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Google verbannt Werbung des umstrittenen Tickethändlers Viagogo

Der umstrittene Schweizer Ticketanbieter verliert durch den Bann des US-Konzerns sein wichtiges Marketing-Instrument.
Michael Graber
Der Frontsänger der deutschen Rockband Rammstein an einem Konzert in Deutschland. Die Band setzt im Kampf gegen den Tickethändler auf personalisierte Tickets. (Bild: Boris Roessler/Keystone/DPA)

Der Frontsänger der deutschen Rockband Rammstein an einem Konzert in Deutschland. Die Band setzt im Kampf gegen den Tickethändler auf personalisierte Tickets. (Bild: Boris Roessler/Keystone/DPA)

Empfindlicher Schlag gegen Viagogo: Die Suchmaschine Google nimmt ab sofort keine Anzeigen mehr vom umstrittenen Tickethändler an. Wer etwa nach Festival- oder Sporttickets suchte, landete bisher oft auf der Seite von Viagogo. Der Grund: Das Unternehmen buchte zu beinahe jeder Veranstaltung Google-Anzeigen, damit das eigene Angebot bei den Suchergebnissen stets zuoberst angezeigt wurde.

Dem Konzern mit Sitz in Genf wird vorgeworfen, Tickets zu überhöhten Preisen anzubieten. Zudem suggeriert das Unternehmen auf seiner Homepage, dass Veranstaltungen ganz oder beinahe ausverkauft seien, obwohl es im regulären Vorverkauf noch zahlreiche Tickets gibt. Deswegen war und ist Viagogo oft im Fokus von Konsumentenschützern und sah sich mit einer Vielzahl von Beschwerden und Rechtsfällen konfrontiert.

Bands wie Rammstein setzen im Kampf gegen den Tickethändler auf personalisierte Tickets. Daher kann es durchaus vorkommen, dass Konzertbesucher mit einem Viagogo-Ticket bei der Eintrittskontrolle abgewiesen werden.

Geschäft auf kleinere Events ausgeweitet

All dies hat Viagogo aber keineswegs in die Knie gezwungen. In der letzten Zeit liess sich sogar beobachten, dass längst nicht mehr nur für grosse Konzerte und Anlässe Tickets auf der Plattform angeboten wurden, sondern auch für kleinere Veranstaltungen. Der verschwiegene Tickethändler hat sein Geschäftsfeld eher noch ausgebaut. Mit dem gezielten Buchen von Google-Anzeigen lockte die Firma vor allem unbedarfte Internet-User auf seine Seite. Viele der zusätzlich anfallenden Gebühren sieht man erst spät und versteckt im Kaufprozess.

Britische Medien zitieren einen Sprecher von Google, der sagt: «Wenn Menschen unsere Plattform nutzen, um sich Tickets für Veranstaltungen zu bestellen, wollen wir sichergehen, dass sie den Anbietern bestmöglich vertrauen können.» Rein auf Freiwilligkeit dürfte dieser Schritt aber nicht beruhen: So hatte die britische Wettbewerbsbehörde rechtliche Schritte gegen den Tickethändler eingeleitet.

In Deutschland hat erst kürzlich ein Gericht entschieden, dass die Firma nicht mehr länger damit werben dürfe, dass Kunden mit Viagogo-Tickets «garantierten Zugang» zu Veranstaltungen haben.

Zudem solle das Unternehmen die Identität des Verkäufers offenlegen. Laut Eigendarstellung ist Viagogo nur Zwischenhändler, angeboten würden die Tickets von Privatpersonen. Diese Darstellung wird aber angezweifelt. Einige Versuche von Veranstaltern legen den Verdacht nahe, dass Viagogo durchaus selber ursprünglicher Käufer der Tickets ist.

Veranstalter freuen sich über Entscheid von Google

Trotz dem Werbebann: Ganz aus der Google-Suche verschwindet Viagogo nicht, sondern rutscht nur weiter nach unten. Trotzdem: «Dies ist ein sehr erfreulicher Entscheid für Fans, Künstler und Veranstalter», kommentiert der Branchenverband der Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter. Ebenfalls erfreut zeigt sich die FanFair Alliance, ein Verbund britischer Veranstalter, die sich gegen den Zweitmarkt wehrt.

Es sei nun wichtig, dass auch andere Plattformen, «darunter besonders Facebook», dem Beispiel von Google folgen würden. Alleine für den britischen Markt schätzt FanFair den Umsatz für den Ticketzweitmarkt auf eine Milliarde Pfund pro Jahr.

Wie lange Google den Bann aufrecht erhält, ist unklar. In einem Statement liess Viagogo verlauten, man sei extrem überrascht über die Sperre und glaube nicht, dass man die Richtlinien verletzt habe. «Wir werden nun auf Google zugehen und sind zuversichtlich, dass wir die Zusammenarbeit so rasch als möglich wieder aufnehmen können.»

Fragen dieser Zeitung beantwortete Viagogo nicht.

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