Google-Mitarbeiter dürfen bis Juli 2021 zu Hause arbeiten – die Entscheidung setzt auch Swisscom, SBB und Co. unter Druck

Der Internet-Konzern legt sich als eines der ersten grossen Unternehmen auf eine sehr späte Rückkehr in die Büros fest. Schweizer Grosskonzerne handhaben die Homeoffice-Regeln derweil unterschiedlich. Eine bekannte Basler Firma fällt dabei besonders auf.

Gabriela Jordan
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Der Hauptsitz von Google in Mountain View, Kalifornien.

Der Hauptsitz von Google in Mountain View, Kalifornien.

Marcio Jose Sanchez / AP

Google stellt sich auf noch ein Jahr Homeoffice in der Coronakrise ein. Das freiwillige Arbeiten von zu Hause aus soll bis Juli 2021 möglich sein. Der Schritt solle den Mitarbeitern mehr Flexibilität für die kommenden zwölf Monate erlauben, schrieb Firmenchef Sundar Pichai am Montag in einer E-Mail an die Mitarbeiter, über die das «Wall Street Journal» berichtete. Pichai habe die Entscheidung vergangene Woche nach einer internen Debatte getroffen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Ursprünglich wollte Google seine Mitarbeiter im Januar zurückholen.

Die Google-Mutter Alphabet hat rund 120'000 Vollzeit-Mitarbeiter. Diese sind auf zahlreiche Länder verstreut. Die verlängerte Zeitspanne betrifft denn auch alle Büros weltweit – vom Hauptsitz in Kalifornien, wo das Coronavirus derzeit besonders stark wütet, bis zum Standort Zürich. Durch das Homeoffice-Regime sollen insbesondere Familien die Möglichkeit haben, ganzjährige Mietverträge anderswo zu unterzeichnen oder für unsichere Schuljahre zu planen. Die Entscheidung sei ein «Zugeständnis an berufstätige Eltern», schrieb etwa der «Spiegel».

Google-Chef Sundar Pichai soll von Schiksalen von Familien bewegt worden sein.

Google-Chef Sundar Pichai soll von Schiksalen von Familien bewegt worden sein.

Jeff Chiu / AP

Der Suchmaschinengigant legt sich damit als eines der ersten grossen Unternehmen auf eine sehr späte Rückkehr in die Büros fest. Zugleich gaben einige Tech-Unternehmen wie Twitter ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits die Freiheit, auch nach dem Ende der Coronakrise weiter uneingeschränkt von zu Hause arbeiten zu dürfen. Und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte erklärt, er gehe davon aus, dass im nächsten Jahrzehnt die Hälfte der Mitarbeiter des sozialen Netzwerks von zu Hause aus arbeiten werde.

Die Entscheidung von Google erhöht den Druck auf andere US-Technologiegiganten, die ihre Mitarbeitenden bereits im Januar zurückkehren lassen wollen. Bei einigen könnte es sogar noch früher der Fall sein: Der Softwareentwickler Microsoft hat seinen Angestellten in Städten wie New York mitgeteilt, dass sie möglicherweise schon im Herbst dieses Jahres ins Büro zurückkehren werden.

Bisher ist in den USA die Rückkehr in die Büros nur langsam erfolgt. Wie das «Wall Street Journal» schreibt, kehrt in New York derzeit weniger als ein Zehntel der Büroangestellten aus Manhattan an ihren Arbeitsplatz zurück. Dabei ist es ein Monat her, seit die Stadt den Unternehmen grünes Licht für die Wiederbesetzung der im März geräumten Gebäude gegeben hat. Das Homeoffice-Regime hat gleichzeitig vielerorts den Wohnungsmarkt in Aufruhr versetzt, da Angestellte alternative Wohnmöglichkeiten ausserhalb der teuren Ballungsgebiete suchen, in denen grosse Konzerne häufig angesiedelt sind.

Mit Material der dpa

So machen es Schweizer Unternehmen

(gjo) Die Schweiz hat die Pandemie im Gegensatz zu den USA relativ gut im Griff. Die Homeoffice-Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit gilt seit Ende Juni nicht mehr. In den meisten Unternehmen verrichten Angestellte ihre Arbeit deshalb wieder teilweise in den Büroräumen. Die Mehrheit der grossen Unternehmen spricht von einer Belegung von 30 bis 50 Prozent. Doch es gibt Unterschiede: Manche Firmen lassen ihr Personal weiterhin mehrheitlich von zu Hause aus arbeiten, andere haben sie schon wieder gänzlich ins Büro zurück zitiert. 

Zu Letzteren gehört etwa Coop. Seit Anfang Juli müssen sämtliche Verwaltungsmitarbeitenden des Grossverteilers wieder im Büro arbeiten. Das sind 10 Prozent der totalen Belegschaft, der Rest arbeitet im Verkauf, in der Logistik und in der Produktion. Andere Wege geht die UBS: Die Grossbank geht davon aus, dass auch nach dem Ende der Coronakrise ein Drittel des Personals von zu Hause aus arbeiten wird, wie CEO Sergio Ermotti kürzlich bestätigte. Auch beim Versicherungskonzern Helvetia mit Hauptsitz in St.Gallen sollen die Angestellten weiterhin durchschnittlich rund 30 Prozent ausserhalb des Büros arbeiten.

Bei den SBB dürfen bis Ende Jahr vorerst maximal 50 Prozent der Büroangestellten wieder zurück an ihre Arbeitsplätze. Während des Lockdowns haben zeitweise bis zu 12’000 SBB-Mitarbeitende von zu Hause aus gearbeitet. Bei der Post darf ebenfalls erst die Hälfte der Belegschaft zurückkommen, die Rückkehr erfolgt etappenweise. Die Swisscom hingegen verzichtet mittlerweile auf solche Vorgaben und überlässt die Entscheidung über den Arbeitsort derzeit ihren Mitarbeitern.

Novartis fiel vergangene Woche mit der Ankündigung auf, die Angestellten sollen künftig selber entscheiden, wie, wo und wann sie arbeiten wollten. Konkurrent Roche will nicht so weit gehen, wie er vor wenigen Tagen gegenüber CH Media sagte. CEO Severin Schwan glaubt zwar, dass Homeoffice beliebter werde. In forschungsgetriebenen Unternehmen wie Roche sei es jedoch sinnvoll, dass sich die Mitarbeitenden auch vor Ort austauschten, etwa wenn sie gemeinsam an Projekten arbeiteten.

Hinsichtlich ihrer langfristigen Pläne bleiben viele Unternehmen noch vage: Die Suva etwa will Homeoffice «wo immer sinnvoll und möglich unterstützen». Auch die Credit Suisse, ABB, Swisscom und Nestlé werden Homeoffice weiterhin ermöglichen. Bei diesen Unternehmen war dies schon vor Corona möglich. Ob der Homeoffice-Anteil zunehmen wird, darüber äusserten sie sich noch nicht. Gegen Ende der Sommerferien wollen viele die Lage neu beurteilen. 

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