Googles sprechender Assistent

Google erhebt den Anspruch auf die Führungsrolle in der vernetzten Zukunft. Der Konzern verknüpft selbstlernende Computer unter anderem mit der Fähigkeit, die natürliche Sprache zu verstehen.

Andrej Sokolow und Christoph Dernbach/dpa
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MOUNTAIN VIEW. Wie nutzen Sie Google? So wie schon immer, indem man Worte in das Suchfeld tippt? Für die Zukunft hat Google einen anderen Plan. Der Internetpionier will nicht mehr eine Suchmaschine sein, sondern ein persönlicher Assistent, dem man mit gesprochenen Worten eine Frage stellt oder einen Auftrag erteilt. Egal, worum es geht: Wissensfragen, Termine, Einkaufslisten, Reisepläne, kurz, alles soll im Dialog geklärt werden. Damit bestätigt der Internetkonzern die Richtung, die auch seine grossen Rivalen Facebook, Amazon, Apple und Microsoft eingeschlagen haben – und könnte Konkurrenten extrem gefährlich werden. Denn die Macht der künstlichen Intelligenz von Google, gepaart mit zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Internetsuche, ist nicht zu unterschätzen.

Schaltzentrale fürs Leben

«Heute verstehen wir eine Milliarde Begriffe, Leute, Orte und Dinge in ihrem Verhältnis zur realen Welt», sagt Google-Chef Sundar Pichai. Dazu kommt die über Jahre perfektionierte Fähigkeit, nicht nur den Klang menschlicher Sprache zu verstehen, sondern auch den Inhalt richtig zu interpretieren. Im Haushalt soll Googles sprechender Assistent in einem kleinen weissen Lautsprecher wohnen. Das Gerät mit dem Namen Google Home hört aufs Wort und spielt die gewünschte Musik ab. Es soll aber im Grunde auch jede Frage beantworten, die einem so einfallen kann. Und Schnittstellen zu allen möglichen Geräten und Diensten sollen das Gerät zur universellen Schaltzentrale fürs Leben machen.

Die Visionen der Technologiekonzerne liegen ganz nah beieinander. Amazon hat mit dem Lautsprecher «Echo», von dem laut einigen Schätzungen bereits 3 Mio. Geräte verkauft wurden, eine ähnliche Plattform aufgebaut. Facebook setzt auch massiv auf künstliche Intelligenz, und Firmengründer Mark Zuckerberg will persönlich einen Assistenten für sein Zuhause programmieren. Apple macht über die Schnittstellen der «Home Kit»-Plattform Hausgeräte über die sprechende Siri per iPhone steuerbar.

Wendepunkt für den Konzern

Pichai selbst sprach zur Eröffnung der Entwicklerkonferenz Google I/O von einem Wendepunkt für den Konzern. Die Google-Dienste sollen viel nützlicher werden und schneller die richtigen Informationen für den aktuellen Moment liefern.