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«Grexit? Nein, danke!»

Folgt auf den Brexit nun der Grexit? Die Griechen wollen ihn nicht. Noch jedenfalls. Was sie aktuell beschäftigt: Die Konsequenzen des Brexit für die eigene Wirtschaft und die Studenten.
Ferry Batzoglou
Touristen am Strand von Agios Prokopios, der sich auf der griechischen Insel Naxos befindet. (Bild: ky/Alessandro Della Valle)

Touristen am Strand von Agios Prokopios, der sich auf der griechischen Insel Naxos befindet. (Bild: ky/Alessandro Della Valle)

ATHEN. Fakt ist: Im siebten Jahr der Hellas-Krise hat die EU in den Augen der Griechen viel an Sympathie verloren. Waren die Griechen vor der Krise noch eine der proeuropäischsten Nationen, hat sich unterdessen das Blatt gewendet: Lediglich 44% der Griechen hätten eine positive Meinung über die EU, hat jüngst eine Umfrage ergeben. Eine klare Mehrheit von 55% denke hingegen schlecht über die EU. Sogar 92% glauben, die EU habe in der Wirtschafts- und Finanzpolitik kläglich versagt, fulminante 94% geben der EU in der Flüchtlingsfrage schlechte Noten.

Hin- und hergerissen

Viele Griechen sehen in der EU – vornehmlich in Deutschland – einen neuen Besatzer, der dem Land ständig neue, rezessive Sparprogramme aufbürdet. Für das Gros der Griechen ist ferner klar: die EU hat keine Zukunft. Konkret: 56% glauben, die EU werde nicht überleben. Nur 40% der Griechen glauben an ihr Fortbestehen. Wohlgemerkt: Das war vor dem Brexit.

Auch der Euro, in Griechenland Anfang 2002 eingeführt, verliert dort immer mehr Fans. Hatten im Jahr 2000 nur 18% der Griechen eine negative Meinung über den Euro, ist der betreffende Wert im Mai 2016 auf 44% in die Höhe geschnellt – allein seit Oktober 2015 bedeutet dies ein Plus um 12%. Der Grund: Neuerliche, schmerzliche Sparrunden. Dennoch: 55% der Griechen finden den Euro weiterhin gut – trotz der nicht endenden Sparpakete. Und um den Euro zu behalten, wollen die meisten Griechen auch in der EU bleiben. Denn: Ohne EU kein Euro. Dies unterscheidet das Grexit-Szenario vom Brexit. Bei den Briten spielte die Währung keine Rolle, sie haben ihr Pfund.

Weder Athens linker Regierungschef Tsipras noch der konservative Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis streben daher betreffende Volksentscheide in Hellas an. Doch auch wenn es dazu käme: die Griechen würden wohl für einen Verbleib in der – ungeliebten – EU votieren. Wegen dem Euro. Das Motto in Hellas: «Grexit? Nein, danke!» Noch jedenfalls.

Gleich mehrfach verbunden

Was die Griechen momentan an Fragen besonders stark umtreibt: Die Konsequenzen des Brexit für die krisengebeutelte griechische Wirtschaft, die Zukunft der hellenischen Studenten in Grossbritannien sowie die Freizügigkeit für Arbeitnehmer.

Griechenland exportierte im vorigen Jahr Waren und Güter im Wert von 2,5 Mrd. € nach Grossbritannien. Nun wird in Athen befürchtet, dass sich diese Produkte auf dem britischen Markt wegen des prognostizierten Wertverfalls des Pfunds gegenüber dem Euro verteuern werden – und damit weniger Käufer finden. Ferner reisten im vergangenen Jahr drei Millionen Briten ins Ferienparadies Griechenland – 10% mehr als im Vorjahr. Damit ist Grossbritannien unangefochten der wichtigste Markt für die griechische Tourismusbranche. Reisen fortan weniger Briten nach Griechenland, hätte dies negative Auswirkungen.

Überdies studieren aktuell 35 000 Studenten aus Hellas in Grossbritannien. Was passiert nach dem Brexit mit ihnen? Für sie könnten sich nicht zuletzt die Universitätsgebühren erhöhen, sobald Grossbritannien nicht mehr der EU angehört.

Ebenso stellte vor allem die Wirtschafts- und Finanzmetropole London ein beliebtes Ziel für gut ausgebildete Griechen dar – vor allem seit Ausbruch der Griechenlandkrise. Wird die Freizügigkeit der Arbeitnehmer aus EU-Ländern in Grossbritannien künftig aber eingeschränkt, würde sie dies treffen. Sie müssten sich im schlimmsten Fall nach anderen Zielländern umschauen. Denn: In Griechenland finden die meisten keinen Job.

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