisen gefragt wie nie zuvor. TUI Deutschland etwa berichtet von einem Buchungsplus für dieses Jahr von bisher 30%. Und die GfK-Marktforscher schreiben: «Kein anderes Reiseland gewinnt in absoluten Umsatzzahlen derzeit so stark. Griechenland steigt damit nach den Balearen zum zweitstärksten Ferienziel im deutschen Markt auf.» Auch immer mehr Schweizer reisen nach Griechenland. 2016 waren es 305000 (+9,5%). «Dieses Jahr erwarten wir einen Anstieg in ähnlicher Grössenordnung», heisst es seitens Sete.

Wie bereits im vergangenen Jahr profitiert der Griechenland-Tourismus auch 2017 von der instabilen Sicherheitslage und von politischen Turbulenzen in anderen Reiseländern. Vor allem die Türkei, die bereits 2016 einen Rückgang im Tourismus von 30% zu verkraften hatte, ist auch dieses Jahr wenig gefragt.

Der Tourismus ist für Griechenland in der Krise, die das Land seit 2009 durchmacht, immer wichtiger geworden. Der Anteil am BIP ist auf fast ein Fünftel gestiegen, die Branche stellt jeden fünften Job. Bei den Einnahmen aus dem Tourismus rechnet Sete 2017 mit einem Anstieg auf bis zu 14,5 Mrd. € – trotz mehr ­billigen Last-Minute-Buchungen und der Tatsache, dass viele Hoteliers einen Teil ihrer Einnahmen im Ausland bunkern. (Hö)