Googles Flüchtlingshilfe dient auch dem Geschäft

BERLIN. Jetzt leistet Google auch noch Flüchtlingshilfe. Im Rahmen des «Project Reconnect» stellt der Internetkonzern in den kommenden Monaten Asylbewerbern insgesamt 25 000 Chromebooks mit Chrome-Geräteverwaltung zur Verfügung.

Adrian Lobe
Drucken
Teilen

BERLIN. Jetzt leistet Google auch noch Flüchtlingshilfe. Im Rahmen des «Project Reconnect» stellt der Internetkonzern in den kommenden Monaten Asylbewerbern insgesamt 25 000 Chromebooks mit Chrome-Geräteverwaltung zur Verfügung. Dazu kooperiert Google mit der Deutschen Telekom und der amerikanischen Nichtregierungsorganisation NetHope. Gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen, die sich für die Flüchtlingshilfe einsetzen, können sich in einem dreistufigen Auswahlprozess für bis zu 5000 der Geräte bewerben.

Fünf Mio. Euro für Flüchtlinge

Als erstes wurde in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft des Arbeiter-Samariter-Bundes ein Internetcafé mit 20 Chromebooks eingerichtet. Mit den Laptops soll Flüchtlingen in Deutschland der Zugang zu Bildungsangeboten und Kontakt zu den Familien erleichtert werden. «Information und Kommunikation sind wesentlich für die Integration. So können wir den geflüchteten Menschen einen Neustart ermöglichen», sagte Wieland Holfelder, Chefingenieur von Google Deutschland, zum Start des Projekts.

Die Initiative wurde wie ein Heilsversprechen verkündet. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, wird mit den Worten zitiert: «Ich begrüsse und unterstütze das Engagement von Google und freue mich, dass mit der Bereitstellung von 25 000 Chromebooks ein so wichtiger Schritt gemacht wird.» Google «spendet» fünf Mio. Euro für Flüchtlinge, war in Medienberichten zu lesen. Doch so generös das Projekt klingen mag, so sehr ist es von den Geschäftsinteressen Googles getrieben.

Auf der Jagd nach Daten

Der Internetkonzern ist vor allem an Daten interessiert. In den USA, wo Google seine ohnehin schon günstigen Laptops unter Einstandspreis für 99 $ an Schulen verkauft und damit die Konkurrenz von Microsoft und Apple verdrängt hat, werden Schüler über Chromebooks getrackt. Wie die Datenschutzorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) im Rahmen ihrer Kampagne «Spying on Students» herausfand, ist bei den Rechnern in den Einstellungen die Synchronisationsfunktion aktiviert.

Damit kann Google jeden Suchbegriff, jede aufgerufene Seite und Passwörter nachverfolgen und auf seinen Servern speichern. Daraus leitet Google detaillierte «Verhaltensprofile» ab. EFF erhob nach der Überprüfung Beschwerde bei der amerikanischen Handelskommission FTC. «Entgegen öffentlicher Bekundungen durchforstet Google unter anderem den Browserverlauf und andere Informationen der Schüler und nutzt diese für Unternehmenszwecke», kritisierte EFF-Anwalt Nate Cardozo. «Minderjährige sollten nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden.» Die gleiche Frage stellt sich natürlich beim «Project Reconnect» in Deutschland. Auf Anfrage wollten sich die Verantwortlichen dazu nicht äussern.

Trojanisches Pferd

Aus dieser Warte wirkt das Chromebook-Geschenk wie ein Trojanisches Pferd. Von aussen nett anzusehen, doch im Innern lauert die Überwachung. Man kann das freilich noch weiter zuspitzen: Was ist wichtiger? Die Bildung und Integration der Flüchtlinge oder der Datenschutz?

Der Staat ist bei der Bewältigung der Flüchtlingsaufgabe schon seit längerem überfordert. Das «Project Reconnect», das von Google.org, dem philanthropischen Arm des Unternehmens, finanziert wird, erinnert an Facebooks Internet.org, das Schwellen- und Entwicklungsländer mit kostenlosen Internet versorgen will. Die Nutzer können jedoch nur auf vereinzelte Seiten zugreifen, welche von Facebook vorher bestimmt wurden.

Aktuelle Nachrichten