Google fordert Apple heraus

Mit seinem eigenen Smartphone attackiert Google frontal Apple und will seine Dominanz bei Werbung vom Internet in die mobile Welt retten. Experten bleiben skeptisch, und Apple kontert.

Thomas Spang
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Washington. «Nein, es tötet niemanden», scherzt Google-Manager Andy Rubin an der Weltpremiere des Nexus (Bild unten) auf die Frage, ob das erste Smartphone des Suchmaschinen-Konzerns «ein iPhone-Killer» (Bild oben) sei. Vielmehr gehe es darum, den Konsumenten Auswahl zu geben. Nett und bescheiden angesichts der Vormachtstellung Apples auf dem expandierenden Markt für Smartphones. In jedem Fall hat sich Google bei der Entwicklung des Nexus an anderen erfolgreichen Modellen orientiert.

Eigenes und Abgeschautes

Das gestochen scharfe OLED- Display (OLED steht für Organische Leuchtdiode) dürfte der taiwanische Hersteller HTC dem iPhone abgeschaut haben. Das Navigationskügelchen ist Smartphone-Nutzer aus der Blackberry-Welt bekannt. Und Googles Betriebssystem Android steuert bereits das Nervenzentrum des G1, des Motorola Droid sowie 18 anderer Smartphones, die von Netzgesellschaften in 48 Ländern vertrieben werden.

Das Nexus kombiniert die drei Komponenten zu einem schlanken Kraftpaket, angetrieben von einem rasanten 1-Gigahertz-Prozessor.

Während die Rivalen ihre Geräte mit teuren Mobilfunk-Abos und Subventionen unters Volk bringen, wird das Nexus netzunabhängig via Google-Online-Shop verkauft. Der US-Einführungspreis liegt bei 529 $. Parallel dazu vereinbarte Google mit T-Mobile die Abgabe eines subventionierten Modells für 179 $. Mit Ausnahme von Britannien müssen europäische Kunden bis Frühling warten.

Auf jeden Fall wird Vodafone ein subventioniertes Paket bieten.

Schon letztes Wochenende stellte der Blog «Endgadget» das Nexus in einem Video vor. «Das Design ist viel besser, die Technik viel schneller als andere Modelle mit dem Android-Betriebssystem», schwärmt Redaktor Joshua Topolsky. Auch andere Kenner sehen Vorteile gegenüber Geräten, die auf Betriebssystemen wie etwa Windows Mobile, Symbian oder Blackberry basieren. Allein im Wettbewerb mit dem iPhone hinkt das Nexus hinterher.

Noch bevor sich im Oktober die Gerüchte über das Nexus bestätigt hatten, erwartete die Analysefirma Gartner, dass der Marktanteil von Android-basierten Smartphones 2010 von 2% auf 14% steigen könnte. Das Nexus soll nun als Lok das Android-Wachstum beschleunigen. 2005 hatte Google das Start-up Android erworben und dessen Technik weiterentwickelt.

2007 bei der Markteinführung hatte der Konzern das Ziel, möglichst viele Mobiltelefone mit Android auszurüsten, um zu helfen, Googles Vormacht im Online-Anzeigenmarkt zu den Smartphones zu retten.

Apple lanciert den Tablet-PC

Dazu gehört der Aufbau einer GPS-Plattform, die den Standort eines Nutzers peilt und so ortsgebundene Werbung ermöglicht.

Weitere Eckpunkte sind der Kauf von Grand Central, einem Service zur Umgehung traditioneller Telefondienste, und der geplante Kauf der Firma AdMob für mobile Werbung. An eine Gefahr durch den explodierenden Applikationen-Markt, mit dem Smartphone-Nutzer Mini-Programme auf ihre Geräte laden und damit klassische Suchanfragen über Google umgehen können, glaubt dieser nicht.

Derweil kontert Apple. «Drei Milliarden Applikationen sind in den letzten 18 Monaten heruntergeladen worden», dimensioniert Apple-Chef Steve Jobs die Herausforderung für Google. Und Ende Monat will Apple seinen lang erwarteten Tablet-PC vorstellen. Ein Gerät mit einem A5-Bildschirm, das einen neuen Zugang zu Internet, Spielen, Filmen, Büchern, Zeitungen und Musik bieten soll. Eine Mischung zwischen Smartphone und Laptop, die den Markt weiter in Schwung halten könnte.

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